{"id":31531,"date":"2000-03-11T11:11:00","date_gmt":"2000-03-11T10:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=31531"},"modified":"2022-07-23T21:22:58","modified_gmt":"2022-07-23T19:22:58","slug":"laika-good-looking-blues","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2000\/03\/laika-good-looking-blues\/","title":{"rendered":"Laika: Good Looking Blues"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image is-style-default\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><a href=\"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/Laika-Good-Looking-Blues.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/Laika-Good-Looking-Blues.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-33422\" width=\"250\" srcset=\"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/Laika-Good-Looking-Blues.jpg 450w, https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/Laika-Good-Looking-Blues-145x145.jpg 145w, https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/Laika-Good-Looking-Blues-60x60.jpg 60w, https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/Laika-Good-Looking-Blues-120x120.jpg 120w\" sizes=\"(max-width: 450px) 100vw, 450px\" \/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Keine Minute, und man wei\u00df: Laika, unverkennbar. &#8222;Good looking Blues&#8220; ist kein Ausbruch, sondern eine behutsame Weiterentwicklung. Die Markenzeichen sind geblieben, aber eingedampft zu einer weichen Klangmasse und durch neue Kan\u00e4le geleitet. Der spacige, ged\u00e4mpfte Elektronik-Sound ist um einiges leichter geworden, tupft und federt wie auf Watte gebettet durch den Raum und schimmert edler denn je. Lounge pur, zarte Moog-Loops steigen wie Bl\u00e4schen auf, weich puffend und mit dezentem Hall. Die Rhythmen federn, schwingen und sind trotzdem voll funkiger Spannung. Laikas Ger\u00e4uschekosmos aufzudr\u00f6seln, w\u00e4re was f\u00fcr Sisyphos. Die irrsinnigsten Sounds sind hier verwoben. Oft wei\u00df man nicht: Industrielandschaft, Dschungel oder Paradiesgarten?<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Von Songs zu reden, w\u00e4re auch verbotene Liebesm\u00fch. Hier flie\u00dfen etliche Linien im selben Strom, kommen sich n\u00e4her, werden aber nie eins. Der Gesang wie immer seltsam entr\u00fcckt und unbeteiligt, mehr erz\u00e4hlend als singend und trotz Hooks einfach nicht ins Ohr zu kriegen. Im Prinzip nur zus\u00e4tzliche Instrumental-Spur, keine Extra-Wurst, sondern R\u00e4dchen im Getriebe. Wo die Melodie-Linien ihre Pr\u00e4gnanz aufl\u00f6sen, beginnt der Blues. Es geht um Stimmungen, um Atmosph\u00e4re, einen einzigen zusammengeh\u00f6rigen Kosmos, der eben mal drei, mal sechs Minuten dauert. Keine gezielten Fahrten mit Spannungsb\u00f6gen, Durchgangspassagen und H\u00f6hepunkten. Hier regiert das Gleichma\u00df, und zwar mit eiserner Hand. Verschwommene Harmonien, funkiges Geplucker, eine wabernde Melange aus Beats, Loops und Samples. Der Gesang seltsam gefiltert, fast verfremdet. Extra-Touren gibt\u00b4s nicht, alles nivelliert zur breiigen Masse. Wo allerdings die Laika-typische W\u00e4rme, Freundlichkeit und Optimismus beginnen, ist mit dem Blues auch schon wieder Schlu\u00df. Mit Festlegen ist hier nichts. Laika schaffen sich gro\u00dfe Freir\u00e4ume, Leerstellen, die sie bevorzugt mit Free-Jazz f\u00fcllen. Experimentelle Bl\u00e4ser-Improvisationen signalisieren: der Raum wird genutzt, bleibt aber f\u00fcr alle Interpretationen offen. Dieser Akzent ist in der Auspr\u00e4gung neu f\u00fcr Laika. Die Schwebe als einziger Fingerzeig, zu dem sie sich herablassen. \u00dcbrigens ist das neue Opus in sich um einiges ununterscheidbarer als der Vorg\u00e4nger &#8222;Sounds of the Satellites&#8220;, wo man beim H\u00f6ren noch auf Anhieb die einzelnen Takes trennen konnte. Daf\u00fcr \u00e4hneln sie sich neuestens zu sehr.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch wenn man\u00b4s nicht auf den ersten &#8222;Blick&#8220; h\u00f6rt: Laika fusionieren mal wieder Organik und Elektronik. Das gute alte Rock-Line Up lebt weiter, was zu komplizierten Mehrfach-Einspielungen f\u00fchrte. &#8222;Wenn man interessante Gitarrenmusik macht, gibt es definitiv eine Tendenz, den S\u00e4nger wegzulassen oder nicht mehr live zu spielen, wenn man auf Elektronik steht. Beides haben wir hinter uns gelassen.&#8220; Laika \u00fcber Laika, aus dem Mund von S\u00e4ngerin Margaret Fiedler. Die \u00fcbrigen Mitglieder sind: Guy Fixsen (Gitarre, Moog), John Frenett (Bass) und Lou Ciccotelli (Drums, Percussions). &#8222;Good Looking Blues&#8220; ist das dritte Album der Engl\u00e4nder in sechs Jahren. Soweit die Statistik. F\u00fcr den Trip Hop der Bristol-Bands hegen sie gro\u00dfe Sympathie, lassen sich aber nicht darunter subsummieren. Ihr Sound ist vielschichtiger, avantgardistischer und trotz leichtf\u00fc\u00dfiger Attit\u00fcde kein Pop. Dieselbe abgehobene Eleganz h\u00f6rte man zuletzt bei Jimi Tenor, der allerdings im Gegensatz zu Laika eindeutig auf dem Retro-Trip war. Fusion ist keine Schublade f\u00fcr Laika, und trotz aller Crossover-Bem\u00fchungen bleiben sie in erster Linie Elektronik-Band. Charmant: ja, aber leidenschaftlich: nein. Wenn auch nicht k\u00fchl, dann aber trotzdem unnahbar. Post World Music, schrieb ein Kollege. Er hatte so unrecht nicht.<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Laika: Good Looking Blues<br \/>(Too Pure\/Zomba) <\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Keine Minute, und man wei\u00df: Laika, unverkennbar. &#8222;Good looking Blues&#8220; ist kein Ausbruch, sondern eine behutsame Weiterentwicklung. Die Markenzeichen sind geblieben, aber eingedampft zu einer weichen Klangmasse und durch neue Kan\u00e4le geleitet. 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