{"id":31574,"date":"2001-04-25T11:11:00","date_gmt":"2001-04-25T09:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=31574"},"modified":"2022-07-17T03:16:50","modified_gmt":"2022-07-17T01:16:50","slug":"mouse-on-mars-idiology","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2001\/04\/mouse-on-mars-idiology\/","title":{"rendered":"Mouse On Mars: Idiology"},"content":{"rendered":"\n<p>Mouse On Mars waren bis zur zweiten LP &#8222;Iahora Tahiti&#8220; eine dubbige Angelegenheit, die auf einem englischen Indielabel namens &#8222;Too Pure&#8220;, mit solch illustren Namen wie Laika, Stereolab und dem PJ Harvey-Erstling 1994 eine E.P. namens &#8222;Frosch&#8220; herausbrachten und damals meine ungeteilte Aufmerksamkeit auf sich zogen. MOM sind seitdem eine Ausnahmeerscheinung, da sie bei jeder Folgever\u00f6ffentlichung regelm\u00e4\u00dfig zu den Lieblingen der Journaille gek\u00fcrt werden, und das nicht nur im Heimatland. Deutsche Experimentalelektroniker haben in England ja Props ohne Ende. Da kommt sofort der ganze Kraftwerk-, Krautrock- und Can-Schwall r\u00fcber (&#8222;Oh, you are Tsch\u00f6rman, hohoho, so you must know funfunfun on se Autobahn huah huah huah.&#8220; &#8211; So kann es einem ergehen, wenn man in einem Pub zu laut quatscht\u2026)<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>MOM sind mittlerweile kleine international beachtete Stars des Undergrounds, nicht nur, dass sie mit &#8222;Autoditacker&#8220; ein Elektronikfrickelmeisterwerk mit Hitpotential (&#8222;Twift Shoeblade&#8220;, &#8222;Schnickschnack&#8220;) 1997 auf die Menschheit loslie\u00dfen; vor allem die Arbeit mit Ex-Labelmates Stereolab, deren LP &#8222;Dots and Loops&#8220; sie veredelten, hat den Herren Andi Thoma und Jan St. Werner zu gro\u00dfem Ruhm verholfen. Den Nachfolger zu &#8222;Autoditacker&#8220;, habe ich nicht mitbekommen, da mir MOM auf der Vorabsingle &#8222;Distroia&#8220; zu sehr auf das sprichw\u00f6rtliche Zerst\u00f6ren und Verzerren setzten. Zu experimentell, zu wenig Pop, zu viel Mutwilligkeit; vielleicht war ich auch nicht in der richtigen Verfassung, um mich auf so viel Elektronikgesplattere einzulassen. Niedlich war diese Maus jedenfalls nicht mehr. Dennoch war ich auf &#8222;Idiology&#8220; gespannt.<\/p>\n\n\n\n<p>Leider fehlt mir an dieser Stelle die Titelliste auf der Promo-CD, aber ich versuche mal die Bestandsaufnahme ohne Titel, die wahrscheinlich eh wieder eigens erfundene Knuddelw\u00f6rter, meistens eine Mischung aus Deutschen und englischen Neologismen darstellen. Also: Im Gro\u00dfen und Ganzen sind MOM immer noch in &#8222;In the mood to destroy&#8220;. Atonal, verzerrt und quietschend stampfen Andi und Jan durch ihren Ger\u00e4tepark; man sieht sie vor dem geistigen Auge, wenn Sie auf dem Boden kriechen, um irgendwelche Kn\u00f6pfchen an komischen Ger\u00e4ten zu drehen. Ich denke an ein Kind, das zum ersten mal bei Toys are Us losgelassen wird und begeistert alles anfassen m\u00f6chte. Zwischen dem Umwerfen von Baukl\u00f6tzchen findet man auch die ein oder andere Spieluhr, der man eine niedliche Melodie entlocken kann, aber immer auf Weirdo-Mode: Nachdem das erste St\u00fcck wie Godzilla \u00fcber Osaka hergefallen ist, den Zuh\u00f6rer das Ohrenst\u00e4bchen nie wieder vermissen lassen wird, daddeln MOM bei Nummer zwei rum, dass ich schon fast abgeschaltet h\u00e4tte.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch dann erfolgt ein musikalischer Quantensprung, wie wir ihn von MOM nicht erwartet h\u00e4tten: Wie ein Intro zu einer siebziger Jahre Rockschwarte \u00e0 la Genesis oder Yes bringen die M\u00e4use eine gesungene Nummer, die gottseidank den Introstatus nicht verl\u00e4\u00dft und das Panfl\u00f6tenkeyboard eiert munter \u00fcber ein diffuses Gebleepe und Gezirpe bis der Drehmechanismus der verantwortlichen Aufziehpuppe zum Erlahmen kommt. Dann noch ein F\u00f6rsterchor, der seine H\u00f6rner stimmt\u2026k\u00f6stlich.<\/p>\n\n\n\n<p>Im folgenden l\u00e4uft ein ganzes Studio mit Spieluhren und Streichern r\u00fcckw\u00e4rts. Schneewittchen verl\u00e4\u00dft die Sieben Zwerge nochmal und verirrt sich im Wald. Dann eine MOM Nummer wie zu alten Vulvaland &#8211; Zeiten. M\u00e4usegefiepse arrangiert und komponiert in K\u00f6ln. Bei Nummer Sechs beweisen die beiden Nerds, da\u00df sie den Ska inhaliert haben, aber nur in Verbindung mit Lachgas. Auff\u00e4llig: Thoma und St. Werner setzen verst\u00e4rkt auf Vocals und nat\u00fcrliche Ingridenzien wie Saxophon. Na- ist ja auch schlie\u00dflich Ska!<\/p>\n\n\n\n<p>Danach wird so unertr\u00e4glich geklotzt, dass zumindest ich mich frage, warum man auch noch defekte Videospiele mitaufnehmen mu\u00dfte. Erst die letzte Nummer beendet den Terror, als man die Spieluhren wiederentdeckt. Sie sind noch kaputter und laufen immer noch r\u00fcckw\u00e4rts, grmpf. Zum guten Schlu\u00df packt der liebe Onkel noch den Zupfhansel aus dem Sack und w\u00fcnscht den Kindern eine gute Nacht.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich kann auch nicht mehr und letztlich frage ich mich, ob ich den MOM &#8211; Humor verstanden habe. Bestimmt keine leichte Kost, sondern eher eine Herausforderung. Vielleicht braucht es bei mir seine Zeit, dann schreibe ich nochmal \u00fcber diesen verkannten Geniestreich.<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Mouse On Mars: Idiology<br \/>(Our Choice\/Zomba)<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mouse On Mars waren bis zur zweiten LP &#8222;Iahora Tahiti&#8220; eine dubbige Angelegenheit, die auf einem englischen Indielabel namens &#8222;Too Pure&#8220;, mit solch illustren Namen wie Laika, Stereolab und dem PJ Harvey-Erstling 1994 eine E.P. namens &#8222;Frosch&#8220; herausbrachten und damals meine ungeteilte Aufmerksamkeit auf sich zogen. MOM sind seitdem eine Ausnahmeerscheinung, da sie bei jeder [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":29,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ub_ctt_via":"","footnotes":""},"categories":[12],"tags":[],"class_list":["post-31574","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-musik"],"featured_image_src":null,"author_info":{"display_name":"Fred Scholl","author_link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/author\/fred-scholl\/"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/31574","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/29"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=31574"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/31574\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=31574"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=31574"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=31574"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}