{"id":31741,"date":"2000-06-22T11:11:00","date_gmt":"2000-06-22T09:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=31741"},"modified":"2022-07-20T03:53:42","modified_gmt":"2022-07-20T01:53:42","slug":"modest-mouse-the-moon-antarctica","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2000\/06\/modest-mouse-the-moon-antarctica\/","title":{"rendered":"Modest Mouse: The Moon &#038; Antarctica"},"content":{"rendered":"\n<p>Eines ist gewi\u00df: wenn dieses Jahr zu Ende geht, wird &#8222;The Moon &amp; Antarctica&#8220; zu den spannendsten Longplays der vergangenen 12 Monate geh\u00f6ren. Weil das vierte &#8222;Modest Mouse&#8220;-Album davon erz\u00e4hlt, wo die Rockmusik der Zukunft sich hinbewegen k\u00f6nnte. Noch sitzt das Seattle-Trio zwischen allen St\u00fchlen. Zwischen der Folk-Seligkeit des Americana, zwischen der poetischen Tristesse des Grunge und der rohen Kraft der Noise-Fraktion. Mit &#8222;The Moon &amp; Antartica&#8220; erfinden die drei zwar nicht das Rad neu, aber ihre behutsamen Verschmelzungen und versteckten F\u00e4hrten weisen den Weg voraus. Vor allem aber in Sachen Klarheit und Intensit\u00e4t setzen sie Ma\u00dfst\u00e4be, &#8222;Moon\u2026&#8220; ist von atemberaubender Dichte und geradezu beunruhigender Energie. \u00b4Hypnotisch\u00b4 nennt man es, wenn Songs unter einem \u00dcberma\u00df an Atmosph\u00e4re trotzdem nicht zur formlos wabernden Masse mutieren. Und \u00b4episch\u00b4, wenn ein Werk auch beim dritten Duchlauf noch immer Neues zu sagen hat. Ja, Modest Mouse malen Landschaften. In d\u00fcsteren, aber frischen Farben.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Die machen zwar Freude, besonders denen, die die Rockmusik, schon am Abgrund w\u00e4hnten. Doch man mu\u00df sie auch aushalten k\u00f6nnen. Vieles auf &#8222;Moon\u2026&#8220; kracht mit apokalyptischer Wucht aus den Boxen, Schmerz, Angst, Wut und K\u00e4lte sind wie in Bernstein gegossen, kaum gemildert durch ohrenf\u00e4llige Arrangements oder Harmonie-Vocals (die grunds\u00e4tzlich unisono gemurmelt oder gebr\u00fcllt sind\u2026). Nicht einmal wirkliche Melodien finden sich &#8211; allenfalls gebetsm\u00fchlenartig wiederholte, stufenweise abfallende Linien oder langgezogene, hymnische B\u00f6gen. Die hohe Tonlage macht die \u00c4hnlichkeit mit Built to Spill un\u00fcberh\u00f6rbar, an anderer Stelle &#8211; nur um die wenigen Parallelen zu Kollegen gleich abzuhandeln &#8211; haben die Pixies mit Surf-Gitarren und Pop-Geheul Spuren hinterlassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Trotzdem gehen Modest Mouse ihren eigenen Weg. Ihre aggressive Monotonie verstecken sie geschickt hinter ausgefeilten, melodramatischen Songverl\u00e4ufen. Streicher, Loops und zartes Fingerpicking bilden kleine Oasen der Ruhe, der Grundton ist sehns\u00fcchtig, die Gangart meist Midtempo. Ein kurzer Banjo-Auftritt, ein perlendes Slide-Guitar-Intro &#8211; Modest Mouse kennen ihre Wurzeln &#8211; und bevorzugen dennoch die Reduktion, schrammen zeitweise mit fast abstrakter Einfachheit dicht am Post Rock vorbei. Allerdings hindert dieser Purismus die drei nicht an \u00fcppigen Ausgestaltungen ihrer Songs, die mit sonderlichen Percussions (Schlittenschellen, Kuhglocken), sparsamer Elektronik, Hall-Effekten und Verzerrern gespickt sind. An der Gitarre zieht Isaac Brook (auch MM-S\u00e4nger) alle Register, von l\u00e4ssigem Geschrammel bis hin zu hartem Rock, unterst\u00fctzt von Bassist Eric Judy und Drummer Jeremiah Green. Als I-T\u00fcpfelchen wurde hinter den Reglern ein auffallend r\u00e4umlicher Sound ausget\u00fcftelt, der die schlichte Sch\u00f6nheit des Album kongenial unterst\u00fctzt. Modest Mouse rollen den Stein wieder ein St\u00fcckchen h\u00f6her. &#8222;The Moon &amp; Antarctica&#8220; ist ein in seiner Ernsthaftigkeit hartes, ergreifendes Album geworden, das in seiner verknappten Melodik und seiner percussiven Saitenarbeit Vergangenheit und Zukunft zusammenf\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Modest Mouse: The Moon &amp; Antarctica<br \/>(Matador\/Zomba)<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eines ist gewi\u00df: wenn dieses Jahr zu Ende geht, wird &#8222;The Moon &amp; Antarctica&#8220; zu den spannendsten Longplays der vergangenen 12 Monate geh\u00f6ren. Weil das vierte &#8222;Modest Mouse&#8220;-Album davon erz\u00e4hlt, wo die Rockmusik der Zukunft sich hinbewegen k\u00f6nnte. Noch sitzt das Seattle-Trio zwischen allen St\u00fchlen. Zwischen der Folk-Seligkeit des Americana, zwischen der poetischen Tristesse des [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":21,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ub_ctt_via":"","footnotes":""},"categories":[12],"tags":[],"class_list":["post-31741","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-musik"],"featured_image_src":null,"author_info":{"display_name":"Katja Preissner","author_link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/author\/kp-2\/"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/31741","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/21"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=31741"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/31741\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=31741"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=31741"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=31741"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}