{"id":31743,"date":"1999-01-23T11:11:00","date_gmt":"1999-01-23T10:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=31743"},"modified":"2022-07-12T15:06:51","modified_gmt":"2022-07-12T13:06:51","slug":"willie-nelson-teatro","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/1999\/01\/willie-nelson-teatro\/","title":{"rendered":"Willie Nelson: Teatro"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image is-style-default\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><a href=\"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/willie-nelson-teatro.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/willie-nelson-teatro.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-31745\" width=\"250\" height=\"250\" srcset=\"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/willie-nelson-teatro.jpg 500w, https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/willie-nelson-teatro-145x145.jpg 145w, https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/willie-nelson-teatro-60x60.jpg 60w, https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/willie-nelson-teatro-120x120.jpg 120w\" sizes=\"auto, (max-width: 250px) 100vw, 250px\" \/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Neues von Willie Nelson also, seines Zeichens Country-Legende, Late-Wolfgang-Neuss-Look-a-like und wie dieser ein ausgemachter Marijuana-Man. In welchen Dimensionen mochte er sich rumgetrieben haben, als er den Franko-Kanadier Daniel Lanois zu seinem Produzenten erkor? Wie drogengeschw\u00e4ngert mochte die Luft bei der Vertragsunterzeichnung gewesen sein? Nein, das ist schon fast zuviel der Polemik, denn ein musikalisches Urgestein wie Willie Nelson ist auch von noch so profilierungss\u00fcchtigen Gestalten hinterm Mischpult nicht kaputtzuproduzieren. Aber h\u00f6ren tut man\u00b4s halt.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Okay, Nelson weicht nicht zum ersten Mal von ausgetretenen musikalischen Pfaden ab (und immerhin hei\u00dft das Album &#8222;Teatro&#8220;, bald ist auch Fastnacht\u2026), und mit seinen \u00fcber sechs Jahrzehnten und der entsprechenden Lebenserfahrung ist er Stoiker genug, um als alte Eiche den St\u00fcrmen &#8222;junger Wilder&#8220; standzuhalten. Aber leider ist Daniel Lanois kein zweiter Rick Rubin &#8211; eher schon ein zweiter Jeff Lynne, so schablonenm\u00e4\u00dfig geht er an seine Klientel ran, und nach zwei Takten cajungetr\u00e4nkter Musik wei\u00df man schon, wer da seine Finger im Spiel hat\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Aber &#8211; um das mal vorwegzunehmen &#8211; bei allem Gemecker ist unterm Strich doch ein gelungenes Album zu konstatieren. Willie Nelson hat einfach zu viel Klasse und zu viel Instinkt f\u00fcr richtiges Feeling und Timing. Gut abgehangen eben. Und verdammt relaxt (der Stoiker\u2026). Der Country ist ihm nicht auszutreiben, aber die spanischen Ankl\u00e4nge, die er schon auf seinem letzten Werk mit einbrachte, stehen ihm zugegebenerma\u00dfen auch gut! Die meisten Songs auf &#8222;Teatro&#8220; bewegen sich in gem\u00e4\u00dfigtem Tempo, passend zum schweren Cajun mit seinen schleppenden Percussions, Akkordeon und Fiddel. Ein \u00dcberbleibsel franz\u00f6sischer Einwanderer \u00fcbrigens, findet sich nicht nur in Kanada (Daniel Lanois\u2026), sondern auch im Einzugsgebiet von New Orleans (wer ein richtiges Cajun-Feeling will, sollte sich schleunigst den Film &#8222;The Big Easy&#8220; anschau\u00b4n, mit Dennis Quaid und Ellen Barkin &#8211; den Film, nicht die Serie\u2026).<\/p>\n\n\n\n<p>Etwas penetrant dagegen ist der aufdringliche Wechzeichner-Synthie-Sound aus dem Hause Lanois. Es 80ert gewaltig auf der Scheibe (hier sind also all die Tastenm\u00e4nner abgeblieben, die zu Anfang der Dekade aus ihren Bands entr\u00fcmpelt wurden: sie fanden ein Gnadenbrot in den Lanois-Studios, wo sie eine eigene Kolonie bev\u00f6lkern\u2026). Die Idee mit den Vibraphons dagegen war wieder gut! Auch die, Jazzpianist Brad Mehldau dazuzunehmen. An der Wurlitzer &#8211; wie immer &#8211; Nelsons Schwester Bobbie, und im Background &#8211; fast m\u00f6chte man angesichts des Ausbleibens eigener Alben und der \u00dcber-Pr\u00e4senz im Hintergrund hochkar\u00e4tiger Kollegen auch hier sagen &#8222;wie immer&#8220; &#8211; die grandiose Emmylou Harris!<\/p>\n\n\n\n<p>Die Songs sind insgesamt ordentlich und bisweilen auch brillant arrangiert, einige Balladen pl\u00e4tschern so m\u00e4rchenhaft fragil vor sich hin, da\u00df einem das Herz aufgeht! Leider mu\u00df ich noch ein letztes Mal ausfallend gegen\u00fcber Herrn Lanois werden, denn das Produzenten-Unicum ist auch mit einer eigenen Komposition auf dem Album vertreten. Leider verga\u00df Willie Nelson bei Vertragsunterzeichnung das Kleingedruckte zu lesen\u2026 Jedenfalls Take 10 (Titel des schwelgerischen Machwerks: &#8222;The maker&#8220;, ein religi\u00f6s verbr\u00e4mtes St\u00fcck \u00fcber &#8211; nein, nicht Helmut Schmidt, sondern \u00fcber &#8211; na, wie hie\u00df er noch?!) sollte man beim H\u00f6ren besser umschiffen &#8211; jetzt rentiert sich die Programmier-Funktion des CD-Players\u2026 (O-Ton des Chefredakteurs, seines Zeichens Besitzer eines Mini-Disc-Players mit noch optimaleren Funktionen: &#8222;Wenn Du mit der Rezension fertig bist, schneiden wir\u00b4s raus&#8220;).<\/p>\n\n\n\n<p>Schnell noch eine lobende Erw\u00e4hnung versprengter Rythm\u00b4n\u00b4Blues-Elemente und der zum Teil fast schon Gershwin\u00b4schen Arrangements, und damit schlie\u00dft die Besprechung eines musikalischen Lichtblicks. Trotz allem!<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Willie Nelson: Teatro<br \/>Island<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Neues von Willie Nelson also, seines Zeichens Country-Legende, Late-Wolfgang-Neuss-Look-a-like und wie dieser ein ausgemachter Marijuana-Man. In welchen Dimensionen mochte er sich rumgetrieben haben, als er den Franko-Kanadier Daniel Lanois zu seinem Produzenten erkor? Wie drogengeschw\u00e4ngert mochte die Luft bei der Vertragsunterzeichnung gewesen sein? 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