{"id":31958,"date":"1997-12-29T11:11:00","date_gmt":"1997-12-29T10:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=31958"},"modified":"2022-07-14T21:05:17","modified_gmt":"2022-07-14T19:05:17","slug":"martin-schruefers-inselplatten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/1997\/12\/martin-schruefers-inselplatten\/","title":{"rendered":"Martin Schr\u00fcfers Inselplatten"},"content":{"rendered":"\n<p>Zehn Platten f\u00fcr einsame Inseln &#8211; Mehr noch als das Goodbye f\u00fcr unsere Gesellschaft w\u00fcrde mich schmerzen, Dutzende andere Scheiben zur\u00fccklassen zu m\u00fcssen. Trotzdem w\u00e4re ich optimistisch! Die zehn LPs, die auf der nachfolgenden Liste zu finden sind, repr\u00e4sentieren Eigenst\u00e4ndigkeit, Witz, begnadetes K\u00f6nnen und so unterschiedliche Musikrichtungen wie m\u00f6glich &#8211; Jede steht f\u00fcr einen Teil meiner Seele, die mit den entsprechenden Kl\u00e4ngen unterlegt, tanzt und sich ausbreitet in der Leere.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p><strong>Curly Curve &#8211; The Forgotten Tapes<\/strong><br \/>Berlin war schon immer f\u00fcr eine \u00dcberraschung gut. Ein Musikfan entdeckt Tapes einer unbekannten Band, aufgenommen 1981. Curly Curve ist eine der ganz seltenen Bands, denen man nicht anh\u00f6rt, da\u00df sie aus Deutschland kommen. Statt dessen spielen sie psychedelic-Art-Rock-influenced Songs, souver\u00e4n und virtuos. Eine Platte blieb der Nachwelt. Wenig und trotzdem wesentlich mehr als Scorpions, Gr\u00f6lemeyer und Konsorten je auf die Beine stellen werden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>U2 &#8211; Achtung Baby<\/strong><br \/>Nach &#8222;One&#8220; ist noch lange nicht Schlu\u00df. Bevor sich U2 auf die Irrwege Zooropas und des Pop-marts begaben, nahmen sie in Berlin ein Album auf, das vom ersten bis zum letzten Song stimmig ist. Egal, in welcher Gem\u00fctslage sich der H\u00f6rer befindet, U2 untermalen brillant, auch nach dem hundertsten Anh\u00f6ren gibt es noch neues zu entdecken in den Arrangements der Songs. Universell im besten Sinne.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Neil Young &#8211; Live Rust<\/strong><br \/>Aus dem umfangreichen Werk Youngs auszuw\u00e4hlen, f\u00e4llt nicht leicht. Unwiderstehlich ist auf jeden Fall dieses Live-Album. Young benutzt die E-Gitarre nicht einfach, weil es jeder tut &#8211; sie verschmilzt mit ihm. Gesang, Rhythmus und Soli sind eins, und, unter uns gesagt, es ist immer wieder tr\u00f6stlich, den Kanadier &#8222;Rock<code>n<\/code>Roll will never die&#8220; predigen zu h\u00f6ren, oder?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Savoy Brown &#8211; \u2026 A Step Further<\/strong><br \/>Letztes Jahr tingelten sie durch Deutschlands Clubs, weitgehend unbemerkt. Kein Wunder. Nichts ist, wie es fr\u00fcher war. Die Zeiten \u00e4ndern sich. 1969: Chris Youldens besoffene Stimme r\u00f6hrt den Blues, Kim Simmonds spielt ebenso virtuos wie anz\u00fcglich Gitarre. Eine Live-Aufnahme aus den Chicagoer Zeiten der Band, ganze 18 Minuten lang, findet sich auf der B-Seite. Wer die Scheibe h\u00f6rt, wei\u00df nach dem anf\u00e4nglichen Ausflippen und Tanzen vor den Boxen, warum die Band ganze Legionen von Musikern beeinflu\u00dft hat.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Deine Lakaien &#8211; Acoustic<\/strong><br \/>Wenn Gruft auf Pop und Oper auf ein pr\u00e4pariertes Klavier trifft, sind die Lakaien zugange. Und zwar akustisch. Intensiver konnten Alexander Veljanow und Ernst Horn ihre Songs nie spielen. Die freiwillige Reduzieung auf Stimme und Klavier brachte ein Meisterwerk auf den Weg, das auch \u00fcberzeugten Gegenern melancholischer Musik ein anerkennendes Staunen abringt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Pinnacle &#8211; Assasin<\/strong><br \/>Ein vergessenes Juwel aus den Siebzigern, der Hochzeit der Psychedelic. Pulsierende Orgeln, aufschneiderische Gitarren und ein f\u00fcr heutige Verh\u00e4ltnisse verschwenderisch aufwendiges Songwriting machen die Scheibe zu einem Ma\u00dfstab, den ich an alle heutigen Versuche diverser Bands anlege, anders, intensiv und unverf\u00e4lscht zu klingen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Radiohead &#8211; O.K. Computer<\/strong><br \/>Eine brandneue Scheibe, die sich dennoch innerhalb von k\u00fcrzester Zeit in mir eingegraben hat. Schmerzlich werden aktuelle Bands vermi\u00dft, die psychedelische Elemente in ihre Musik hereinlassen, das m\u00fchsame Suchen in den Tiefen der Siebzigern hat hier Pause &#8211; Radiohead spielen Musik von einem anderen Stern. Der leuchtet allerdings so hell am n\u00e4chtlichen Himmel, da\u00df ich mir demn\u00e4chst eine Rakete baue und mich auf den Weg mache.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Jimmy Page, Roger Plant &#8211; &#8222;No quarter&#8220;<\/strong><br \/>Nach mehr als einem Jahrzehnt Plant und Page auf der B\u00fchne stehen zu sehen, ist bereits ein Erlebnis. Die Veteranen haben sich aber nicht mit einer kleinen Reunion zufrieden gegeben, sondern mit Aufnahmen in Marokko die Faszination orientalischer Musik eingefangen und mit ihren typischen Rock-Elementen verschmolzen. &#8222;No quarter&#8220; \u00fcberwindet m\u00fchelos musikalische Horizonte, ist verspielt und gleicht einem Traum aus Tausendundeiner Nacht.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Element of Crime &#8211; Damals hinter`m Mond<\/strong><br \/>Die Jahre zuvor sang die Berliner Indie-Combo um Sven Regener englisch. Prima Pop-Songs und Grunge, lange, bevor Nirvana ihn entdeckten. Die &#8222;Damals&#8220; brachte \u00c4nderungen: Zum ersten Mal sang Regener auf deutsch, musikalisch ist die Scheibe ein Gl\u00fccksfall. Folk, Chanson, Schlager, Pop und Jazz gehen eine fluminante Symbiose ein, die poetischen Texte Regeners sind das Sahneh\u00e4ubchen. Eine Scbeibe, an die man sich auch noch im n\u00e4chsten Jahrtausend erinnern wird.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>R.E.M. &#8211; Songs for a green world<\/strong><br \/>Ein packendes Live-Album. Michael Stipe singt, als w\u00e4re er soeben einer Klinik entlaufen, der Rest der Band verst\u00e4rkt mit rohem Sound und dunklen Gitarrenriffs das Gesamtbild. &#8222;It\u00b4s the end of the world&#8220;, letzter Track der Doppel-LP bringt mit seiner Message Licht ins Dunkel &#8211; &#8222;And I feel fine!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">*<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Zehn Songs f\u00fcr die Ewigkeit<\/h2>\n\n\n\n<p><strong>Curly Curve: &#8222;Dusty Morning&#8220;<\/strong><br \/>Zigarettenasche neben dem Schlafsack und der Isomatte. Im Kopf tanzen Elefanten Tango. Erwachen nach einer Party. Drau\u00dfen grau und drinnen keine Hoffnung &#8211; diese Stimmung fing die Berliner Kult-Band kongenial ein. Die Band gibt`s nicht mehr, die Partys aber schon. Naja, geteiltes Leid ist halbes Leid, tr\u00f6ste ich mich.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Guns<code>n<\/code>Roses: &#8222;Estranged&#8220;<\/strong><br \/>Vielleicht der sch\u00f6nste Song, den G<code>n<\/code>R je komponierte. Im Vordergrund steht Lead-Gitarrist Slash, der seine Les Paul ein ums andere Mal so sch\u00f6n laufen l\u00e4\u00dft, da\u00df der Rest des Songs nur wie F\u00fcllmaterial wischen den Soli wirkt. Spannungsb\u00f6gen wechseln sich laufend ab, das Songwriting ist genial.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Radiohead: &#8222;Exit Music (for a film)&#8220;<\/strong><br \/>Einer der traurigsten Songs, zugleich einer der unwirklichsten. Thom Yorke wirkt hier mehr denn je &#8222;out of space&#8220;\u2026<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Janis Joplin: &#8222;Piece of my heart&#8220;<\/strong><br \/>Ungerecht sei es, schrieb ein Kritiker, da\u00df Gott es zulie\u00df, da\u00df soviel Talent einer einzigen Frau gegeben wurde. Leider einer Person, die schon lange tot ist. Was bleibt, sind wenige Lieder und die grenzenlose Bewunderung f\u00fcr die Stimme von Janis Joplin. Nie wieder, nie, wird eine S\u00e4ngerin mit wenigen T\u00f6nen so viel ausdr\u00fccken k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Pink Floyd: &#8222;Wish you were here&#8220;<\/strong><br \/>Braucht keinen Kommentar!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Neil Young: &#8222;Like a hurricane&#8220;<\/strong><br \/>Der Songtitel ist Programm. Was wie ein Liebeslied beginnt, endet in einem Orkan. Young spielt eines der sch\u00f6nsten Solis, die je zu h\u00f6ren waren. Auf dem Strahl seiner singenden T\u00f6ne l\u00e4\u00dft sich diese Welt verlassen, zweieinhalb Minuten reichen f\u00fcr einen ultimativen Trip in die Seele der Musik. Unvergleichlich.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>AC\/DC: &#8222;Love song&#8220;<\/strong><br \/>Eine Ballade von AC\/DC. Ja, das gibt<code>s. Zumindest auf der australischen Pressung der \"High Voltage\". Bon Scott pfeift hier auf die Rock<\/code>n`Roll-Attit\u00fcde und schreit sich die Trauer \u00fcber eine verflossene Liebe aus dem Leib. Intensiv, anmutig.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Led Zeppelin: &#8222;Kashmir&#8220;<\/strong><br \/>Orient meets Rock &#8211; keiner hat das brillanter demonstriert als Led Zeppelin. Noch heute bringen Jimmy Page und Roger Plant Kulturen musikalisch zusammen. Der vielzitierte Blick \u00fcber den Tellerrand fand bei Led Zep tats\u00e4chlich statt und war nicht nur Phrase, um Esoteriker in die Plattenl\u00e4den zu locken.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Element of Crime: &#8222;Wenn der Morgen graut&#8220;<\/strong><br \/>Kurz nach der ersten Stra\u00dfenbahn \/ Sind alle Wege \u00f6de und leer \/ lauf noch ein bi\u00dfchen neben mir her \/ einmal f\u00fcr Dich \/ einmal f\u00fcr mich &#8211; Was soll man zu solchen Lyriks sagen? Schweigen? Ich ziehe meinen Hut vor dieser gro\u00dfartigen Band, und ihrem Mastermind Sven Regener. &#8222;Wenn der Morgen graut&#8220; ist nur einer von dutzenden wundervollen Songs, so sch\u00f6n traurig sein kann nur diese Band.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Neil Young: &#8222;The needle and the damage done&#8220;<\/strong><br \/>Und noch einmal Neil Young. Ein kleiner, aber sehr feiner Song. &#8222;Every junkie\u00b4s like a stting sun&#8220;. Right.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zehn Platten f\u00fcr einsame Inseln &#8211; Mehr noch als das Goodbye f\u00fcr unsere Gesellschaft w\u00fcrde mich schmerzen, Dutzende andere Scheiben zur\u00fccklassen zu m\u00fcssen. Trotzdem w\u00e4re ich optimistisch! Die zehn LPs, die auf der nachfolgenden Liste zu finden sind, repr\u00e4sentieren Eigenst\u00e4ndigkeit, Witz, begnadetes K\u00f6nnen und so unterschiedliche Musikrichtungen wie m\u00f6glich &#8211; Jede steht f\u00fcr einen Teil [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":27,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ub_ctt_via":"","footnotes":""},"categories":[12],"tags":[],"class_list":["post-31958","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-musik"],"featured_image_src":null,"author_info":{"display_name":"Martin Schr\u00fcfer","author_link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/author\/martin-schruefer-2\/"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/31958","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/27"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=31958"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/31958\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=31958"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=31958"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=31958"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}