{"id":31971,"date":"1997-12-23T11:11:00","date_gmt":"1997-12-23T10:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=31971"},"modified":"2022-07-14T20:52:56","modified_gmt":"2022-07-14T18:52:56","slug":"thomas-marx-inselplatten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/1997\/12\/thomas-marx-inselplatten\/","title":{"rendered":"Thomas Marx&#8216; Inselplatten"},"content":{"rendered":"\n<p>Seit Wochen finden nachts in meiner Plattensammlung K\u00e4mpfe statt. Und ich h\u00f6re die Vinylen &#8222;Nein. Ich bin besser!&#8220; und die Silberlinger &#8222;Hau ab, Na\u00dfabgespielter!&#8220; geifern. Ganz klar: Mobbing unter den Tontr\u00e4gern, um in die Insel Top Ten zu kommen. Das hat ziemlich genervt. Den Vinylen kann man ja noch drohen, wie zum Beispiel: &#8222;Ruhe, oder ich kauf&#8216; dich auf CD!&#8220;. Aber die Silberlinger sind sich nat\u00fcrlich ihrer Vormachtstellung bewu\u00dft und ich wollte sie auch nicht bevorzugen, weil mich die Vinylen schon ein Leben lang begleiten und irgendwie mehr Charakter haben.<br \/>Also, hier sei offen gesagt: Ich liebe Euch alle!<\/p>\n\n\n\n<p>Ach so, \u00e4h, also \u2026 ich bitte Pop Warner um Nachsicht bei meiner Insel Top Ten.<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li><strong>Elvis Presley: From Elvis In Memphis<\/strong><br \/>Die LP &#8222;From Elvis In Memphis&#8220; (1969) bildet zusammen mit den beiden LP\u00b4s &#8222;The &#8217;68 Comeback Special&#8220; (1968) und &#8222;In Person\/Back In Memphis&#8220; (1970) meiner Meinung nach den H\u00f6hepunkt in der Karriere Elvis Presleys.<br \/>Nach endlosen Vertr\u00e4gen mit Filmstudios (und den gr\u00f6\u00dftenteils beschissenen Soundtrackalben) und 8 Jahren B\u00fchnenabstinenz meldete sich Mr. Presley im Mai 1969 mit dieser furiosen LP im Musikbusiness zur\u00fcck.<br \/>Sicherlich sind die Aufnahmen Presleys zu Beginn seiner Karriere in den Sun-Studios und w\u00e4hrend der fr\u00fchen RCA Zeit unerreicht, aber die Aufnahmesessions in den American Sound Studios im Januar und Februar 1969 waren, im Gegensatz zu den Anfangserfolgen, die aus einem &#8222;inneren Trieb&#8220; heraus &#8222;passierten&#8220;, so gewollt und bewu\u00dft &#8222;Anti-Mainstream&#8220; produziert. Die Hitsingle war &#8222;In The Ghetto&#8220; und bildete eher eine Ausnahme auf der ansonsten Rhythm&#8217;n&#8217;Blues orientierten Scheibe.<br \/>Nat\u00fcrlich war die &#8222;Are You Lonesome Tonight&#8220;-Fraktion der Elvis-Fan-Liga nicht so begeistert vom pl\u00f6tzlichen &#8222;Back To The Roots&#8220;-Gedanken Presleys. Elvis jedoch nutzte die Chance, die ihm der Erfolg mit dem &#8222;&#8217;68 Special&#8220; bot, setzte sich gegen seinen allm\u00e4chtigen Manager durch und nahm die Platte seines Lebens auf.<\/li><li><strong>Pink Floyd: The Wall<\/strong><br \/>&#8222;Goodbye cruel world, I&#8217;m leavin&#8216; you today, goodbye, goodbye, goodbye.&#8220;<br \/>Der Soundtrack zur Pubert\u00e4t. Die Platte verfolgt mich bis zum heutigen Tag und ich komme einfach nicht von ihr los. Das hei\u00dft, entweder dauert meine Pubert\u00e4t noch an oder irgendwie ist doch mehr an &#8222;The Wall&#8220; dran, als man beim erste H\u00f6ren feststellt. Immer noch will ich Pink helfen, immer noch ziehen mich die Texte magisch an und immer noch ber\u00fchrt mich der Schrei des Babys nach &#8222;In the flesh?&#8220;!<br \/>&#8222;The Wall&#8220; war die erste Platte (nat\u00fcrlich abgesehen von meinen Elvis-Platten!), deren Text ich von vorne bis hinten auswendig mitsingen konnte.<br \/>Was soll ich sagen? Ein Werk f\u00fcr die Ewigkeit.<br \/>&#8222;Is there anybody out there?&#8220;<br \/>PS: Hier sei noch angemerkt, da\u00df ich ein gro\u00dfer Verfechter der &#8222;A Momentary Lapse Of Reason&#8220; LP bin!<\/li><li><strong>U2: Achtung Baby<\/strong><br \/>Die perfekte Verschmelzung von &#8222;Rock&#8220; und &#8222;Elektronischer Musik&#8220;. Bono&#8217;s Vox und The Edge&#8217;s Gitarre sind das Liebespaar der Neunziger. Das Album war f\u00fcr die Band ein gewagter Schritt aber auch der Grundstein f\u00fcr die Experimente auf den Nachfolgeplatten &#8222;Zooropa&#8220; und &#8222;Passengers&#8220;. Bono&#8217;s Texte sind sowieso der Ma\u00dfstab, den man heute anlegen mu\u00df, wenn man Texte in der Pop\/Rockmusik beurteilen will, melodisch wie auch inhaltlich.<br \/>Ich gehe davon aus, da\u00df einem Songs wie &#8222;Love Is Blindness&#8220; oder &#8222;Who&#8217;s Gonna Ride Your Wild Horses&#8220; noch im ausgehenden 21. Jahrhundert die Nackenhaare zu Berge stehen lassen.<\/li><li><strong>Alice Cooper: Killer<\/strong><br \/>Mit diesem Album hat Mr. Furnier bewiesen, da\u00df er immer f\u00fcr einen Spa\u00df zu haben ist. Das extravagante Aufklapp-Cover mit dem erh\u00e4ngten Alice \u00fcber einem Jahres-Kalender von 1971, die Songs, die Live-Show der Band und nat\u00fcrlich die fiktive Person &#8222;Alice Cooper&#8220; bildeten eine Einheit, die man vorher wohl in dieser Art und Weise noch nicht gekannt hat.<br \/>Zum Ausklang der Hippie-Zeit gibt Alice seine Songs &#8222;Dead Babies&#8220; und &#8222;Killer&#8220; zum besten. Neben der ultimativen 70er-Rockhymne &#8222;Under My Wheels&#8220; und dem unverg\u00e4nglichen &#8222;Be My Lover&#8220; findet man auch den Song &#8222;Desperado&#8220; (ein Tribute-Song f\u00fcr Alices Saufkumpan Jim Morrisson, der im Juli des selben Jahres (1971) im fernen Paris in einer Badewanne seinem Leben &#8222;The End&#8220; gesetzt hat) auf dem Album.<\/li><li><strong>Glompus Van De Hloedt: Tales From The Crypt<\/strong><br \/>Die Geschichte von den Zombies, die eine Gewerkschaft gr\u00fcnden obwohl sie ja bekanntlicherweise kein Gehirn haben, das aber dadurch wettmachen, indem sie die Mumien \u00fcberreden mitzumachen, ist noch das normalste, was bei dieser Sprech-LP (H\u00f6rspiel) geschieht. Da wird einem jungen Mann bei lebendigem Leib das Herz herausgerissen, weil man ihn mit einer Artischocke verwechselt, eine Frau wird in ihrem Badezimmer von einem Zug \u00fcberrollt und das alles nur, weil der belgische Professor des Paranormalen Glompus Van De Hloedt seine Laufbahn als Geistersucher aufgegeben hat und Taxifahrer wurde. Wird der &#8222;Bishop Of Darkness&#8220; diesmal gewinnen? Wird Van De Hloedt seine Taxifirma aufgeben? Wird seine Assistentin Sandy Cheeseburger jemals wieder das Licht der Sonne sehen? Der Soundtrack und die Backgroundmusik stammen \u00fcbrigens von den brillanten Stargazers!<\/li><li><strong>The Sisters Of Mercy: Floodland<\/strong><br \/>Leider Gottes das Hitalbum der Sisters, was nat\u00fcrlich zur Folge hat, da\u00df der beliebte Satz: &#8222;Zu kommerziell, die waren fr\u00fcher besser&#8220; oft zu h\u00f6ren ist und gerne herausposaunt wird. Fakt ist, da\u00df die Sisters fr\u00fcher gr\u00f6\u00dftenteils langweiliger waren, mal abgesehen von &#8222;Temple Of Love&#8220; (Maxi-Single B-Seite \u00fcbrigens &#8222;Gimme Shelter&#8220; von den Rolling Stones, sehr zu empfehlen!) und begrenzt der &#8222;First And Last And Always&#8220; LP.<br \/>Auf &#8222;Floodland&#8220; hat Eldritch H\u00f6hepunkt an H\u00f6hepunkt gereiht. Unversch\u00e4mt genial interpretiert ist &#8222;1959&#8220;. &#8222;Torch&#8220; und &#8222;Colors&#8220; (nur auf der CD als Bonustracks) sind un\u00fcbertroffen d\u00fcster. Ganz abzusehen von den Hitsingles &#8222;This Corrosion&#8220;, &#8222;Dominion&#8220; und &#8222;Lucretia My Reflection&#8220;.<\/li><li><strong>Sin\u00e9ad O&#8217;Connor: Universal Mother<\/strong><br \/>Intimate. Eins der pers\u00f6nlichsten und ergreifendsten Alben \u00fcberhaupt. Very special.<br \/>Beim H\u00f6ren der Platte hat man Angst, man k\u00f6nnte Sin\u00e9ad st\u00f6ren. Ein Werk voller Liebe und \u00e4ngstlicher Erwartung, voller Zerbrechlichkeit und voller unverge\u00dflicher Momente. Nachdem ich die Platte gekauft hatte, habe ich mich Zuhause hingesetzt, den Kopfh\u00f6rer angezogen und die ganze LP ohne Unterbrechung durchgeh\u00f6rt. Keinesfalls eine einfache Aufnahme, die man nebenbei anh\u00f6ren kann. Zu den einpr\u00e4gsamsten Augenblicken meiner Erfahrungen mit Musik geh\u00f6rt sicherlich das Konzert von Sin\u00e9ad O&#8217;Connor im Sommer 1997 in Mainz. Absolut nicht von dieser Welt. Ohne Sin\u00e9ad, keine Insel!<\/li><li><strong>Morrissey: Viva Hate<\/strong><br \/>Dieses Album beinhaltet den Gitarren-Popsong schlechthin: &#8222;Suedehead&#8220;. Besser geht&#8217;s nimmer. Ja, ich wei\u00df: &#8222;Morrissey war nur bei den Schmitts gut&#8220; und &#8222;Johnny Marr ist sowieso der bessere&#8220; usw.. Alles Fuppes! &#8222;Everyday Is Like Sunday&#8220;: Ultracool, wie man heutzutage zu sagen pflegt. &#8222;Margaret On The Guillotine&#8220;: Sehr gewagt und doch irgendwie sehr spa\u00dfig. Kann sich irgend jemand vorstellen, da\u00df Herbert Gr\u00f6nemeyer ein Lied mit dem Titel &#8222;Helmut auf dem Schafott&#8220; aufnimmt?<br \/>Von diesem Sound und der Produktion zehren heute noch Gallagher und Co. Das war noch Brit-Pop!<br \/>Ach, \u00fcbrigens: Hat jemand eine Ahnung was der Titel &#8222;Alsatian Cousin&#8220; bedeutet? Cousin aus dem Elsa\u00df?<\/li><li><strong>Helge Schneider: Es gibt Reis, Baby<\/strong><br \/>Ohne dieses Meisterwerk geht&#8217;s nat\u00fcrlich auch nicht. &#8222;Sch\u00fcttel Dein Haar f\u00fcr mich!&#8220;<\/li><li><strong>Depeche Mode: Music For The Masses<\/strong><br \/>Meine erste Depeche Mode CD f\u00fcr den damals unglaublichen Preis von 39,95 DM und mein erstes Live Konzert (inklusive anschlie\u00dfender Behandlung wegen eines H\u00f6rsturzes).<br \/>&#8222;Musik f\u00fcr die Massen&#8220;, Lautsprecher als immer wiederkehrende Symbole, schwarzwei\u00dfrote Flaggen auf der Live-B\u00fchne, einen Song namens &#8222;Pimpf&#8220; und eine CD im Monumentalsound, das war nat\u00fcrlich ein gefundenes Fressen f\u00fcr die Presse. Als BRAVO und PopRocky damals die Tour zu dieser LP wegen nationalsozialistischer Tendenzen als bedenklich einstuften, brachte das nat\u00fcrlich ein gro\u00dfes &#8222;Hallo&#8220; im deutschen Bl\u00e4tterwald und einen Promotionschub un\u00fcberschaubaren Ausma\u00dfes.<br \/>Musikalisch stark weiterentwickelt gegen\u00fcber der &#8222;Black Celebration&#8220; und das erste Depeche Mode Album mit Gitarre, die an Martin L. Gore zugegebenerma\u00dfen echt albern aussieht. Textlich ein eher st\u00e4rkeres Werk von Depeche Mode, weil die Heulsusenphase von Mr. Gore damals wohl noch nicht so sehr ausgepr\u00e4gt war. Gl\u00fccklicherweise mu\u00dfte die neue LP &#8222;ULTRA&#8220; auch nicht so sehr darunter leiden.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<p>Was ich noch erw\u00e4hnen wollte: Um den 10. Platz stritten sich unter anderem: Peter Gabriel mit &#8222;US&#8220;, Willy De Ville mit &#8222;Live At The Olympia&#8220;, Dieter Thomas Kuhn mit &#8222;Mein Leben f\u00fcr die Musik&#8220;, Bryan Ferry &#8222;These Foolish Things&#8220; und der Soundtrack &#8222;Flash Fearless Vs. The Zorg Women, Parts 5 &amp; 6&#8220;, aber es sind eben nur Top Ten und nicht Top Fourteen oder Top Sixteen oder Top \u2026<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit Wochen finden nachts in meiner Plattensammlung K\u00e4mpfe statt. Und ich h\u00f6re die Vinylen &#8222;Nein. Ich bin besser!&#8220; und die Silberlinger &#8222;Hau ab, Na\u00dfabgespielter!&#8220; geifern. Ganz klar: Mobbing unter den Tontr\u00e4gern, um in die Insel Top Ten zu kommen. Das hat ziemlich genervt. 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