{"id":32000,"date":"1997-12-15T11:11:00","date_gmt":"1997-12-15T10:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=32000"},"modified":"2022-07-15T02:43:54","modified_gmt":"2022-07-15T00:43:54","slug":"roland-schmitts-inselplatten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/1997\/12\/roland-schmitts-inselplatten\/","title":{"rendered":"Roland Schmitts Inselplatten"},"content":{"rendered":"\n<p>Faszinierend und be\u00e4ngstigend zugleich, die Vorstellung, lebenslang oder zumindest f\u00fcr eine lange Zeit auf einer einsamen Insel leben zu m\u00fcssen. Ausgehend davon, da\u00df dort &#8211; auf welch wundersame Weise auch immer &#8211; dauerhaft elektrischer Strom vorhanden ist (sonst m\u00fc\u00dfte man wohl auf ein Grammophon zur\u00fcckgreifen; w\u00e4re f\u00fcr mich auch nicht so tragisch, da ich einige feine Schellackplatten besitze), k\u00e4me ich inzwischen ohne Vinyl, nur mit CDs aus.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Als BOF (&#8222;boring old fart&#8220;) greife ich selbstverst\u00e4ndlich auf Vertrautes zur\u00fcck, obwohl ich davon praktisch alles in und auswendig kenne. Aber so ist das eben: Wenn man in die Jahre kommt (bzw. gekommen ist), schwelgt man in Erinnerungen, und die halten einen oft am (\u00dcber-) Leben!<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li><strong>SMALL FACES: &#8222;Boxed &#8211; The Definitive Anthology&#8220; (1965-1968; Repertoire)<\/strong><br \/>Klar, wer mich kennt, wei\u00df, da\u00df meine &#8222;heroes&#8220; Pflicht sind. Als Galionsfiguren der 60&#8217;s-Mod-Bewegung waren sie einerseits dem Rhythm &amp; Blues verbunden, andererseits aber offen und ehrgeizig genug, auch zu experimentieren. Statt eines &#8222;ordentlichen&#8220; Albums w\u00fcrde ich mich f\u00fcr diese Compilation entscheiden. Denn die &#8222;kleinen Gesichter&#8220; waren &#8211; trotz &#8222;Ogdens&#8216; Nut Gone Flake&#8220; &#8211; in erster Linie eine Singles-Band, d. h. Marriott und Lane komponierten ihre Songs auf den Punkt; St\u00fccke mit mehr als 3.30 min L\u00e4nge waren die Ausnahme.<\/li><li><strong>STONE THE CROWS feat. Maggie Bell &#8222;Teenage Licks&#8220; (1971; Polydor)<\/strong><br \/>Nach der Beat- und Soul-\u00c4ra brach &#8211; nicht nur f\u00fcr mich &#8211; das Blues-Rock-Fieber aus. Aus meiner Lieblingsband wurden gleich zwei: HUMBLE PIE und die FACES, und beide orientierten sich stark am Blues. Dies taten Ende der 60er, Anfang der 70er Jahre auch andere, so die schottische Band STONE THE CROWS mit der S\u00e4ngerin Maggie Bell. Sie wurde st\u00e4ndig als &#8222;britische Janis Joplin&#8220; bezeichnet, was aber viel zu kurz griff, den in puncto Interpretation und Stimme war sie sehr wohl eigenst\u00e4ndig. Und ihre Band verlie\u00df bisweilen auch den strikten Blues-Kurs.<\/li><li><strong>PLANXTY: &#8222;The Well Below The Valley&#8220; (1973; Polydor)<\/strong><br \/>Irish Folk Music hatte mich schon als Kind fasziniert. Doch diese Sauf- und Schunkelfolklore \u00e0 la DUBLINERS oder CLANCY BROTHERS konnte ich nicht ab. Nachdem die Rockszene sich Anfang der 70er Jahre total aufzuplustern schien (Bombast-Rock \u00e0 la EMERSON, LAKE &amp; PALMER), suchte ich nach etwas Bodenst\u00e4ndigem, gleichwohl musikalisch Anspruchsvollem. Da kam dieses irische Quartett gerade recht mit ihren filigran gespielten Jigs&#8217;n&#8217;Reels und den anr\u00fchrenden, aber nie schmalzigen Balladen. Die Stimmen seiner S\u00e4nger, Andy Irvine und Christy Moore, inzwischen solo aktiv, packen mich noch heute.<\/li><li><strong>Joe Cocker: &#8222;Stingray&#8220; (1976; A &amp; M)<\/strong><br \/>Was, dieser alte Sack, der seit Jahren mit meist \u00fcberproduziertem Mainstream-Zeug die deutschen Hitparaden blockiert? Gewi\u00df, aber &#8222;good ole Joe&#8220; (kann und) konnte auch anders. Nach einem neuerlichen Karriereknick hatte er sich 1976 mit der New Yorker Jazzband STUFF (Eric Gale, Steve Gadd, Cornell Dupree, Richard Tee, Gordon Edwards) zusammengetan und auf den Bahamas (Inseln!!!) dieses Album eingespielt. Nicht ein Hit ist drauf, daf\u00fcr swingende Jazz-Ballads mit einem unwiderstehlichen Groove.<\/li><li><strong>Ronnie Lane: &#8222;Anymore For Anymore&#8220; (1974; GM Records; 1997 auf New Millennium\/EfA mit Bonustracks wiederver\u00f6ffentlicht)<\/strong><br \/>Als Solist konnte Ronnie &#8211; RIP &#8211; endlich das musikalisch realisieren, wovon er schon immer getr\u00e4umt hatte: eine Mixtur unterschiedlicher Stile, angefangen von Music Hall, Skiffle, Folk bis hin zu Cajun Music und Tex-Mex. Wenn ich down war (bzw. bin), richtet(e) mich Ronnies &#8222;good time music&#8220; (meistens) wieder auf. Ich denke, gerade auf einer einsamen Insel kann man davon nicht genug kriegen (ich jedenfalls!).<\/li><li><strong>Mickey Jupp: &#8222;Juppanese&#8220; (1978; Stiff)<\/strong><br \/>Quasi als &#8222;Gegenbewegung&#8220; zu Bombast- und GlamRock f\u00fcr die Stadien formierte sich in den 70ern die sog. Pubrock-Szene. Ronnie Lane geh\u00f6rte dazu, Bands wie ACE oder BEES MAKE HONEY, oder auch die Rock&#8217;n&#8217;Roll-Truppe LEGEND um Mickey Jupp. Letzterer machte sich schlie\u00dflich selbst\u00e4ndig und legte dieses Ohrwurm-Opus vor: abgespeckter R&#8217;n&#8217;R mit witzigen Texten und tieftraurige Balladen mit dem ber\u00fchmten F\u00fcnkchen Hoffnung (z. B. &#8222;Partir C&#8217;est mourir un peu&#8220; &#8211; wenn das nicht was f\u00fcr die Insel ist!).<\/li><li><strong>Jacques Brel: &#8222;Les marquises&#8220; (1977; Barclay)<\/strong><br \/>Etwas Franz\u00f6sisches sollte nat\u00fcrlich auch dabei sei, und da bietet sich das letzte Album des gro\u00dfartigen belgischen Chansonniers wahrlich an. Es enth\u00e4lt ergreifende, dabei sehr eing\u00e4ngige Lieder (z. B. &#8222;Voir un ami pleurer&#8220; oder &#8222;Jojo&#8220;). Bei traurig-sentimentalen Stimmungen gibt&#8217;s (au\u00dfer Robert Wyatt) nichts Passenderes.<\/li><li><strong>Chris Jagger: &#8222;Atcha&#8220; (1994; Sequel\/Castle)<\/strong><br \/>Wenn sich die &#8222;grauen Wolken&#8220; wieder verziehen sollen, dann kommt der &#8222;kleine Bruder&#8220; von Mick gerade recht. Denn den schert das gro\u00dfe rockbiz \u00fcberhaupt nicht; der macht &#8211; siehe Ronnie Lane &#8211; immer das, was ihm gef\u00e4llt, auch wenn&#8217;s keine &#8222;Kohle&#8220; bringt. Der gelernte Journalist und Gelegenheitsschauspieler steht auf Cajun Music, Folklore aus aller Welt, und so wirft es dieses auch gnadenlos in einen Topf. Doch was dabei herauskommt, bringt einen (in der Regel) wieder auf die Beine (s. &#8222;Stand Up For The Foot&#8220;).<\/li><li><strong>Sean Tyrrell: &#8222;Cry Of A Dreamer&#8220; (1995; Hannibal\/Rough Trade)<\/strong><br \/>Ein Sp\u00e4tberufener, der im &#8222;zarten&#8220; Alter von etwa 45 Jahren eine Profimusikerkarriere startete. Von Hause aus Hochseefischer, der nebenbei Lieder schreibt, und was f\u00fcr welche. Die Texte sind bisweilen etwas verquer, aber die Songs kriechen sehr schnell ins Geh\u00f6r. Er wird meist unter &#8222;Irish Folk&#8220; &#8222;abgelegt&#8220;, aber er ist musikalisch vielseitiger (auch vielsaitiger); Elemente von Country &amp; Western, Blues und Jazz sind deutlich vernehmbar. Die Stimmungsskala seiner Songs ist \u00e4hnlich abwechslungsreich wie das irische Wetter.<\/li><li><strong>V. A. &#8222;Heartbeat Soukous&#8220; (1987; Earthworks\/Virgin)<\/strong><br \/>Vom afrikanischen Kontinent w\u00fcrde ich unz\u00e4hlige Platten mitnehmen wollen, von jeder Stil- und Spielart am liebsten mindestens eine: Mbalax, Benga, Highlife, Juju Music, Mbaquanga usw. Wenn ich mich f\u00fcr eine entscheiden m\u00fc\u00dfte, dann f\u00fcr ein Album mit Soukous, moderner kongolesischer Stadtmusik. Das ist Rumba pur, nur eben mit E-Gitarren, Schlagzeug (erg\u00e4nzend zur traditionellen Percussion) und dem \u00fcblichen Rockequipment. Da es so viele hervorragende Bands und Solisten gibt, w\u00fcrde ich diese Compilation mit Kanda Bongo Man, Nyboma &amp; Pepe Kalle u. a. vorziehen. Zum Abtanzen und Gute-Laune-Tanken gibt&#8217;s kaum was Besseres!<\/li><\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Faszinierend und be\u00e4ngstigend zugleich, die Vorstellung, lebenslang oder zumindest f\u00fcr eine lange Zeit auf einer einsamen Insel leben zu m\u00fcssen. 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