{"id":32388,"date":"1999-11-02T11:11:00","date_gmt":"1999-11-02T10:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=32388"},"modified":"2022-07-21T02:22:30","modified_gmt":"2022-07-21T00:22:30","slug":"dietrich-schwanitz-bildung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/1999\/11\/dietrich-schwanitz-bildung\/","title":{"rendered":"Dietrich Schwanitz: Bildung"},"content":{"rendered":"\n<p>&#8222;Bildung. Alles, was man wissen muss&#8220;. Schon der Titel ist eine einzige Provokation! So kennt man Dietrich Schwanitz, den ehemaligen Professor f\u00fcr Anglistik aus Hamburg und Autor des Romans &#8222;Der Campus&#8220;. Nun also ein Sachbuch. Mit ihm will Schwanitz gegen die Krise des deutschen Lehrbetriebs anschreiben, und zwar auf zweierlei Weise. Zum einen mit einem Einleitungs-Pamphlet \u00fcber den &#8222;Zustand der Schulen und des Bildungssystems&#8220;, gerichtet an die Adresse von Lehrern, Eltern und Politikern. Und zum andern mit einem blitzartigen Streifzug durch den Grundstock des humanistischen Bildungsguts, adressiert an alle Interessierten, an Gebildete wie Ungebildete gleicherma\u00dfen. Und dies ist nur der erste Teil des Buches, ein weiterer Abschnitt ist dem &#8222;K\u00f6nnen&#8220;, also der Anwendung des &#8222;Wissens&#8220;, gewidmet und w\u00e4re durchaus eine eigene Publikation wert gewesen.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Doch zun\u00e4chst rauscht Schwanitz auf knapp 400 Seiten durch antike Mythologie und Bibel, durch europ\u00e4ische und amerikanische Geschichte, durch Literatur, Kunst, Musik und Philosophie. Die Naturwissenschaften streift er nur am Rande, soweit sie Einflu\u00df nehmen auf menschliche Weltbilder. Dass dem Leser hinterher nicht v\u00f6llig der Kopf schwirrt, ist dem saloppen Ton zu verdanken, den man schon aus dem &#8222;Campus&#8220; kennt. &#8222;Gezielte Respektlosigkeit&#8220; (Schwanitz \u00fcber Schwanitz) ist Teil der Strategie, die Bildung von ihren Sockeln und aus ihren Tempeln zu holen, um sie wieder allgemeinverst\u00e4ndlich und lebendig zu machen.<\/p>\n\n\n\n<p>Schwanitz erz\u00e4hlt gern und viel, bezahlt allerdings den Unterhaltungswert seines Werks mit so mancher Ungenauigkeit. Es ist also Vorsicht geboten, bevor man sich allein mit Schwanitz\u00b4 &#8222;Wissen&#8220; im Kopf in wissenschaftliche Diskussionen st\u00fcrzt. Doch allemal lesenswert ist, wie er philosophische Theorien aufs Wesentliche k\u00fcrzt oder als intellektuelle Moden entlarvt, abstrakte musikalische Ph\u00e4nomene mit Bezug auf fr\u00fchere Lebensweisen erl\u00e4utert, den Zwang des &#8222;sakralen&#8220; Museumsbesuchs abschafft oder allgegenw\u00e4rtigen und doch fernen Figuren der Zeitgeschichte ein &#8222;Gesicht&#8220; gibt. Ein &#8222;Schmankerl&#8220; und der heimliche H\u00f6hepunkt des Buchs sind Schwanitz\u00b4 Ausf\u00fchrungen \u00fcber &#8222;Regeln, nach denen man unter Gebildeten kommuniziert&#8220; und Sachgebiete, die man in &#8222;gebildeter Gesellschaft&#8220; lieber unter den Tisch fallen l\u00e4\u00dft: Fu\u00dfball, europ\u00e4ische K\u00f6nigsh\u00e4user, Fernsehprogramme\u2026 Wer den Realsatiriker Schwanitz aus dem &#8222;Campus&#8220; sucht, findet ihn hier!<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Dietrich Schwanitz<br \/>Bildung - Alles, was man wissen muss<br \/>Eichborn<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Bildung. Alles, was man wissen muss&#8220;. Schon der Titel ist eine einzige Provokation! So kennt man Dietrich Schwanitz, den ehemaligen Professor f\u00fcr Anglistik aus Hamburg und Autor des Romans &#8222;Der Campus&#8220;. Nun also ein Sachbuch. 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