{"id":32417,"date":"2000-05-01T11:11:00","date_gmt":"2000-05-01T09:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=32417"},"modified":"2022-07-21T03:12:07","modified_gmt":"2022-07-21T01:12:07","slug":"christine-westermann-baby-wann-heiratest-du-mich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2000\/05\/christine-westermann-baby-wann-heiratest-du-mich\/","title":{"rendered":"Christine Westermann: Baby, wann heiratest du mich?"},"content":{"rendered":"\n<p>Christine Westermann geh\u00f6rt zu den gl\u00fccklichen Menschen, die von Zeit zu Zeit in der Lage sind, sich selbst neu zu erfinden. Hat man jedenfalls als Au\u00dfenstehender den Eindruck. Seit Jahrzehnten ist sie nun in H\u00f6rfunk und TV t\u00e4tig, hat es geschafft, mit der Moderation von Regionalmagazinen und der ZDF-Drehscheibe halbwegs anonym zu bleiben, und erobert sich in den 90ern nochmal ein komplett neues, ein j\u00fcngeres Publikum. Und erh\u00e4lt daf\u00fcr den Grimme-Preis! Die Sendung, die sie moderiert, war urspr\u00fcnglich nur als Sommerloch-F\u00fcllsel geplant, und an ihrer Seite turnt der durchgeknallte G\u00f6tz Alsmann als &#8222;agent provocateur&#8220; \u00fcber die Mattscheibe. <\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Westermann selbst hat in der Sendung &#8222;Zimmer frei&#8220; offiziell den Part der &#8222;Journalistin&#8220; inne, aber in Wahrheit sind sie und Alsmann dort nur eines: n\u00e4mlich Kinder. Und zum Ausgang des Jahrtausends pr\u00e4sentiert sich Westermann in einer weiteren Rolle, diesmal als Buchautorin. &#8222;Baby, wann heiratest Du mich?&#8220; hei\u00dft ihr Erstlingswerk. &#8222;Ein Roman aus dem Beziehungsdschungel&#8220; mit autobiographischen Z\u00fcgen, aber das wird niemanden wundern, der gen\u00fcgend &#8222;Zimmer frei&#8220;-Folgen gesehen hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Dort ist Westermann bekannt daf\u00fcr, im Gespr\u00e4ch mit G\u00e4sten besonders heftig beim Thema &#8222;Liebesleben&#8220; zu insistieren, sich den Pony aus der Stirn zu blasen, unziemliches Kichern durch krampfhaftes Ernstgucken wieder unter Kontrolle zu bekommen, \u00fcber die eigenen k\u00f6rperlichen Unzul\u00e4nglichkeiten zu jammern und vor allem in (gespielter?) Hilflosigkeit die H\u00e4nde \u00fcber ihre Unf\u00e4higkeit zur b\u00fcrgerlichen Familienbildung zu ringen. Exakt der Stoff, aus dem auch ihr Roman ist. Die private Christine Westermann stolpert n\u00e4mlich von einer Beziehung in die n\u00e4chste, f\u00e4llt dabei einige Male kr\u00e4ftig auf die Nase und hofft weiter mit m\u00e4dchenhafter Unbeholfenheit auf den Richtigen. Das m\u00e4nnliche Sammelsurium ist beeindruckend facettenreich: vom gewissenhaften Kinderarzt in spe \u00fcber Kameram\u00e4nner, Regisseure und einen proligen Moderator bis hin zu amerikanischen Blind Dates w\u00e4hrend der Zeit in San Francisco. Zeitliche \u00dcberschneidungen m\u00f6glich. Die liebenswerte Lebensk\u00fcnstlerin \u00fcbersteht gef\u00e4hrliche Turbulenzen, peinliche Wiedersehen und schmerzhafte Trennungen, bleibt Ex-Freunden und Nachfolgerinnen mitunter gar in Freundschaft verbunden. Zus\u00e4tzlich gibt\u00b4s eine dicke Portion introspektiver Philosophie, wie sie Cosmopolitan-Leserinnen und Fans der BRAVO-Psycho-Tests lieben. R\u00fchrende Selbstbespiegelungen unter Zuhilfenahme einer drolligen Kirchkuchen-Theorie &#8211; Westermann at her best.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Ton unterscheidet sich der Text kaum vom &#8222;neuen&#8220; humoristisch-toughen Frauenschund \u00e0 la Lind, Kaufmann und Co. Hat man allerdings Westermann dabei vor Augen und ihre Stimme im Ohr, findet man schnell Gefallen. Schlagfertig und lakonisch sprudelt es &#8211; trotz Abs\u00e4tzen nach fast jedem Satz! Mit viel Charme, bissigen Kommentaren und ihrer gewohnt entwaffnenden Offenheit kehrt Westermann mal wieder das Innerste zu\u00e4u\u00dferst. Erlebt hat sie gen\u00fcgend Romanreifes, und aus Macken Kapital zu schlagen &#8211; das geh\u00f6rt zu den St\u00e4rken von &#8222;La Westermann&#8220;!<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Christine Westermann<br \/>Baby, wann heiratest du mich?<br \/>KiWi 1999<br \/>Taschenbuch, 256 Seiten, DM 16,90<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Christine Westermann geh\u00f6rt zu den gl\u00fccklichen Menschen, die von Zeit zu Zeit in der Lage sind, sich selbst neu zu erfinden. Hat man jedenfalls als Au\u00dfenstehender den Eindruck. 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