{"id":33159,"date":"1998-07-29T11:11:00","date_gmt":"1998-07-29T09:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=33159"},"modified":"2022-07-23T04:45:52","modified_gmt":"2022-07-23T02:45:52","slug":"music-for-gracious-living","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/1998\/07\/music-for-gracious-living\/","title":{"rendered":"Music For Gracious Living"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image is-style-default\">\n<figure class=\"alignleft size-large\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/hinternet.de\/musik\/cd-q\/images\/qdk.jpg\" alt=\"\"\/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Lange nicht mehr ein solch am\u00fcsantes St\u00fcndchen gehabt wie mit dem musikalischen Schaufenster der &#8222;Q. D. K. Media&#8220;, welch obskure Gemeinschaft sich auch immer dahinter verbergen mag!<\/p>\n\n\n\n<p>Im Kielwasser der Titanic sind Soundtracks zur Zeit ein hei\u00dfdiskutiertes Thema, und auch dieser Sampler leistet einen nicht zu untersch\u00e4tzenden Beitrag dazu. Ein Gro\u00dfteil der Songs ist filmischen Meisterwerken von Russ Meyer entnommen (also Streifen mit leicht bekleideten Damen, die das Wenige daf\u00fcr um so gewissenhafter ausf\u00fcllen), aber auch Klassikern mit Betty Page (Pin-Up-Queen der 50er), dem Muppet-Splatter-Movie (!) &#8222;Meet the Feebles&#8220; und Produktionen mit solch einladenden Titeln wie &#8222;Braindead&#8220; oder &#8222;Henry, portrait of a serial killer&#8220;\u2026<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Porno-Beschallung ist l\u00e4ngst nichts Ehrenr\u00fchriges mehr: wir alle wissen, da\u00df auch der fr\u00fchere Schwiegermutter-Liebling Christian Anders seinen Wechsel vom Schlager- ins Esoterik-Lager auf diese Weise \u00fcberbr\u00fcckte, und bisweilen kann tats\u00e4chlich k\u00fcnstlerisch Wertvolles dabei rausspringen. Die meisten Film-Songs der CD sind im nerv\u00f6s-\u00fcberdrehten Stil der Sixties gehalten: quirliger Easy-Listening mit dramatischen Auf- und Abschw\u00fcngen oder im orchestralen Stil mit Latino-Ankl\u00e4ngen. Ein akustisches Kleinod ist der Dialog &#8222;Angel on the phone&#8220; aus Russ Meyers &#8222;Supervixens&#8220;, mehr sag ich dazu nicht!<\/p>\n\n\n\n<p>Das Booklet preist \u00fcbrigens auch Mouse Pads, Picture Discs und Briefmarken (Lick them &amp; stick them) mit oben erw\u00e4hnten Damen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein weiteres musikalisches Kleinod (leider auch im quantitativen Sinne: nur 47 Sekunden lang!) leitet den zweiten Teil der CD ein, der diversen Non-Soundtrack-Productions aus dem Katalog von &#8222;Q. D. K.&#8220; gewidmet ist. Ich rede von einem Ausschnitt aus &#8222;Electronic Toys &#8211; A Retrospective of 70\u00b4s Synthesizer Music&#8220;, der Lust auf mehr macht: typisches Moog-Geblubber aus der Steinzeit elektronischer Tasteninstrumente. Dazu pa\u00dft auch der hochgepitchteAuszug aus &#8222;Authentic Music from another planet?&#8220; (from the 50\u00b4s to the 70\u00b4s) und der Booklet-Hinweis auf &#8222;Music to prevent from UFO abductions&#8220; (Musik zum Schutz vor UFO-Entf\u00fchrungen), sie k\u00f6nnte nochmal n\u00fctzlich werden\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Laut gelacht hab ich in der Tat beim H\u00f6ren des Beitrags der deutschen Band &#8222;Tulip, die singende Tulpe&#8220;(!), den das englischsprachige Begleitheft so ank\u00fcndigt: &#8222;25 songs that makes you cry and laugh. Musically it leads you into the Middle Ages, songs as beautiful as Minnesongs and as strange as The Residents&#8220;. Noch seltsamer als die Musik scheint mir allerdings die amerikanische Vorstellung vom europ\u00e4ischen Mittelalter. St\u00fcmperhafte Computer-Kl\u00e4nge sind wahrlich alles andere als zeitgem\u00e4\u00df, aber auch Zeilen wie &#8222;Gabba dabba du, liebe mir, liebe mir&#8220; und eunuchenhaftes Heulen machen noch keinen Minnesang! Bei &#8222;Tulip&#8220; singt vermutlich der Neffe des &#8222;Q. D. K.&#8220;-Chefs oder so &#8211; nicht ahnend, da\u00df sein angebliches Album nur im Rahmen dieses Samplers existiert und der recht unwahrscheinliche Fall eines Bestellwunsches mit einem h\u00f6flichen &#8222;\u00c4hem, sorry, not available&#8220; beschieden w\u00fcrde\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Das &#8222;Q. D. K.&#8220;-Obskurit\u00e4tenkabinett f\u00fchrt auch die Reihe &#8222;Love, peace and poetry&#8220; mit Perlen selbsternannter &#8222;Psychedelic Music&#8220;, erh\u00e4ltlich in den Folgen &#8222;American&#8220;, &#8222;Latin american&#8220;, &#8222;Asian&#8220;(!) und &#8222;British&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p>Selbsternannten Brit-Pop b\u00fcndelt der Sampler &#8222;Pepperism around the globe&#8220;, der sich auf den Einflu\u00df des grandiosen Beatles-Albums beruft. Gemessen daran &#8211; eine Lachnummer, aber abgesehen davon eben am\u00fcsant zu h\u00f6ren: beatle-esker Harmoniegesang mit schr\u00e4gen Gitarrenkl\u00e4ngen. Alles in allem eine CD mit Musik, die sich selbst nicht besonders ernst nimmt &#8211; ver\u00f6ffentlicht von einem Label, das dies offenbar auch nicht tut: Normal. Pr\u00e4dikat: Daumen hoch! By the way: &#8222;gracious&#8220; hei\u00dft auf deutsch &#8222;gn\u00e4dig, huldvoll&#8220;. &#8222;Gracious!&#8220; dagegen hei\u00dft &#8222;Ach du meine G\u00fcte!&#8220;\u2026<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Sampler: Music For Gracious Living<br \/>(QDK\/Normal)<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lange nicht mehr ein solch am\u00fcsantes St\u00fcndchen gehabt wie mit dem musikalischen Schaufenster der &#8222;Q. D. K. Media&#8220;, welch obskure Gemeinschaft sich auch immer dahinter verbergen mag! Im Kielwasser der Titanic sind Soundtracks zur Zeit ein hei\u00dfdiskutiertes Thema, und auch dieser Sampler leistet einen nicht zu untersch\u00e4tzenden Beitrag dazu. 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