{"id":33181,"date":"1998-10-05T11:11:00","date_gmt":"1998-10-05T09:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=33181"},"modified":"2022-08-03T23:23:30","modified_gmt":"2022-08-03T21:23:30","slug":"soundtrack-lola-rennt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/1998\/10\/soundtrack-lola-rennt\/","title":{"rendered":"Soundtrack: Lola rennt"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image is-style-default\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><a href=\"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/lolarennt.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/lolarennt.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-33182\" width=\"250\" srcset=\"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/lolarennt.jpg 355w, https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/lolarennt-145x142.jpg 145w, https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/lolarennt-60x60.jpg 60w\" sizes=\"(max-width: 355px) 100vw, 355px\" \/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Wer den Film gesehen hat, wei\u00df, was Sache ist: Thema mit Variationen. Das ist das Prinzip der Geschichte und infolgedessen auch der Musik. Auch die vielen Remixe sind folgerichtiges Produkt dieser Philosophie. Regisseur Tom Tykwer hat die Sache selbst in die Hand genommen, was nie schaden kann, und sich mit den 80er-Veteranen Reinhold Heil (Ex-Spliff) und Johnny Klimek (Ex-The Other Ones) tatkr\u00e4ftige Unterst\u00fctzung ans Mischpult geholt. Rausgekommen ist ein originelles Techno-Kraftpaket mit kn\u00fcppelharten Beats und einem Wust greller Synthie-Sounds. Sph\u00e4rig wabernd, aber straff gef\u00fchrt wummern sich die Aggresso-Songs bis ins Mark. <\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Die meisten Takes (ausgenommen &#8222;Running three&#8220; und &#8222;Somebody has to pay&#8220;, wo sich Mickey-Maus-Stimmchen Susie van der Meer beteiligen darf) halten konsequent die Spannungskurve oben und setzen Tempo und Adrenalinaussto\u00df der Story ad\u00e4quat in Akustik um. Der Instrumental-Anteil steht immer im Vordergrund, und die hypnotisierenden, schlafwandlerischen Sprech-Ges\u00e4nge von Franka Potente (und bisweilen auch Johnny Klimek) sind nur Beilage. Bis auf das mit vorausschauendem Blick auf die Charts angelegte Duett mit Thomas D. nat\u00fcrlich.<br \/>Die Grundlage aller Songs, sozusagen der Basisbaukasten, ist die h\u00e4mmernde Beatstruktur: mal Pulsschlag, mal tickende Uhr. Sie ist der Motor der fl\u00e4chigen Harmoniestrukturen, die sich in jedem Take anders entwickeln. Der Lola-Sound hat etwas seltsam Irreales, von der Welt Abgeschnittenes: wie man sich halt so f\u00fchlt, wenn einen die Beine vor Konzentration und Ersch\u00f6pfung kaum noch tragen und man \u00e4hnlich wie die Radprofis auch von der sch\u00f6nen Landschaft wenig mitkriegt\u2026 F\u00fcr Gro\u00dfstadt-Stra\u00dfenschluchten ist dies jedenfalls die passende Beschallung!<\/p>\n\n\n\n<p>Laut Booklet subsumiert Take 1 (&#8222;Believe&#8220;) die Essenz des Films, die Takes 2 bis 9 lassen das Zelluloid-Werk noch einmal Revue passieren, und die restlichen Takes 10 bis 15, samt und sonders Remixe, bieten Gelegenheit zu alternativen Erfahrungen. Take 10 enth\u00e4lt \u00fcbrigens die philosophischen Ausf\u00fchrungen aus dem Film-Intro, und die Stimme von Hans Paetsch d\u00fcrfte vielen meiner Artgenossen bekannt vorkommen (eine Art &#8222;d\u00e9ja entendu&#8220;), ich pers\u00f6nlich kenne sie von meiner &#8222;Regentrude&#8220;-Schallplatte, sicher aber auch aus unz\u00e4hlingen &#8222;Hui Buh&#8220;- und &#8222;Hexe Schrumpeldei&#8220;-Geschichten. Auf Fischmobs &#8222;Power&#8220; ist Paetsch \u00fcbrigens auch mit von der Partie.<\/p>\n\n\n\n<p>Also, meine Favoriten im einzelnen:<\/p>\n\n\n\n<p>Take 1 &#8222;Believe&#8220;: ein straighter, noch vergleichsweise harmloser Take, der sich recht gleichm\u00e4\u00dfig entwickelt. Franka Potente und Johnny-Fl\u00fcstervoice-Klimek wechseln sich am Mikro ab und erhalten schlie\u00dflich Unterst\u00fctzung von sirenenhaften Sakral-Vocals.<\/p>\n\n\n\n<p>Take 2 &#8222;Introduction&#8220;: Ticktackticktack, das Rennen kann losgeh\u00b4n! Schicht f\u00fcr Schicht legt sich \u00fcber den Zeitbombensound, und gepitchtes Zirpen m\u00fcndet schlie\u00dflich in tr\u00fcgerisch gleichm\u00e4\u00dfige Beats, die ab circa 1\u00b455 mit superbrutalen E-Gitarren-Riffs zum Inferno ausarten. Von jetzt an sitzt die Uhr im Nacken\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Take 3 &#8222;Running one&#8220;: Hi-Hat-Beats, Blasrohrgezirpe mit diesem Ding der Aborigines, auf dessen Name ich grad nicht komm, klingt so wie bei Yothu Yindi. Dazu wieder Destroyer-Riffs und vor allem affenartig h\u00e4mmernde Piano-Kaskaden!!! Unter Franka Potentes Soft-Raps schraubt sich das Ganze offbeatm\u00e4\u00dfig in immer neue harmonische Dimensionen, um ab 2\u00b437 aprupt von den bereits bekannten Sirenen-Ch\u00f6ren abgel\u00f6st zu werden. Jetzt sch\u00fctten sich bei Marathon-Lola wahrscheinlich die Jogger-Gl\u00fcckshormone aus\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Take 4 &#8222;Supermarket&#8220;: Dumpfe Pulsschlag-Basis, blecherne Zusatz-Beats und faithlessm\u00e4\u00dfig gepuffte Synthie-Drops. Klimek hier so richtig alptraumartig als vokaler Freddy Krueger. Um 2\u00b450 rum suchen symphonische Synthie-Akkorde einen Ausweg und sorgen f\u00fcr ein kurzes Break, aber eine Atempause ist nicht drin\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Take 7 &#8222;Casino&#8220;: Ein ruhiger, dumpfer Song mit Safari-Flair und Afro-Beats. Als studierte Literaturwissenschaftlerin ist man immer zwanghaft am Interpretieren, und ich mu\u00df sagen: witzige Idee, diesen Hort des Lasters, der Etikette und der Geldgier mit einer animalischen Aura zu befrachten! Sehr stimmungsvoll.<\/p>\n\n\n\n<p>Take 12 &#8222;Running one (Large Mix)&#8220;: Super, Lola macht uns den Oskar Matzerat im Casino! Dazu wieder das Aborigines-Blasrohr und dumpfer Drum\u00b4n\u00b4Bass-Sound. Ab circa 2\u00b400 gesellen sich phillym\u00e4\u00dfige Disco-Gitarrenriffs dazu und Lola l\u00e4\u00dft es nochmal krachen. Hat was Dunkles, Exotisches.<\/p>\n\n\n\n<p>Take 13 &#8222;Running two (Remix)&#8220;: Wieder dieses Ticken\u2026 Dazu nerv\u00f6ses Synthie-Flackern und oberharte Break-Beats. Ab circa 1\u00b425 ein paar Techno-Martinshorn-Einw\u00fcrfe und danach eine w\u00fcste E-Gitarren-Orgie. Never let him go\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Take 14 &#8222;Casino (Solid state Remix)&#8220;: Gong! Das Casino wird geentert\u2026 Ein ziemlich ruhiger, spartanisch instrumentierter Remix mit Lolas Keuchen in der Hauptrolle. (Lieber Carsten, der Du beim Bergauffahren mit Deinem Rad immer Walkman H\u00f6rst, um Dein demotivierendes Schnaufen zu \u00fcbert\u00f6nen: Dieser Song ist nichts f\u00fcr Dich!) Minimaler Aufwand, maximaler Effekt!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer den Film gesehen hat, wei\u00df, was Sache ist: Thema mit Variationen. 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