{"id":33207,"date":"1998-12-05T11:11:00","date_gmt":"1998-12-05T10:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=33207"},"modified":"2022-07-28T04:43:06","modified_gmt":"2022-07-28T02:43:06","slug":"peter-thomas-moonflowers-mini-skirts","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/1998\/12\/peter-thomas-moonflowers-mini-skirts\/","title":{"rendered":"Peter Thomas: Moonflowers &#038; Mini-Skirts"},"content":{"rendered":"\n<p>Hilfe, Hilfe, Hilfe! Meine Jahres-CD-Top-Ten platzt jetzt schon aus allen N\u00e4hten, und immer noch erscheinen Alben, die mich zwingen, alles wieder \u00fcber einen Haufen zu werfen und einen der Kandidaten unter Tr\u00e4nen rauszukicken! Hier hat schon ein Blick aufs Cover gen\u00fcgt, um zu wissen, was Sache ist, denn der Name &#8222;Peter Thomas&#8220; ist Programm!!! Ich sag nur &#8222;Raumpatrouille&#8220; (Raumschiff Orion), &#8222;Der Hexer&#8220;, &#8222;Der Zinker&#8220;, &#8222;Die toten Augen von London&#8220;, &#8222;Die Leiche ist bewaffnet&#8220; und dero Edgar Wallace- und auch Jerry Cotton-Musiken mehr\u2026 1 A-Stoff f\u00fcr uns Easy Listening- und Weltraum-Musik-S\u00fcchtige, James Last on Acid sozusagen! Und als sei das noch nicht genug &#8211; was mu\u00df ich im Waschzettel lesen: unter den Mitmusikern befinden sich auch der Jazzer und Ex-Vampyros-Lesbo Sigi Schwab sowie Lothar Meid von Amon D\u00fc\u00fcl II, na das h\u00f6rt sich ja schr\u00e4g an!<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Zun\u00e4chst mal: \u00e4hnlich wie der freundliche Kollege im wei\u00dfen Anzug mit dem Schnauzer, der sein Orchester immer auf diese unnachahmlich dezente Weise mit viel Understatement und einem kaum merklich wippenden Elfenbein(?)st\u00e4bchen in H\u00fcfth\u00f6he aus dem Handgelenk dirigiert (nur eine kleine Hommage an oben erw\u00e4hnten Band-Leader\u2026), befindet sich auch Peter Thomas altersm\u00e4\u00dfig langsam in Gefilden, die in meinen Top-Ten-Listen und in meinem Plattenschrank eher selten vertreten sind (bin kein Blues-Fan), und da ist es legitim, da\u00df es sich bei &#8222;Moonflowers\u2026&#8220; um bislang unver\u00f6ffentlichtes Archivmaterial aus den sp\u00e4ten Sechzigern und fr\u00fchen Siebzigern handelt. Mein Leben w\u00e4re um einige Sternst\u00fcnchen \u00e4rmer, w\u00e4ren diese Schmankerl noch l\u00e4nger in Kartons verschimmelt! Ich wollte schon fragen, ob irgendjemand im vergangenen Sommer die Popul\u00e4r-Doku-Reihe &#8222;Mond\u00e4n&#8220; im ZDF gesehen hat, so um die Zeit der WM rum, jedenfalls w\u00e4re es toll, wenn die Begleitmusik auf CD erh\u00e4ltlich w\u00e4re, die war n\u00e4mlich vom Feinsten und in etwa so wie das vorliegende Peter-Thomas-Werk. Dann fiel mir ein, da\u00df der Meister himself ja auch in besagter Reihe vorkam, die die wichtigsten Schicki-Micki-Treffs von Saint Tropez bis Sylt portr\u00e4tierte und noch einmal deren goldene Zeiten der Sechziger und Siebziger Jahre Revue passieren lie\u00df. Alle damaligen und heutigen Akteure von Gunter Sachs bis Gerhard Meir kamen darin zu Wort, darunter eben auch Peter Thomas in seiner Funktion als Lebensgef\u00e4hrte einer Ex-Schauspielerin mit Vornamen Cordy, die mittlerweile aber lieber auf Mallorca malt oder als Klatschreporterin unterwegs ist. Peter Thomas &#8211; ein Fabelwesen aus der mythenreichen Steinzeit des internationalen Jet Set, mit Stars und Sternchen und in Hochglanz? Scheint so.<\/p>\n\n\n\n<p>Jedenfalls hat er die cineastischen Versuche des befreundeten Playboys, Opel-Erben, Ex-Brigitte-Bardot-Gatten und M\u00fc\u00dfigg\u00e4ngers Sachs (Man sieht: ich hab meine Hausaufgaben gemacht!!! Das &#8222;Gala&#8220;-Abo war also doch f\u00fcr was gut\u2026), ein Ski-Bum-Flick(?) namens &#8222;Happening in white&#8220; von 1969, unverdienterma\u00dfen mit einem hinrei\u00dfenden Soundtrack geadelt. Das Promi-Panoptikum (oder treffender: Pand\u00e4monium? Die Entscheidung \u00fcberlasse ich der werten Leser\/innenschar\u2026) wird noch erg\u00e4nzt durch Donna Summer, Senta Berger und Uschi Glas. Die Disco-St\u00f6hn-Queen der 70er stand einst Ende der 60er in der M\u00fcnchner &#8222;Hair&#8220;-Auff\u00fchrung auf der B\u00fchne (\u00fcbrigens eine Keimzelle deutscher Nachkriegs-Musikkultur, sozusagen eine &#8222;Kaderschmiede&#8220;, nur noch vergleichbar mit den Les Humphries Singers\u2026 wenn mich nicht alles t\u00e4uscht, &#8222;haarten&#8220; damals auch J\u00fcrgen Marcus, der unvermeidliche J\u00fcrgen Drews und Su Kramer\u2026), war mit einem \u00d6sterreichischen Schauspieler namens Helmut Sommer (daher Donna Summer) verheiratet, inspirierte den jungen Giorgio Moroder und hatte 1969 eine kleine Rolle in der ZDF-Thriller-Mini-Serie &#8222;11 Uhr 20&#8220;, wo sie eben zu Peter-Thomas-Musik sang.<\/p>\n\n\n\n<p>In \u00e4hnlichen Kreisen bewegten sich auch &#8222;die Berger&#8220; und &#8222;Sch\u00e4tzchen Glas&#8220;, damals &#8211; darauf sei doch noch hingewiesen, auch wenn ich vor allem Uschi Glas nicht ausstehen kann &#8211; auch international agierende Aktricen, deren Aktionsradius \u00e4hnlich dem einer Barbara R\u00fctting und Karin Dor durchaus in Hollywood\u00b4sche Reichweite kam! Jedenfalls, was die vokalen Darbietungen von Senta Berger und Uschi Glas angeht &#8211; sie k\u00f6nnen sicher nicht mit denen der seligen Monroe konkurrieren, aber man ist auch hier versucht, erstaunt festzustellen: ja, das kann sich h\u00f6ren lassen. Der Waschzettel weist nochmal drauf hin, da\u00df es sich hierbei um echte Rarit\u00e4ten handelt, Sammlerst\u00fccke sozusagen (&#8222;a true collector\u00b4s item&#8220;), und merkt augenzwinkernd an &#8211; wenn sie jemals welche waren (&#8222;if there ever was one&#8220;)! Ein selbstironisches Label, diese Marinas\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Um aber endlich zum Opus selbst zu kommen: eine Compilation also, im Zeichen des Easy Listening mit viel, viel Swing, kr\u00e4ftigen Bl\u00e4ser-Sections und elastisch-treibenden Percussions. Der Acid-Touch vieler Takes resultiert aus der Kombination mit hitzigem Funk und Philly-Sound sowie dem Einsatz herrlich blubbernder, zirpender und wabernder M\u00e4tzchen aus der ersten Synthie-Generation. Einfach spacig!<\/p>\n\n\n\n<p>Thomas entstammt urspr\u00fcnglich einem Jazz-Fusion-Background und arbeitet konsequent mit klassischer Big Band unter Ausschlu\u00df jeglichen overdubbings &#8211; was meint, da\u00df alles live und ungeschnitten eingespielt wurde um des gewissen Nervenkitzels willen, dessen echte K\u00fcnstler nur ungern entraten m\u00f6gen. (Bevor jemand meckert: solang meine Uni-Pr\u00fcfungen nicht restlos abgewickelt sind, wird man mein Sekund\u00e4rliteratur-Idiom wohl oder \u00fcbel beim Rezipieren meiner Rezensionen mitkaufen m\u00fcssen, in diesem Fall lehn ich mich allerdings an eine Formulierung Lisa Simpsons an, aus der Folge, wo sie Mumps hat und bedauert, ein paar Tage nicht in die Schule gehen zu d\u00fcrfen\u2026) Ein klassischer Musiker also, der es wagte, sich in popul\u00e4re B\u00fcsche zu schlagen (tausendmal besser als die Absonderungen popul\u00e4rer Musiker, die sich nach &#8222;klassischen&#8220; Decken strecken, ich denke da vor allem an Mr. Paul McCartney, f\u00fcr Frank Zappa bin ich bereit, eine Ausnahme zu machen). Mich pers\u00f6nlich w\u00fcrde interessieren, ob man daf\u00fcr von vermeintlich &#8222;klassischen&#8220; Kollegen schief angesehen wurde? Wie auch immer: Peter Thomas-Songs b\u00fc\u00dfen auch drei\u00dfig Jahre sp\u00e4ter nichts von ihrer Frische ein!!! Nerv\u00f6se orchestrale Meisterwerke, so \u00fcberw\u00e4ltigend wie eine Kiste mit einem fiesen Springteufel, der einen beim \u00d6ffnen anspringt. Manchmal hat man direkt den Eindruck, das Ensemble spielt sich in einen Rausch &#8211; ja, die Musiker von Peter Thomas z\u00e4hlten damals zu den ges\u00fcndesten \u00fcberhaupt, denn wer in seiner Big Band instrumentierte, brauchte keine Drogen!<\/p>\n\n\n\n<p>Also, vielleicht kauft Ihr Euch in der S\u00fc\u00dfwaren-Abteilung des Kaufhauses Eures Vertrauens die 6-Kammer-&#8222;Tele-Box&#8220; mit einer repr\u00e4sentativen Auswahl zuckrigen Knabberwerks, r\u00e4kelt Euch in Euren aufblasbaren Sesseln oder auf echtem Flokati und la\u00dft Euch zur\u00fcckbeamen in einen historischen Moment, als sich biedere Tanzmusik mit psychedelisch-kosmischer Aufbruchstimmung vereinigte!<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Peter Thomas: Moonflowers &amp; Mini-Skirts<br \/>(Marina\/Indigo)<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hilfe, Hilfe, Hilfe! 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