{"id":33211,"date":"1998-02-12T11:11:00","date_gmt":"1998-02-12T10:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=33211"},"modified":"2022-07-28T03:45:42","modified_gmt":"2022-07-28T01:45:42","slug":"michael-lewin-2-romane","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/1998\/02\/michael-lewin-2-romane\/","title":{"rendered":"Michael Lewin: 2 Romane"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Michael Lewin: Der stumme Handlungsreisende<br \/>Michael Lewin: Anruf vom Panther<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Welt ist rund, sie dreht sich, und je nach dem, wo man steht &#8211; oben oder unten &#8211; kommt man auch ein St\u00fcck weit mehr rum als andere. Oder auch nicht, wie im Fall von Albert Samson, dem billigsten aller billigen Privatdetektive. In diesem wie in so vielen anderen Sommern ist es hei\u00df in Indianapolis, hei\u00df im armseligen Wohnb\u00fcro und die Gesch\u00e4fte laufen nicht schlecht; sie laufen \u00fcberhaupt nicht. Auch das letzte As im \u00c4rmel, eine Anzeige:<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p><em>Riesiger Detektiv-Schlu\u00dfverkauf im August<br \/>20% Preisnachla\u00df auf alle Nachforschungen,<br \/>einschlie\u00dflich Scheidungen, wenn Sie sich<br \/>noch im August entschlie\u00dfen<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Auch dieses letzte entw\u00fcrdigende Aufb\u00e4umen, um die Konjunktur zu beleben, bringt nichts, au\u00dfer dem erbosten Anruf eines pikierten Zeitungslesers.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei Chandler, Ellroy oder auch bei Fauser w\u00fcrde dann &#8211; Gott sei Dank &#8211; nicht lange danach eine sinnliche Blondine, zwei gewichtige Argumente vor sich her tragend, im B\u00fcro auftauchen und Samson aus seinem finanziellen wie emotionalen Tief rei\u00dfen. Doch weit gefehlt. Michael Lewin ist nicht Raymond Chandler und auch nicht J\u00f6rg Fauser. Und Albert Samson ist nicht Phil Marlowe und auch nicht Harder. Samson wirkt eher wie der donquichotische Bruder der beiden heheren Ikonen im Bereich der privaten Verbrechensbek\u00e4mpfung. Samson ist einfach viel zu nett und freundlich, als da\u00df sich eine sinnliche Blondine in sein B\u00fcro verirren w\u00fcrde. Er mu\u00df mit einer abgeh\u00e4rmten, knausrigen alten Schachtel vorlieb nehmen, die ihn zum Dumpingpreis anheuern will, um zu erfahren, warum sie nicht in der Klinik zu ihrem Bruder vorgelassen wird, der dort nach einer Explosion in einem Pharmalabor im Koma liegt.<\/p>\n\n\n\n<p>So wie sich die Geschichte um den &#8217;stummen Handlungsreisenden&#8216; anl\u00e4\u00dft, w\u00e4re eigentlich mit einer Streichelzoo-Version des Gro\u00dfstadtdschungel-Szenarios zu rechnen. Doch auch nette Menschen wie Samson werden mit den harten Fakten der Au\u00dfenwelt konfrontiert und er stolpert in einen Sumpf aus L\u00fcgen, Geld und Korruption, der im Schatten von Vorstandsetagen, Ermittlungsbeh\u00f6rden und Versuchslabors entstanden ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch in den folgenden Jahren geht das Leben nicht netter, sanfter oder wenigstens fairer mit dem billigsten Privatdetektiv um. Kaum weniger entw\u00fcrdigend als seine peinliche Anzeigenkampagne sind seine Bem\u00fchungen im zweiten Band, zu Geld zu kommen: Von einer wohlriechenden und bis ins Mark versnobten Engl\u00e4nderin wird er f\u00fcr eine inszeniert M\u00f6rderparty engagiert, um den Reichen und Bl\u00f6den den Schein der Authentizit\u00e4t vorzugaukeln. Massive Probleme tauchen allerdings erst im Anschlu\u00df an den &#8218;Anruf vom Panther&#8216; auf.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenig sp\u00e4ter taucht er pers\u00f6nlich auf, in Begleitung von drei weiteren Exemplaren aus der Evolutionskette: Frosch, B\u00e4r und Gorilla. Was sich in Samsons B\u00fcro versammelt ist nichts anderes als das maskierte \u00f6kologische Terrorkommando &#8218;Scum Front&#8216;, die seit Wochen durch Anschl\u00e4ge auf sich aufmerksam machen. Bislang waren auch noch keine Menschen verletzt worden, doch das k\u00f6nnte sich \u00e4ndern, denn eine ihrer Bomben ist verschwunden. Samson soll nun versuchen, sie wieder herbeizuschaffen, um drohenden Schaden zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n<p>So steht Samson wieder zwischen allen St\u00fchlen und kann nicht anders. Na ja, es hat ja auch niemand gesagt, das Leben sei leicht. Und das ist es schon garnicht f\u00fcr Menschen wie ihn, f\u00fcr die der t\u00e4gliche Existenzkampf schon genug Schwierigkeiten bereith\u00e4lt. Und dann auch noch Bombenterror verhindern zu m\u00fcssen!<\/p>\n\n\n\n<p>Michael Lewin b\u00fcrdet seinem tragikomischen Helden schon eine ganze Menge auf die ohnehin gebeutelten Schultern. Aber zu sagen, Lewin bringt eine soft-boiled-Version des Private Eye auf den Markt, trifft den Nagel nicht auf den Kopf. So originell w\u00e4re diese Idee ja auch nicht mehr. Nicht nur da\u00df Albert Samson eine sympatisch lebendige Figur ist, die statt der gewohnten Arroganz und Gr\u00f6\u00dfenwahn Humor und Zuversicht ausstrahlt, Lewin wei\u00df schlicht und ergreifend wie ein Krimi funktionieren mu\u00df, um eine Spannung aufzubauen, die einen beim Lesen die niedrigsten Bed\u00fcrfnisse vergessen l\u00e4\u00dft. Jede Zeile ein Genu\u00df.<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Michael Lewin<br \/>DER STUMME HANDLUNGSREISENDE<br \/>diogenes 39,- DM<br \/>ISBN 3-257-06052-1<\/pre>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Michael Lewin<br \/>ANRUF VOM PANTHER<br \/>diogenes 39,- DM<br \/>ISBN 3-257-06151-X<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Michael Lewin: Der stumme HandlungsreisendeMichael Lewin: Anruf vom Panther Die Welt ist rund, sie dreht sich, und je nach dem, wo man steht &#8211; oben oder unten &#8211; kommt man auch ein St\u00fcck weit mehr rum als andere. Oder auch nicht, wie im Fall von Albert Samson, dem billigsten aller billigen Privatdetektive. 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