{"id":33223,"date":"1998-11-23T11:11:00","date_gmt":"1998-11-23T10:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=33223"},"modified":"2022-07-30T17:02:31","modified_gmt":"2022-07-30T15:02:31","slug":"live-air-sean-lennon","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/1998\/11\/live-air-sean-lennon\/","title":{"rendered":"Live: Air\/Sean Lennon"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">London, Shepherd\u00b4s Bush Empire. 2.11.1998.<\/h2>\n\n\n\n<p>Eine meiner Lieblingsplatten in den letzten Jahren war und ist immer noch Air&#8217;s Moon Safari. Soft, poppig und vor allem wunderbar franz\u00f6sisch, das hei\u00dft mit der richtigen Portion K\u00e4se, immer nur so viel da\u00df derselbe nicht zu stark im Vordergrund steht. Klasse zum Autofahren oder Abendessen.<br \/>So war dieser Gig nat\u00fcrlich ein Muss, waren Air doch ernstzunehmende Konkurrenten von Beck im Kampf an der Spitze meiner Beliebtheitstabelle. Ich sage bewusst waren.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Das Empire ist ein altes Theater im Londoner Westen. Eine Venue nach meinem Geschmack, mit Balkon und Kronleuchter, und vor allem nicht zu gro\u00df, fasst etwa 2000 Leute. Nat\u00fcrlich ausverkauft wie fast jedes Konzert hier. Sean Lennon er\u00f6ffnet die Gala mit seinen New Yorker multikulturellen Freunden. Ist ganz nett, teilweise sehr an die Solosachen seines Daddys erinnernd, dessen Verm\u00e4chtnis tonnenschwer auf dem jungen Mann lasten mu\u00df. Ich habe fast ein bischen Mitleid. Wie will man denn John Lennon ebenb\u00fcrtig sein, geschweige denn ihn \u00fcbertreffen? Doch Sean macht seine Sache gut, produziert \u00e4u\u00dferst h\u00f6rbare Stuecke und kommt ganz relaxed rueber. Nur der Ausflug in Richtung Rap erweist sich als sehr gewagt. \u00dcberla\u00df das mal lieber den Beastie Boys, denke ich bei mir, oder dem schwarzen Freund, der ansonsten Percussion spielt. Denn bei dem wirkt das ganz gut. Als Sean aber einsetzt, wird&#8217;s etwas mulmig.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir warten auf AIR. Schliesslich kommen sie in Scharen auf die B\u00fchne, verbl\u00fcffend da sie im Studio doch haupts\u00e4chlich zu zweit agieren. Alle sind in Wei\u00df gekleidet, ein Hauch von Showbiz. Doch sieht man genauer hin, dann sind die weissen Klamotten Jeans, Sweatshirts und Turnschuhe, so ganz und gar nicht glamour\u00f6s, ein eher halbherziger Versuch eines B\u00fchnenkonzepts. Auch die schlechten Frisuren der rechts und links am B\u00fchnenrand aufgebauten Keyboarder vermitteln eher das Image von Leuten, die auf Style wenig Wert legen. Sie sehen eher aus wie farblose Hippies. Dieses leicht deplazierte Gef\u00fchl setzt sich dann auch in der musikalischen Darbietung fort. Sie versuchen schlicht ihre Musik zu Rock umzufunktionieren. Verschwunden ist die Coolness, das easy listening und der Glanz, der AIR ansonsten ausmacht. Kelly Watch The Stars wird ins Punkrockkorsett gezw\u00e4ngt &#8211; es passt nicht. Coverversionen sollen doch die anderen machen. Sie kommen r\u00fcber wie eine aufgekratzte Schuelerband der besseren Sorte. Der Schlagzeuger spielt immerzu seinen Lieblingsbreak, irgendwann mu\u00df es uns doch gefallen. Sp\u00e4testens alle acht Takte RummeniggeRummeniggeKaltz.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich stelle mir vor, wie sie einen Ersatz f\u00fcr den ausgefallenen Schlagzeuger gesucht haben, denn dieser scheint nicht der Richtige zu sein. Hoffe ich zumindest, denn er klingt doch zu sehr nach einer Notl\u00f6sung. Er ist ein solider Drummer, keine Frage, nur leider in der falschen Band. Gegen Ende kommt dann die Lady von der Schallplatte und f\u00e4hrt den Karren nochmal einigerma\u00dfen aus den Dreck. Ihre beiden Songs sind eben wie auf Platte, was normalerweise nicht sehr aufregend ist, aber allemal besser als eine schwache Liveversion, die auf Teufel komm raus anders sein will. Am Schluss bedankt sie sich beim Publikum, sinngem\u00e4\u00df sei dies einer der ersten Orte gewesen, wo man verstanden hat &#8218;what AIR is about&#8216;. Mein Freund Andrew daraufhin: &#8222;Just a shame they don&#8217;t.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Ich revidiere meine Meinung, da\u00df AIR und Beck in einer Liga spielen an diesem Abend. Zumindest was Konzerte angeht, sind AIR eher mittelm\u00e4\u00dfig, eine durchschnittliche Rockband, die sicher viel Erfolg auf franz\u00f6sischen Univeranstaltungen haben d\u00fcrfte.<\/p>\n\n\n\n<p>(mk)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>London, Shepherd\u00b4s Bush Empire. 2.11.1998. Eine meiner Lieblingsplatten in den letzten Jahren war und ist immer noch Air&#8217;s Moon Safari. Soft, poppig und vor allem wunderbar franz\u00f6sisch, das hei\u00dft mit der richtigen Portion K\u00e4se, immer nur so viel da\u00df derselbe nicht zu stark im Vordergrund steht. 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