{"id":33279,"date":"1998-04-04T11:11:01","date_gmt":"1998-04-04T09:11:01","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=33279"},"modified":"2022-07-26T02:15:06","modified_gmt":"2022-07-26T00:15:06","slug":"washington-square","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/1998\/04\/washington-square\/","title":{"rendered":"Washington Square"},"content":{"rendered":"\n<p>Die ungest\u00fcme Catherine (Jennifer Jason Leigh) liebt ihren Vater, den wohlhabenden Doktor Austin Sloper (Albert Finney), von ganzem Herzen und zeigt es ihm auch. Sch\u00f6n, sollte man denken. Allerdings pa\u00dft ein solches Verhalten im New York Mitte des 19. Jahrhunderts kaum zur Etiquette. Und noch etwas hat der vornehme Mediziner mit Wohnsitz am noch vornehmeren Washington Square an seiner Tochter auszusetzen: Er nimmt es ihr \u00fcbel, da\u00df seine geliebte Frau bei Catherines Geburt im Kindbett starb. <\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Erzogen von ihrer exzentrischen Tante Lavinia (Maggie Smith) und emotional ausgehungert trifft sie das Interesse des leidenschaftlichen Morris Townsend (Ben Chaplin) wie ein Schlag aus heiterem Himmel. Doch der schmucke junge Mann st\u00f6\u00dft mit seinen Heiratsabsichten bei Catherines Vater auf taube Ohren. Schlie\u00dflich hat er keinerlei finanzielle Sicherheiten oder wenigstens eine akzeptable gesellschaftliche Stellung zu bieten. Vielmehr vermutet der Doktor, da\u00df es der mittellose Charmeur auf die Mitgift seiner so unscheinbaren wie naiven Tochter abgesehen hat. Ohne das v\u00e4terliche Einverst\u00e4ndnis m\u00f6chte Catherine ihr Jawort jedoch nicht geben und l\u00e4\u00dft sich deshalb zu einer halbj\u00e4hrigen Europareise mit dem Senior \u00fcberreden. W\u00e4hrend die junge Frau im Ausland um den Segen ihres Vaters k\u00e4mpft und zunehmend an Selbstvertrauen gewinnt, ver\u00e4ndern sich auch die Dinge zu Hause in New York.<\/p>\n\n\n\n<p>Die literarische Vorlage von Henry James ist bei der polnischen Regisseurin Angieszka Holland (&#8222;Total Eclipse&#8220;) in f\u00e4hige H\u00e4nde gefallen. Mit viel Liebe zum Detail und dem Bestreben um Authentizit\u00e4t &#8211; allein in die Ausstattung des Sloperschen Wohnzimmers flossen gesch\u00e4tzte zwei Millionen Dollar &#8211; hat sie die Geschichte um die Emanzipation einer Arzttochter aus dem vorigen Jahrhundert zum bewegenden Gef\u00fchlskino geraten lassen. Dabei ist es auch Jennifer Jason Leigh zu verdanken, da\u00df diese klassische Lovestory nicht zu einem weiteren der derzeit so beliebten Kost\u00fcmfilmchen verkommt. Zwar kennt man ihre \u00fcberzeugend depressiven darstellerischen Leistungen bereits u.a. aus &#8222;Georgia&#8220;. Doch der Kampf der vernachl\u00e4ssigten Catherine zwischen moralischen Zw\u00e4ngen und eigenem Willen scheint der zarten Jennifer wie auf den Leib geschrieben zu sein. F\u00fcr Auflockerung bei aller Dramatik sorgt Maggie Smith, die ihre Rolle als romantische Jungfer Lavinia mit ironischem Augenzwinkern ausf\u00fcllt und damit das I-T\u00fcpfelchen in dieser gelungenen Romanverfilmung ist.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Washington Square<br \/>Regie: Agnieszka Holland<br \/>Darsteller: Jennifer Jason Leigh, Albert Finney, Ben Chaplin, Maggie Smith<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die ungest\u00fcme Catherine (Jennifer Jason Leigh) liebt ihren Vater, den wohlhabenden Doktor Austin Sloper (Albert Finney), von ganzem Herzen und zeigt es ihm auch. Sch\u00f6n, sollte man denken. Allerdings pa\u00dft ein solches Verhalten im New York Mitte des 19. Jahrhunderts kaum zur Etiquette. 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