{"id":33332,"date":"1997-12-01T11:11:00","date_gmt":"1997-12-01T10:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=33332"},"modified":"2022-07-23T19:30:11","modified_gmt":"2022-07-23T17:30:11","slug":"l-a-confidential","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/1997\/12\/l-a-confidential\/","title":{"rendered":"L.A. Confidential"},"content":{"rendered":"\n<p>Es gibt wenige Filme, denen es gelingt, die spezifische Spannung und Atmosph\u00e4re eines Buches auf die Leinwand zu \u00fcbertragen &#8211; &#8222;L.A. Confidential&#8220; ist einer davon. Vorlage f\u00fcr den Streifen ist der gleichnamige Roman von James Ellroy, der 1990 in den Staaten erschien. Ein Jahr sp\u00e4ter kam er in Deutschland unter dem Namen &#8222;Stadt der Teufel&#8220; bei Ullstein heraus. Einen 534-Seiten-Roman mu\u00df man nat\u00fcrlich f\u00fcr die Leinwand k\u00fcrzen, aber da fangen die Probleme meist schon an. Was ist f\u00fcr den Charakter einer Geschichte wesentlich, was darf fehlen?<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Die Drehbuchschreiber f\u00fcr &#8222;L.A. Confidential&#8220; haben jedenfalls genau die richtige Wahl getroffen. Regisseur Curtis Hanson (u.a. &#8222;Die Hand an der Wiege&#8220;, &#8222;Todfeinde&#8220;) zeigt uns das eigentliche Ger\u00fcst des Ellroyschen Werkes: drei M\u00e4nner und ihr Kampf mit ihren Obsessionen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Film konzentriert sich ganz auf die Geschichte der Polizeibeamten Bud White, Ed Exley und Jack Vincennes, deren Schicksale immer enger mit dem Geflecht aus Politik, Business und organisiertem Verbrechen im Los Angeles des Jahres 1952 verkn\u00fcpft werden. Keiner der drei ist das, was man einen Hollywod-Helden nennen k\u00f6nnte: White ist ein etwas tumber, kr\u00e4ftiger Zivilbeamter, der Gewalt gegen Frauen verabscheut und M\u00e4nner, die ihre Frauen pr\u00fcgeln, seinerseits brutal zusammenschl\u00e4gt oder im Extremfall einfach erschie\u00dft. Vincennes arbeitet im Drogendezernat und nutzt seine guten Kontakte zur Presse und zum Filmbusiness, um sich seine edlen Anz\u00fcge und seinen f\u00fcr Polizeiverh\u00e4ltnisse exquisiten Lebenstil wenn n\u00f6tig auch auf illegalem Wege zu finanzieren. Und Exley, der Sohn eines ermordeten ranghohen L.A.-Polizisten, ist besessen von seinem Ehrgeiz, als j\u00fcngster Beamter aller Zeiten zur Kriminalabteilung zu kommen und schreckt auch vor Intrigen und Denunziation seiner Kollegen nicht zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Massenmord in einem kleinen Schnellrestaurant f\u00fchrt ihre Wege zusammen: Das Nite-Owl-Massaker besch\u00e4ftigt die ganze Polizei von Los Angeles und f\u00fcllt das Vakuum aus, das die Inhaftierung des Paten von L.A. in der Arbeit der Verbrechensbek\u00e4mpfer hinterlassen hat. Als schlie\u00dflich drei schwarze Kleinkriminelle festgenommen und nach ihrer erneuten Flucht erschossen werden, scheint der aufsehenerregende Fall abgeschlossen. Aber White, Vincennes und Exley lassen nicht ab von ihren pers\u00f6nlichen Motiven und decken nach und nach auf, was sich wirklich hinter den Morden verbirgt. Dabei werden die so unterschiedlichen M\u00e4nner vor\u00fcbergehend zu Partnern, um dennoch erbitterte Konkurrenten zu bleiben. Und am Ende m\u00fcssen eine Menge Menschen sterben, um das zerbrechliche Gef\u00fcge aus Macht, Geld und Politik stabil zu halten \u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Was &#8222;L.A. Confidential&#8220; von anderen Literaturverfilmungen abhebt, ist die bis in die Nebenrollen hinein exzellente Besetzung. Russel Crowe als White, Kevin Spacey als Vincennes und Guy Pearce als Exley spielen brillant und &#8211; ein wahrhaft seltener Fall &#8211; verk\u00f6rpern durch Aussehen und Auftreten exakt die von Ellroy beschriebenen Charaktere. Auch Kim Basinger als seltsam reine und verkl\u00e4rte Edelprostituierte agiert so gl\u00e4nzend, da\u00df man als Zuschauer vergi\u00dft, wem man da beim Spielen zusieht und welch Mittelma\u00df sie bislang fabriziert hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Wunderbar auch die Ausstattung und die Kulissen f\u00fcr dieses schillernde und w\u00fcste Sittengem\u00e4lde der 50er Jahre in der kalifornischen Metropole Los Angeles. Regisseur Hanson, der in L.A. lebt und dort aufgewachsen ist, lie\u00df an die 60 Schaupl\u00e4tze neu aufbauen oder rekonstruieren. Allerdings nicht, um uns dann in langatmigen, Schaut-her-was-wir-uns-f\u00fcr-eine-M\u00fche-gemacht-haben-Einstellungen die ganze Pracht zu pr\u00e4sentieren: Hansons Film \u00fcbernimmt exakt Ellroys Erz\u00e4hltempo, und das hei\u00dft, keine Pausen oder: die Raserei hat einen Namen. Eine Tatsache, die man gar nicht genug loben kann. Alles in allem ein riesiger Aufwand f\u00fcr eine fette, grelle und krachende Hollwood-Produktion, die aber zeigt, da\u00df teures amerikanisches Kino auch k\u00fcnstlerisch noch seine Daseinsberechtigung haben kann, wenn man eine gute und gutgeschriebene Geschichte verfilmt und diese Grundlage auch ernst nimmt.<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">L.A. Confidential<br \/>Regie: Curtis Hanson<br \/>Darsteller: Kim Basinger, Kevin Spacey, Guy Pearce, Russell Crowe, Danny DeVito<br \/>USA, 1997<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gibt wenige Filme, denen es gelingt, die spezifische Spannung und Atmosph\u00e4re eines Buches auf die Leinwand zu \u00fcbertragen &#8211; &#8222;L.A. Confidential&#8220; ist einer davon. Vorlage f\u00fcr den Streifen ist der gleichnamige Roman von James Ellroy, der 1990 in den Staaten erschien. 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