{"id":33660,"date":"1999-08-15T11:11:00","date_gmt":"1999-08-15T09:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=33660"},"modified":"2022-07-25T17:26:48","modified_gmt":"2022-07-25T15:26:48","slug":"paradise-lost-host","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/1999\/08\/paradise-lost-host\/","title":{"rendered":"Paradise Lost: Host"},"content":{"rendered":"\n<p>Eigentlich war es schon vor Ver\u00f6ffentlichung von &#8222;Host&#8220; kein Geheimnis mehr: Paradise Lost wandeln auf den Spuren von Depeche Mode. Teaser CDs beim Media Markt, massive Berichterstattung in der Fachpresse und Fernsehauftritte mit Liveausschnitten lie\u00dfen mich verwundert die Augen reiben. W\u00e4hrend Paradise Lost auf ihrem vergangenen Album &#8222;One Second&#8220; den Schritt von der Metalband zur Bombast Rock Band mit Klavierkl\u00e4ngen vollzogen, gehen sie auf &#8222;Host&#8220; noch einen Schritt weiter. Hier flirren die Computersounds, Samples werden durch die Boxen gejagt und die ehemals dominante Gitarre ist nur noch schwer auszumachen.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Aber nach mehrmaligem H\u00f6ren wird klar, wer das neue Paradise Lost Werk als Klon von Depeche Mode sieht, kommt in Erkl\u00e4rungsnot. Zweifelsfrei sind die britischen Altmeister um Martin Gore die erste Assoziation, aber &#8222;Host&#8220; ist vielf\u00e4ltiger. Es gelingt der Br\u00fcckenschlag zwischen den Emotionen des Rocks und der unterk\u00fchlten Ausstrahlung elektronischer Musik. Ich traue es mich kaum zu sagen, aber an manchen Stellen klingen Paradise Lost sogar optimistischer. S\u00e4nger Nick Holmes verbreitet mit seinem gereiften Organ eine wohlige Grundstimmung, die das schwerm\u00fctige Leben, das er in seinen Lyrics beschreibt irgendwie ertr\u00e4glich macht. So klingt es fast altersweise, wenn er in &#8218;Deep&#8216; singt:<\/p>\n\n\n\n<p><em>Living life today, when tomorrow brings this trail of desperate thoughts<br \/>living so afraid, when tomorrow brings this trail of simple thoughts<br \/>give in for one day, face the absolute that things won&#8217;t go your way<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Das ganze Album ist in Moll gehalten (textlich wie musikalisch), doch das bandeigene Pathos rei\u00dft L\u00fccken in das Dunkel. Sicher erinnert das h\u00e4ufig an Depeche Mode, manchmal an Sisters Of Mercy oder Deine Lakaien, aber haupts\u00e4chlich klingt es nach Paradise Lost. Schon der Opener &#8218;So Much Is Lost&#8216; h\u00e4tte &#8211; in anderem Arragement &#8211; auch seine Platz auf dem Vorg\u00e4ngeralbum gefunden. Die Umsetzung hat sich ver\u00e4ndert, die Qualit\u00e4t des Songwritings nicht. Es gibt keinen H\u00e4nger auf &#8222;Host&#8220;. Ausnahmslos jeder Track h\u00e4tte als erste Single ver\u00f6ffentlicht werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Paradise Lost pr\u00e4sentiert sich 1999 als eine gewachsene Band, der die Grenzen des Metal-Genres zu klein geworden ist. Eingefleischte Headbanger, die schon an &#8222;One Second&#8220; schwer zu schlucken hatten, sollten von &#8222;Host&#8220; die Finger lassen. Alle anderen erleben eine Band, die mit &#8222;Draconian Times&#8220; (1995), &#8222;One Second&#8220; (1997) und jetzt &#8222;Host&#8220; drei grundverschiedene Alben aufgenommen hat, ohne ihren signifikanten Stil und ihre Identit\u00e4t zu verlieren. Denn egal wie die f\u00fcnf Engl\u00e4nder ihre Songs arrangieren, sie bleiben unverwechselbar Paradise Lost.<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Paradise Lost: Host\n(EMI)<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eigentlich war es schon vor Ver\u00f6ffentlichung von &#8222;Host&#8220; kein Geheimnis mehr: Paradise Lost wandeln auf den Spuren von Depeche Mode. Teaser CDs beim Media Markt, massive Berichterstattung in der Fachpresse und Fernsehauftritte mit Liveausschnitten lie\u00dfen mich verwundert die Augen reiben. 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