{"id":33726,"date":"1999-03-14T11:11:00","date_gmt":"1999-03-14T10:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=33726"},"modified":"2022-07-26T00:09:15","modified_gmt":"2022-07-25T22:09:15","slug":"jimi-tenor-organism","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/1999\/03\/jimi-tenor-organism\/","title":{"rendered":"Jimi Tenor: Organism"},"content":{"rendered":"\n<p>Jimi Tenor ist der Lucky Luke der Musikbranche: der Mann, der seine Alben in so schneller Abfolge ver\u00f6ffentlicht, da\u00df sein eigener Schatten nicht mitkommt! Dies ist sein viertes in nicht einmal drei Jahren, scheint mir. Er mu\u00df offensichtlich einfach nur einen Eimer drunter halten und sein kreatives Output flie\u00dfen lassen. Beneidenswert.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Und gelohnt hat sich\u00b4s auch wieder. Tenor erfindet zwar nicht das Rad neu, aber er zitiert, fusioniert und eklektiziert auf sehr geniale Weise. Funk, Jazz, Blaxploitation- und Agentenfilm-Kl\u00e4nge, Disco-Glimmer, Ethno, Gospel und Chorgesang, Bl\u00e4ser-Fanfaren und sph\u00e4rische Fl\u00f6ten &#8211; all das wird durch den Groove-Wolf gedreht und kommt als Smooth-Offensive unten wieder raus, mit viel cleveren Beats, Space-Atmo, Moogs und Synthie-Veredelung. Aufgenommen wurde das Album \u00fcbrigens in Berlin, Barcelona, London, New York und in Tenors Heimatstadt Lahti.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Organism&#8220; verdient das Pr\u00e4dikat &#8222;de luxe&#8220; wie kein zweites Werk, denn Tenors Sound ist unendlich elegant, geschmeidig und relaxt (&#8222;smooth&#8220; halt), aber nie soft. Verbl\u00fcffend, wie der Mann bei seiner ganzen Zusammenklauberei seinen konzentrierten Minimalismus durchh\u00e4lt! Der ist es vermutlich auch, der den Album-Titel legitimiert, irgendwie scheinen die ganzen Songs zu leben und eigene Mikrokosmen darzustellen.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit dieser Charakterisierung f\u00fcge ich mich nahtlos in den biologistischen Chor der Rezensenten-Kollegen ein: man sollte mal drauf achten, wie oft im Zusammenhang mit Jimi Tenor von Ein-Mann-Orchestern, Labors etc. die Rede ist. Da kann er noch so oft im Silber-Lam\u00e9-Mantel und auf wei\u00dfen Hengsten in die Konzerthallen Einzug halten (vom Warhol-Haar-Mop und der Riesenbrille ganz zu schweigen) &#8211; ihm bleibt das Image des wortkargen, verschrobenen Skandinaviers.<\/p>\n\n\n\n<p>Seine Musik scheint diesen Eindruck noch zu best\u00e4tigen: die Takes bewegen sich meist in einer Grauzone zwischen &#8222;Songs&#8220; im Sinne des Wortes und Instrumentals mit verzerrten Computer-Stimmen oder Gefl\u00fcster, jedenfalls immer nur in Fragmenten. (By the way: singen kann der Mann nicht! Er versucht es auch dankenswerterweise erst gar nicht oder w\u00e4hlt im Ausnahmefall dieselbe Technik, mit der schon Barry White seine Not zur Tugend machte.) Wie auch immer: die vokale Zur\u00fcckhaltung Tenors und die oben erw\u00e4hnte konsequente Konzentration im Sound geben seiner Musik etwas Intimes, Introvertiertes. So, als h\u00e4tte sich jemand mit der Lupe dran gemacht, ganz allt\u00e4gliche Dinge mal mit anderen Augen zu betrachten und neue Welten zu entdecken. Nie f\u00fchlte ich mich so oft an die Doku &#8222;Mikrokosmos&#8220; (sic!) erinnert, wie beim H\u00f6ren dieser CD. Die W\u00fcste lebt!<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Jimi Tenor: Organism\n(Warp\/Rough Trade) <\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jimi Tenor ist der Lucky Luke der Musikbranche: der Mann, der seine Alben in so schneller Abfolge ver\u00f6ffentlicht, da\u00df sein eigener Schatten nicht mitkommt! Dies ist sein viertes in nicht einmal drei Jahren, scheint mir. 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Beneidenswert.<\/p>\n","protected":false},"author":21,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ub_ctt_via":"","footnotes":""},"categories":[12],"tags":[],"class_list":["post-33726","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-musik"],"featured_image_src":null,"author_info":{"display_name":"Katja Preissner","author_link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/author\/kp-2\/"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/33726","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/21"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=33726"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/33726\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=33726"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=33726"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=33726"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}