{"id":33728,"date":"2000-07-14T11:11:00","date_gmt":"2000-07-14T09:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=33728"},"modified":"2022-07-25T19:03:31","modified_gmt":"2022-07-25T17:03:31","slug":"jimi-tenor-out-of-nowhere","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2000\/07\/jimi-tenor-out-of-nowhere\/","title":{"rendered":"Jimi Tenor: Out Of Nowhere"},"content":{"rendered":"\n<p>Wenn es Pop-Jounalisten mit Musik ohne Songstrukturen zu tun kriegen, reden sie schnell von Filmmusik. Das neue Album von Jimi Tenor wird eine Invasion des W\u00f6rtchens &#8222;Filmmusik&#8220; ausl\u00f6sen, denn eine klare Schublade f\u00fcr &#8222;Out of nowhere&#8220; gibt es nicht. Bislang galt der eigenbr\u00f6tlerische Finne als Elektroniker, seine Deb\u00fct gab er noch mit Dancefloor und Clubmusic, das letzte Werk war ein groovender Stilmix, und das neueste Lebenszeichen ist schlicht Freestyle. Elektronik, Black Music, Jazz, Ethno und E-Musik sind die Gebiete, die Tenor hier erforscht und zusammenf\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Leicht macht er es dem H\u00f6rer nicht: &#8222;Out of nowhere&#8220; ist ein k\u00fchnes, aber auch ein unterk\u00fchltes, oft spr\u00f6des und manchmal monumentales Unternehmen. Die Klanglandschaften haben etwas Unwirtliches, Karges, Abweisendes und Verschlossenes. Nur zweimal l\u00e4sst Tenor zu, dass sich aus verschiedenen Linien ein unwiderstehlich groovender, hypnotischer Sog entwickelt. Zwei Takes, in denen sich &#8222;Out of nowhere&#8220; sexy gibt und Tenors ganze Brillianz unter Beweis stellt. Flirrend, spacig und schillernd, mit Dschungel-Flair, Funk und asiatischer Mystik (&#8222;Hypnotic Drugstore&#8220;). Oder mit pathetischen Star Wars-Bl\u00e4sern, Sitar und weichen Fl\u00f6ten, Sci-Fi-Spannung, jazzigen Percussions, Disco-Ankl\u00e4ngen und HipHop-Bass (&#8222;Night in Loimaa&#8220;).<\/p>\n\n\n\n<p>Von der Herrschaft des Beats hat sich Tenor auf &#8222;Out of nowhere&#8220; befreit, er l\u00e4sst sich mehr Zeit als auf dem Vorg\u00e4nger &#8222;Organism&#8220;, und f\u00fcr Improvisationen ist immer viel Raum vorhanden. Allerdings auch f\u00fcr Dissonanzen und \u00e4therisches Flimmern, gl\u00e4serne Windspiele fehlen auf kaum einem Take.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Out of nowhere&#8220; ist in jedem Moment eine origin\u00e4re Tenor-Platte, mit im Studio war diesmal allerdings das Orchester des Lodzer Theaters. Sozusagen als verl\u00e4ngerter Arm Tenors, aber h\u00f6chst \u00f6konomisch eingesetzt. Ob das Resultat Tenors urspr\u00fcnglichen Vorstellungen entspricht, ist fraglich. Wie man h\u00f6rt, gab es Probleme: der &#8222;Groove&#8220;, noch dazu spontan und intuitiv entwickelt, soll nicht die St\u00e4rke des Ensembles gewesen sein, daf\u00fcr meisterte es spielend Tenors atonale Einf\u00e4lle. Der finnische Pro Cantor Chor, ebenfalls mit im Studio, verst\u00e4rkt die zarte, zerbrechliche Seite des Albums, die auch in jedem noch so harschen Ton mitschwingt. Ausnahme: &#8222;Blood on Borsch&#8220;, eine Mischung aus monoton, aber symphonisch geschmetterten Metal-Riffs und Wagners Walk\u00fcren.<\/p>\n\n\n\n<p>Fazit: ein eigenwilliges, sehr anspruchsvolles Werk. Tenor macht sich nicht die M\u00fche, den H\u00f6rer dort abzuholen, wo er es erwartet. Solche Angebote findet man kaum auf &#8222;Out of nowhere&#8220;, kein Album zum Nebenbei-H\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Jimi Tenor: Out Of Nowhere\n(Warp\/Rough Trade)<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn es Pop-Jounalisten mit Musik ohne Songstrukturen zu tun kriegen, reden sie schnell von Filmmusik. Das neue Album von Jimi Tenor wird eine Invasion des W\u00f6rtchens &#8222;Filmmusik&#8220; ausl\u00f6sen, denn eine klare Schublade f\u00fcr &#8222;Out of nowhere&#8220; gibt es nicht. 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