{"id":33736,"date":"2001-06-04T11:11:00","date_gmt":"2001-06-04T09:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=33736"},"modified":"2022-08-04T00:45:30","modified_gmt":"2022-08-03T22:45:30","slug":"33736","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2001\/06\/33736\/","title":{"rendered":"Thomas D.: Lektionen in Demut"},"content":{"rendered":"\n<p>Die Rolle des Predigers steht Thomas D. gut. Endlose Beschw\u00f6rungsformeln murmelnd, reist er auf d\u00fcsteren Sph\u00e4renkl\u00e4ngen durch sein pers\u00f6nliches Universum. Durch eine Welt aus monsterhaften Elektronik-Riffs, TripHop-Flair, pathetischen Parolen, apokalytischen Drohungen und viel Schwermut. &#8222;Lektionen in Demut&#8220; ist kein Album, sondern ein geschlossenes System.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Statt Melodien gibt\u00b4s Hymnen aus so einfachen wie genialen Harmonie-Folgen. Ihre Grundeinheit ist der Akkord. Jede Z\u00e4hlzeit: ein Akzent. Noch das kleinste Detail: bedeutungsschwanger. Keiner Silbe wird auch nur ein Hauch von Beil\u00e4ufigkeit oder Understatement gestattet. Das getragene Tempo komplettiert den sakralen Anschein. &#8222;Lektionen in Demut&#8220; pr\u00e4sentiert sich so bombastisch und monumental wie eine Kathedrale.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Grundprinzip der Songs ist durchg\u00e4ngig: im Prinzip sind alle folgenden Takes eine Variation des ersten. Und: &#8222;Lektionen in Demut&#8220; erinnert in vielem an den Soundtrack zu &#8222;Lola rennt&#8220;. Die Einfachheit der Harmonien, die konsequente Nutzung der Elektronik und aktueller Club-Trends, der unabl\u00e4ssig str\u00f6mende Sprechgesang, die seltsame, magische-irreale und aquarienhaft in sich abgeschottete Atmosph\u00e4re. &#8222;Lektionen in Demut&#8220; entfaltet einen fast rauschhaften Sog, wie man ihn von vielen Science Fiction-Soundtracks kennt. Aber: im Gegensatz zu &#8222;Lola rennt&#8220; ist das Werk des Schwaben kein Techno, sondern bleibt in jeder Sekunde Pop.<\/p>\n\n\n\n<p>Dass &#8222;Lektionen in Demut&#8220; trotz aller Mystik und Schwere leicht genie\u00dfbare Kost geblieben ist, ist vermutlich auch ein Verdienst von Produzent Ralf Goldkind (Ex-Lucilectric, sa\u00df schon beim Fanta-Hit &#8222;MfG&#8220; an den Reglern). Die Sorge, dass HipHop-Fans dem Schwaben nicht auf seinen gr\u00fcblerischen Reflektorfalken-Trips folgen k\u00f6nnten, ist unbegr\u00fcndet. Im schlimmsten Fall werden die strengen Predigten als Masche hingenommen, tanzbar sind sie allemal.<\/p>\n\n\n\n<p>Dabei gibt sich Thomas D. jede M\u00fche, intellektuelle und atmosph\u00e4rische Tiefe in die &#8222;Lektionen&#8220; hineinzulegen: bezeichnenderweise klingt an manchen Stellen ein Digeridoo durch. Das heilige, religi\u00f6sen Riten vorbehaltene Instrument der Aborigines.<\/p>\n\n\n\n<p>Fazit: Thomas D. bleibt bei seinen Leisten. Verfolgt weiter den Kurs der Fantastischen Vier, dem Sprechgesang neue Sounds zu erschlie\u00dfen, ihn in musikalisch ungew\u00f6hnlichen Kombinationen zu pr\u00e4sentieren. Und wie gewohnt, ist das Resultat eing\u00e4ngig und groovy. Als Konzeptalbum mu\u00df man den erhobenen Zeigefinger der &#8222;Lektionen in Demut&#8220; nicht m\u00f6gen, aber als Pop-Album ist es eine rundum gelungene, packende Sache.<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Thomas D.\n\u2026pr\u00e4sentiert Reflektorfalke: Lektionen in Demut\n(Four Music)<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Rolle des Predigers steht Thomas D. gut. Endlose Beschw\u00f6rungsformeln murmelnd, reist er auf d\u00fcsteren Sph\u00e4renkl\u00e4ngen durch sein pers\u00f6nliches Universum. 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