{"id":33752,"date":"1999-04-01T11:11:00","date_gmt":"1999-04-01T09:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=33752"},"modified":"2022-07-25T03:14:58","modified_gmt":"2022-07-25T01:14:58","slug":"doob-doob-orama","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/1999\/04\/doob-doob-orama\/","title":{"rendered":"Doob Doob O\u00b4Rama"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image is-style-default\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><a href=\"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/Doob-Doob-O\u00b4Rama.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/Doob-Doob-O\u00b4Rama.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-33753\" width=\"250\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/Doob-Doob-O\u00b4Rama.jpg 500w, https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/Doob-Doob-O\u00b4Rama-145x131.jpg 145w\" sizes=\"auto, (max-width: 250px) 100vw, 250px\" \/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Das Beste an diesen ganzen Indien-, Asia- und T\u00fcrkenshops sind doch immer noch die Ecken mit den Musik-Kassetten bzw. die schreiend-bunten, kitschigen Bildchen darauf: irgendwelche schmachtenden Sch\u00f6nheiten mit riesigen Plastik-Wimpern und Schmalz-Typen mit bonbonfarbenen Gew\u00e4ndern und mindestens drei Kilo Goldschmuck.<br \/>Auch &#8222;Doob Doob O\u00b4Rama&#8220; erfreut schon auf dem Cover mit hemmungloser Koloristik und l\u00e4\u00dft die Rezensentin zum CD-Player eilen.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Der Hinweis &#8222;Filmsongs from Bollywood&#8220; (klingt wie aus Bombay und Hollywood zusammengesetzt, das cineastische Zentrum Indiens liegt allerdings in Mumbai!) macht sie die letzten Meter fast fliegen, denn das bedeutet nichts anderes als hochmelodische, s\u00fc\u00dflich-schw\u00fclstige Songs mit viel Pathos und &#8211; ich wiederhole mich &#8211; Kitsch und Schmalz pur! Dazu noch ein guter Schu\u00df Exotik und fremdartige Ges\u00e4nge mit melismatischer Stimmakrobatik f\u00fcr die K\u00f6rbchen-Schlangen. Nat\u00fcrlich ist man auch in Indien nicht out of space, und so sind auch die Soundtracks dortzulande schon ziemlich verwestlicht, Pop ist halt ein internationales Ph\u00e4nomen, und neben opulenter Orchesterbegleitung, munteren Bl\u00e4sern und sehns\u00fcchtigen Streichern finden sich auf der Compilation auch Surf-Gitarren, und manche Takes h\u00e4tten sich genauso in amerikanischen Action-Krimi-Serien der 70er finden k\u00f6nnen. Auch Zeichentrickfilme scheint es in Indien zu geben (ihr bekanntester Star hei\u00dft Apu und betreibt in Springfield ein Deli-Store!), wie Take-Fragmente in \u00fcberdrehter Toon-Atmo erahnen lassen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcberhaupt scheint es in indischen Filmen recht rasant zuzugehen, der Musik nach zu urteilen. Die spricht eine ziemlich deutliche Sprache und scheint sich oft 1:1 mit dem Leinwandgeschehen zu decken, ich meine damit nicht nur das ganze Gest\u00f6hne und die eindrucksvollen Lamenti erfolgloser Aufrei\u00dfer, sondern die akustische Dramatik per se, die hier offensichtlich die eigentliche Hauptrolle spielt! Musikalisch schl\u00e4gt sich das in unz\u00e4hligen Breaks nieder, Songs im stop-and-go-Rhythmus, zusammengesetzt aus dem Baukasten: &#8222;So bastel ich mir einen Soundtrack, # 5: Indisch&#8220; oder so\u2026 <\/p>\n\n\n\n<p>Das Label Normal ist \u00fcbrigens dasselbe, das unl\u00e4ngst auch Russ-Meyer- und Betty-Page-Filmmusiken ver\u00f6ffentlichte, auf der Suche nach kruden Soundtracks also in jedem Fall eine gute Adresse! Da\u00df die Normal-Scouts au\u00dfer der Qual der Wahl vermutlich keine gr\u00f6\u00dfere M\u00fche bei der Zusammenstellung der CD hatten, h\u00e4ngt damit zusammen, da\u00df die indische Filmindustrie die gr\u00f6\u00dfte der Welt ist! 1912, im selben Jahr wie in den USA, gab\u00b4s den ersten abendf\u00fcllenden Spielfilm, und da die meisten Schauspieler vom Theater kamen, hatten sie mit der Einf\u00fchrung des Tonfilms 1931 nicht die Probleme, wie ihre amerikanischen Kollegen, die sich ganz auf Stummfilme beschr\u00e4nkt hatten. <\/p>\n\n\n\n<p>Daf\u00fcr gab\u00b4s ein v\u00f6llig anderes Problem, denn in Indien herrscht eine Art babylonischer Sprachverwirrung mit unz\u00e4hligen Dialekten und Idiomen, die durch die Festlegung von Hindi als Haupt-Filmsprache vereinheitlicht werden sollte. Da verwundert es nicht, da\u00df Musik in indischen Filmen einen g\u00e4nzlich anderen Stellenwert hat, als hierzulande oder in \u00dcbersee. Das geht soweit, da\u00df die Songs integraler Bestandteil der Filme selbst sind, auch wenn sie zur Schonung des Publikums von den Schauspielern playback gesungen werden. Indisches Kino &#8211; eine Art Leinwand-Musical? Scheint so. <\/p>\n\n\n\n<p>Fazit: ein grellbuntes, extrem unterhaltsames Album! Einziger Wermutstropfen: leider sind keine Jahreszahlen zu den Songs angegeben, das w\u00e4re sicher noch interessant gewesen, vor allem, da die Takes laut Label-Info &#8222;aus den letzten Jahrzehnten&#8220; stammen. Das h\u00e4tten wir gern etwas genauer gehabt, aber nichtsdestotrotz: tolle &#8222;Platte&#8220;!<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">V.A: Doob Doob O\u00b4Rama<br \/>(Filmsongs from Bollywood)<br \/>Q.D.K. Media<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Beste an diesen ganzen Indien-, Asia- und T\u00fcrkenshops sind doch immer noch die Ecken mit den Musik-Kassetten bzw. die schreiend-bunten, kitschigen Bildchen darauf: irgendwelche schmachtenden Sch\u00f6nheiten mit riesigen Plastik-Wimpern und Schmalz-Typen mit bonbonfarbenen Gew\u00e4ndern und mindestens drei Kilo Goldschmuck.Auch &#8222;Doob Doob O\u00b4Rama&#8220; erfreut schon auf dem Cover mit hemmungloser Koloristik und l\u00e4\u00dft die Rezensentin [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":21,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ub_ctt_via":"","footnotes":""},"categories":[12],"tags":[],"class_list":["post-33752","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-musik"],"featured_image_src":null,"author_info":{"display_name":"Katja Preissner","author_link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/author\/kp-2\/"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/33752","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/21"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=33752"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/33752\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=33752"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=33752"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=33752"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}