{"id":33777,"date":"1999-02-11T11:11:00","date_gmt":"1999-02-11T10:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=33777"},"modified":"2022-07-25T22:11:56","modified_gmt":"2022-07-25T20:11:56","slug":"lucinda-williams-car-wheels-on-a-gravel-road","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/1999\/02\/lucinda-williams-car-wheels-on-a-gravel-road\/","title":{"rendered":"Lucinda Williams: Car wheels on a gravel road"},"content":{"rendered":"\n<p>Tja, was soll man dazu noch sagen &#8211; klasse Songs, tolle Stimme, superber Roots-Rock?!! Vielleicht, da\u00df Lucinda Williams ein Meisterwerk vorgelegt hat, wie es einem nur jedes Schaltjahr mal unterkommt. Es rockt und kickasst, da\u00df es nur so eine Freude ist. Allerdings weniger im brachialen als im klassischen Sinne: eben Roots-Rock mit dezenten Country- und Folk-Ankl\u00e4ngen. <\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Auch wenn Miss Williams es nicht gerne h\u00f6rt und dem plumpen Schlu\u00df von ihrem Wohnort Nashville auf ihren musikalischen Stil mit leicht resignativer Ironie begegnet &#8211; die swingenden Rhythmen und das glasklare Gitarren-Gezupfe atmen sehr wohl Country-Flair. Und sie &#8222;westernt&#8220; doch!!! Aber reiner Country ist es eben auch nicht. Wahrscheinlich bleibt es bei einer derart puristischen Kombination diverser Americana-Elemente einfach nicht aus, da\u00df auch ein Hauch von Country in der Luft liegt\u2026<br \/>Rund 25 Jahre ist Lucinda Williams nun im Gesch\u00e4ft, und gemessen daran ist sie relativ unbeachtet geblieben, obwohl sie 1994 mal einen Kompositions-Grammy bekommen hat. Aber f\u00fcr die Charts sind ihre Arrangements einfach zu bodenst\u00e4ndig und zu &#8222;hand-made&#8220; (im Gegensatz dazu geht Sheryl Crow schon als Hard-Rockerin durch\u2026), anders als bei den Kolleginnen Singer-Songwriter sind ihre Songs straight und tough, nicht spr\u00f6de, elegisch und verk\u00fcnstelt; Dolly Parton und Tammy Wynette sind &#8211; pardon, so sehr ich beide auch auf ihre Weise sch\u00e4tze &#8211; verglichen mit Lucinda Williams einfach Tussis. Ihre eigene &#8222;mangelnde&#8220; Medienpr\u00e4senz resultiert vermutlich daraus, da\u00df sie Besseres zu tun hat, als im Business Klinken zu putzen oder mit einer Reihe illustrer Kollegen ins Bett zu steigen. So rotzig wie Alannis Morisette ist Lucinda Williams schon lange, aber &#8211; da w\u00e4ren wir wieder &#8211; musikalisch eben auch zu klassisch und handmade\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Bleibt noch die &#8222;Gegen\u00fcberstellung&#8220; &#8211; wenn es \u00fcberhaupt Sinn machte, zwei &#8222;Unvergleichlich&#8220; zu vergleichen &#8211; mit Country-Ikone Emmylou Harris. Doch die ist halt noch einen Tick liebreizender als die zupackende S\u00fcdstaatlerin Williams. Und zudem noch etwas umtriebiger: selbst wenn sie seit Ewigkeiten kein eigenes Album mehr ver\u00f6ffentlicht hat, jodelt sie mit sch\u00f6ner Regelm\u00e4\u00dfigkeit bei namhaften Standesgenossen im Background &#8211; unter anderem auch bei Lucinda Williams!!!<\/p>\n\n\n\n<p>Ich komme mit den Jahren immer mehr zu der Ansicht, da\u00df nichts so optimal eine weibliche Stimme in Szene setzt wie sch\u00f6ner Country-Roots &#8211; und Lucinda Williams best\u00e4tigt mich da einmal mehr. Sie klingt ein bi\u00dfchen rauher als Kollegin Harris, aber nicht weniger sch\u00f6n!<\/p>\n\n\n\n<p>Stilistisch geht alles vom Rocker mit m\u00e4chtig Drive bis zur pl\u00e4tschernden Ballade, aber am tollsten sind ihre Rythm\u00b4n\u00b4Blues-Ausfl\u00fcge!!! Die Frau hat\u00b4s voll drauf, und ihre Produzenten (unter anderem Steve Wynn) haben sich verdammt die Z\u00e4hne an ihr ausgebissen, denn Lucinda Williams wei\u00df, was sie will &#8211; auch wenn es die biblische Zeit von sieben Jahren gedauert hat, bis das Album drau\u00dfen war. 1992 fingen die Aufnahmen an, dann ging Williams\u00b4 eigene Plattenfirma pleite, danach das Label von Rick Rubin, aber schlie\u00dflich &#8211; die Sessions waren l\u00e4ngst unter Dach und Fach &#8211; nahm sich Mercury des &#8222;Goldst\u00fccks&#8220; an. Hat sich gelohnt &#8211; und auch ausgezahlt, immerhin k\u00fcrte der amerikanische Rolling Stone das Werk zum &#8222;Album des Jahres&#8220;. Lucinda Williams scherts vermutlich einen Dreck, sie zieht derweil mit ihrer Band durch die Lande und verbreitet solch herrlichen Sound wie auf dem kleinen Silberling.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Umgang mit ihren Musikern pflegt sie vermutlich einen festen Griff und ein gl\u00fcckliches H\u00e4ndchen, denn die Arrangements sind zum Wegschmelzen sch\u00f6n. Meistens glasklar und auf den Punkt genau ausgefeilt, aber manchmal (Stichwort Rhythm\u00b4n\u00b4Blues\u2026) auch richtig dreckig &#8211; klasse halt. Wie das ganze Album!!!<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tja, was soll man dazu noch sagen &#8211; klasse Songs, tolle Stimme, superber Roots-Rock?!! Vielleicht, da\u00df Lucinda Williams ein Meisterwerk vorgelegt hat, wie es einem nur jedes Schaltjahr mal unterkommt. Es rockt und kickasst, da\u00df es nur so eine Freude ist. 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