{"id":33782,"date":"2000-03-24T11:11:00","date_gmt":"2000-03-24T10:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=33782"},"modified":"2022-07-25T22:08:34","modified_gmt":"2022-07-25T20:08:34","slug":"yo-la-tengo-and-then-nothing-turned-itself-inside-out","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2000\/03\/yo-la-tengo-and-then-nothing-turned-itself-inside-out\/","title":{"rendered":"Yo La Tengo: And then nothing turned itself inside-out"},"content":{"rendered":"\n<p>Dies muss es sein, was bei den Peanuts das Drei-Uhr-Nacht-Ph\u00e4nomen war. Alles dunkel, alles still, alle B\u00fcrgersteige hochgeklappt im Nachtjackenviertel. H\u00f6rt man &#8222;And nothing\u2026&#8220; einsam zu sp\u00e4ter Stunde, f\u00fchlt man sich gleich noch viel einsamer als ohnehin schon, aber es macht pl\u00f6tzlich Spa\u00df.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Yo La Tengo sind ein kleines Mythen-B\u00fcndel. Zum einen sind sie Amerikas ultimative Indie-Ikone, zum anderen leben sie die Unm\u00f6glichkeit des gemeinsam musizierenden Paares. Gitarrist Ira Kaplan und Dummerin Georgia Hubley sind n\u00e4mlich verheiratet. Und das nicht etwa in New York, Seattle oder Los Angeles, sondern in Hoboken, New Jersey. Einem Provinznest also. Ein Bassist, James McNew, geh\u00f6rt auch noch dazu, und das alles seit 1986. Und &#8222;And nothing\u2026&#8220; ist je nach Z\u00e4hlweise das zehnte bzw. elfte Yo La Tengo-Opus.<\/p>\n\n\n\n<p>In Hoboken gehen die Uhren zur Zeit ziemlich langsam. &#8222;And nothing\u2026&#8220; ist ein Downbeat-Album. Ein in sich gekehrtes, atmosph\u00e4risches, manche sagen sogar: meditatives, noch dazu. Yo La Tengo bringen die Stille zum Bl\u00fchen. Zugegeben, man mu\u00df sich ein wenig einh\u00f6ren, vielleicht auch \u00f6fter. Erst wenn man die Alternative-Schrammel-Folk-Erwartungshaltung abgeworfen hat, kann sich der Charme dieses Kleinods angemessen entfalten. Spr\u00f6de klingt es, rauh und nach sch\u00f6ner, kalter Schulter. Trotz seines roten Zeitlupenfades klingt jeder Song anders. Und kaum hat man sich mit den sperrigen, verfransten Hooks abgefunden, kommt ein Ohrwurm, der einem vor Sentimentalit\u00e4t das Wasser in die Augen treibt. Eine immense Bandbreite, sagen die einen. Indifferent, die anderen.<\/p>\n\n\n\n<p>Sei\u00b4s drum. Einiges ist den meisten Takes gemein. Das Abgehangene, Eiernde, Verhuschte, leicht verloren Wirkende. Das Intime, Fragile, Gelassene. Und das Frische, die Surf-Gitarren, der Noise, der wummernde Bass, das Synthie-Gepluckere. Orgeln, monotone Beats, aus den 50ern \u00fcbriggebliebene Swing-Rhythmen, schrummelige Riffs und formlos wabernde Song-Massen. Ambient? Lounge? Elektronik? Post Rock? Folk? Ja. Und Nein. Yo La Tengo sind eine Pop-Band! Und ich hab, nach nunmehr etwa sechsmaligem Durchh\u00f6ren, mittlerweile drei Lieblingslieder, Tendenz: steigend. Namely: Der Slomo-Schluchzer &#8222;Tears are in your Eyes&#8220;, das Tex-Mex-Instrumental &#8222;Tired Hippo&#8220; und das 16-Minuten-Monster &#8222;Night falls on Hoboken&#8220;. Leises Geschrammel, zarte Harmonie-Vocals, ein unbeirrbarer Bass und experimentelles Geschrille, Gekrache, Gezerre und Geklapper. Mehr Installation als Song. Und s\u00fcchtig machend\u2026<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Yo La Tengo: And then nothing turned itself inside-out\n(Matador OLE 371-2V\/Zomba)<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dies muss es sein, was bei den Peanuts das Drei-Uhr-Nacht-Ph\u00e4nomen war. Alles dunkel, alles still, alle B\u00fcrgersteige hochgeklappt im Nachtjackenviertel. 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