{"id":33819,"date":"2002-02-14T11:11:00","date_gmt":"2002-02-14T10:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=33819"},"modified":"2022-07-25T22:53:25","modified_gmt":"2022-07-25T20:53:25","slug":"va-popfakes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2002\/02\/va-popfakes\/","title":{"rendered":"VA: Popfakes"},"content":{"rendered":"\n<p>Wenn man irgendwann mal beweisen will, dass Elektro-Avantgarde-Pop das Gehirn frei macht, setzt man am besten die Cover der entsprechenden CDs in den Zeugenstand. Die erfrischendsten, zeitlosesten Designs haben genau diese CDs! Und das wird schon seinen Grund haben.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Auch im Fall der &#8222;Popfakes&#8220; entsprechen sich Outfit und Input. Sechs Interpreten und Bands mit zwischen einem und drei Takes, \u00fcber 70 Minuten mit leichtgewichtigen Elektronik-Kl\u00e4ngen, deren einziger gemeinsamer Nenner der &#8222;Pop&#8220; ist. Die Spannbreite ist immens, &#8222;Popfakes&#8220; ist ein kleines Universum und die stilistische Mischung schwindelerregend.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Working Class Heros starten mit tuckerndem Puls und minimalistischen Loops. Alles ist Flow, und wie Glitter funkelt zartes Gefrickel auf. Sechs Minuten sp\u00e4ter sind die Loops verschwunden, Beat, Kratzen und gepitchte Stimmen als einzige noch \u00fcbrig. Bis alles wieder verglimmt, zart funkelnd. Und egal, wie hart die Ger\u00e4usche: &#8222;When the working day is done&#8220; strahlt eine magische W\u00e4rme aus.<\/p>\n\n\n\n<p>Gel\u00e9e Royale zelebrieren dagegen &#8222;richtige&#8220; Songs mit deutschen Texte: kein Synthie-Pop, sondern Elektro-Schlager mit Stratocaster (jedenfalls klingt\u00b4s so). Pathetisch, spacig und und schr\u00e4g, mit vulkanartig ausbrechenden Ohrwurm-Hooks in NDW-Manier. Wer die Welttraumforscher mag, mag auch Gel\u00e9e Royale. Und ihre sperrigen Walls of Sound, irgendwo zwischen Industrial-Surf und Labor-Pop.<\/p>\n\n\n\n<p>Verspielt dagegen: Egotrip. Riffs und Kadenzen auf dem Podest, wo sonst Melodien und traditionelle Song-Schemata ihren Platz haben. Keine Dramaturgie? Doch: die Aneinanderreihung von Wohlkl\u00e4ngen und \u00dcberraschungen. Unberechenbar der Moment der Eruption, wenn der L\u00e4rm aus dem Gemurmel und Gefrickel bricht.<\/p>\n\n\n\n<p>Latin-Flavour kommt bei Lampe auf. Samba-Beats, Jungle-Flair und pentatonische Arabesquen. Bl\u00e4ser-St\u00f6\u00dfe bringen den Jazz ins Spiel. Dann wieder Eintauchen in die Fabrik und warten. Bis sich die Halle in einen Club verwandelt, mit einer Collage aus Trip Hop, Ethno-Vocals und Kathedralen-Industrial.<\/p>\n\n\n\n<p>Reine Mathematik wiederum bei Jomasounds. Bin\u00e4re Patterns aus Beat und Klang, jeder auf seiner immergleichen Tonh\u00f6he. Bis wei\u00dfes Rauschen beide frisst. Zierliches Gefrickel und anschwellende Klangwellen auch im zweiten Song. Bipolar, wie der erste.<\/p>\n\n\n\n<p>Und als Schlu\u00dflicht: 4 Experimentelle, die nur 2 sind. Ihre Musik: ein Bastard aus Elektronik und klassischem Rock-Line up mit deutschen Texten. Die Akzente so monoton auf der Eins und der Drei, dass es fast zum Reggae reicht. Und dann eine Klanginstallation \u00fcber sekund\u00e4re weibliche Geschlechtsmerkmale, irgendwo zwischen Kerkelings &#8222;Hurz&#8220; und dem Musikschul-Workshop &#8222;Aufl\u00f6sung der traditionellen Formen&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p>Was bleibt nach dem Trip durch die &#8222;Popfakes&#8220;? Eine Gemeinsamkeit der pr\u00e4sentierten Bands: alle spielen mit Kl\u00e4ngen und Erwartungen. Wahrnehmung ist ihnen Herausforderung, ob sie Songstrukturen gegen den Strich b\u00fcrsten, die Ausdauer des H\u00f6rers auf die Probe stellen oder mit Ger\u00e4uschen experimentieren. Pop ist es, weil mit Augenzwinkern provoziert wird: Genie\u00dfen erlaubt.<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Sampler: Popfakes\n(W\u00fcstenkatz 002)<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn man irgendwann mal beweisen will, dass Elektro-Avantgarde-Pop das Gehirn frei macht, setzt man am besten die Cover der entsprechenden CDs in den Zeugenstand. Die erfrischendsten, zeitlosesten Designs haben genau diese CDs! 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