{"id":33823,"date":"2001-06-02T11:11:00","date_gmt":"2001-06-02T09:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=33823"},"modified":"2022-07-25T22:42:17","modified_gmt":"2022-07-25T20:42:17","slug":"popshopping-vol-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2001\/06\/popshopping-vol-1\/","title":{"rendered":"Popshopping Vol.1"},"content":{"rendered":"\n<p>Na, k\u00f6nnen Sie damit noch \u00b4was anfangen: Strahlerk\u00fcsse, Minikillers, Moulinex, Fa, Ford Taunus und Opel Rekord? Lange her, schon klar. Zwischen 1960 und 1975, als &#8222;Easy Listening&#8220; noch keine Retro-Mode, sondern hochangesagt war. Auf den Plattentellern und in der Werbung. Die Kreuzung aus beidem hie\u00df &#8222;Schallfolie&#8220;. Eine biegsame, bunte Folie mit Abspielrillen. Ein give-away eben. Und das, was drauf war, war Kunst. Gutbezahlte, strikt funktionale Auftragskunst. Klang gewordene Brotjobs, die neben den strengen Vorgaben der Marketing-Etagen trotzdem noch Platz lie\u00dfen f\u00fcr die Genialit\u00e4t ihrer Sch\u00f6pfer. Zwischen 1960 und 1975: als die Werbekomponisten noch Klaus Doldinger, Christian Bruhn, Gert Wilden, Klaus W\u00fcsthoff, Johnny Teupen und Luigi Pelliccioni hie\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Vermutlich h\u00e4tten Sie sich damals nicht tr\u00e4umen lassen, dass Freaks die Gratis-Folien tats\u00e4chlich sammelten &#8211; und einst bei EFA auf CD b\u00fcndeln sollten. Gesagt, getan: Ergebnis liegt vor. Und macht Staunen in mehrfacher Hinsicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Zum einen \u00fcber erw\u00e4hnte Genialit\u00e4t der Macher. Trotz des Zwangs zu schlanken Melodien schlagen ihre Ideen Kapriolen, auch auf engstem Raum. Federleicht schrauben sich die meist euphorischen Harmonien empor, peitscht manischer Beat-Rhythmus die k\u00fcnstlichen Partys voran. Ziemlich krank, eigentlich.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann: der Zeitgeist. Grellbunt, sexy und flower-powig, wie vertonte Prilblumen die einen. Jazzig mit Bl\u00e4ser-Improvisationen, andere. Diabolisch polternde Soundtracks mit Big-Band \u00e0 la Peter Thomas, wieder andere. Oder: mit schmatzendem Philly-Sound, schw\u00fcl und soulig. Gegen Mitte der Siebziger, dem Ende der Zeitreise\u2026 Auch gern genommen: harte Breaks f\u00fcr gesprochene Parolen. Oder ein Calypso, Ende der F\u00fcnfziger Jahre. Das Wirtschaftswunder l\u00e4sst gr\u00fc\u00dfen. Luigi Pelliccioni \u00fcbrigens l\u00e4sst seine &#8222;Variationen K\u00b471&#8220; um vier T\u00f6ne kreisen: b, a, es und f. BASF. Und W. Breinigs &#8222;Space-Freizeit \u00b469&#8220; ist ein Weltraum-Ausflug, komplett in Hammond. Um nur zwei Schmankerl herauszugreifen\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Und zuletzt: die seltsame Liaison aus obsz\u00f6ner Kauf-Animation und unschuldigem Song-Reigen. Unter moralischen Gesichtspunkten ist &#8222;Pop-Shopping&#8220; ein Rotlichtbezirk. Marktwirtschaftlich pervertierte Tonkunst. Aber eben &#8211; spannenderweise &#8211; auch kein reiner Schlager, kein reiner Easy Listening, kein Beat und kein Jazz. Nein, die Takes auf &#8222;Pop-Shopping&#8220; inszenieren ihre eigene Scheinwelt, jenseits der Hitparaden, Konzerthallen und Tanzfl\u00e4chen.<\/p>\n\n\n\n<p>Und das Format der Schallfolie hat dabei seinen besonderen Reiz: aus der Miniatur, dem Werbejingle, heraus entwickelt &#8211; und trotzdem so lang wie ein gew\u00f6hnlicher Song. Auf der Folie, der aufdringlichen Fernsehspots entledigt, durften die klingenden Werbetr\u00e4ger endlich das sein, was sie eigentlich waren: Musik.<\/p>\n\n\n\n<p>P.S.: im Booklet gibt\u00b4s die ausf\u00fchrliche Entstehungsgeschichte des Albums, die Tatsachenberichte zweier Sammel-S\u00fcchtiger und ein Vorwort von G\u00f6tz Alsmann.<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Sampler\nPopshopping Vol.1\n(Crippled Dick Hot Wax\/EfA CDHW 069)<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Na, k\u00f6nnen Sie damit noch \u00b4was anfangen: Strahlerk\u00fcsse, Minikillers, Moulinex, Fa, Ford Taunus und Opel Rekord? Lange her, schon klar. Zwischen 1960 und 1975, als &#8222;Easy Listening&#8220; noch keine Retro-Mode, sondern hochangesagt war. Auf den Plattentellern und in der Werbung. Die Kreuzung aus beidem hie\u00df &#8222;Schallfolie&#8220;. Eine biegsame, bunte Folie mit Abspielrillen. Ein give-away eben. 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