{"id":3391,"date":"1997-09-18T01:44:42","date_gmt":"1997-09-17T23:44:42","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/archiv\/?p=3391"},"modified":"2022-06-06T01:10:50","modified_gmt":"2022-06-05T23:10:50","slug":"tim-isfort-orchester","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/1997\/09\/tim-isfort-orchester\/","title":{"rendered":"Tim Isfort Orchester"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-image is-style-default\"><figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/tim-isfort-orchester.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-12567\" width=\"250\" height=\"250\" srcset=\"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/tim-isfort-orchester-60x60.jpg 60w, https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/tim-isfort-orchester-120x120.jpg 120w\" sizes=\"auto, (max-width: 250px) 100vw, 250px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Geschichten wie sie nur das Leben schreiben kann: Alles wird gut. Auch f\u00fcr einen Musiker und Toningenieur Ende zwanzig, der sich als Allzweck-Bassist und Werbekomponist durchs Leben schl\u00e4gt und sich sein eigenes kleines Studio aufbaut. Einer, der mit 80er-Jahre-Pop aufgewachsen ist, Jazz und Filmmusik mag und der davon tr\u00e4umt, Musik f\u00fcr ein Unterhaltungsorchester alter Pr\u00e4gung zu schreiben. Mit den dazugeh\u00f6rigen Arrangements und dem ad\u00e4quaten Sound: warm, weich und analog. Einer, der genug Ausdauer aufbringt, um gegen alle Trends und Sachzw\u00e4nge seine Ideen umzusetzen.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Der oben beschriebene Tont\u00fcftler hei\u00dft Tim Isfort und er hat sich einen Traum verwirklicht. Ein gro\u00dfes Orchester mit Streichern, Bl\u00e4sern, Harfe, Bandoneon und Chor spielt seine Kompositionen, und das Resultat klingt, wie er es gerne h\u00e4tte: Wider die digitale Inquisition.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit der gleichnamigen CD hat das Tim Isfort Orchester ein Album eingespielt, das ebenso sch\u00f6n ist wie die Geschichte seiner Entstehung. Und als ob dies allein nicht schon wundersam genug w\u00e4re, schafft er es auch, illustre Gasts\u00e4nger und Texter f\u00fcr sein Projekt zu begeistern.<\/p>\n\n\n\n<p>Au\u00dfergew\u00f6hnliche Platten verlangen au\u00dfergew\u00f6hnliche Ma\u00dfnahmen. Deshalb folgt &#8211; wie beim Fu\u00dfball in der Zeitung &#8211; die Einzelkritik:<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Als sie 20 waren<\/h3>\n\n\n\n<p><i>Musik: Tim Isfort, Text: Tom Liwa, gesungen von: Tom Liwa<\/i><\/p>\n\n\n\n<p>Tom Liwa, Singer\/Songwriter, Kopf der Flowerpornoes, kommt aus Duisburg, genau wie Tim Isfort. Man kennt sich, man mag sich, man tauscht sich aus. Und als Liwa die ersten T\u00f6ne von Isforts Aufnahmen h\u00f6rt, ist er Feuer und Flamme und will unbedingt singen und Texte schreiben. Er schafft es, den Komponisten von deutschen Texten zu \u00fcberzeugen (die der eigentlich nicht mag) und die Dinge nehmen ihren Lauf. &#8222;Als sie 20 waren&#8220; ist das swingendste, das groovigste St\u00fcck der CD und zeigt, wie phantastisch Tom Liwa die nachtr\u00e4glich formulierten Worte in die Musik einzuf\u00fcgen wei\u00df. Ein Jazz-Orchester und ein deutscher S\u00e4nger &#8211; daf\u00fcr den Manfred-Krug-Ged\u00e4chtnispreis.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Nachteulen<\/h3>\n\n\n\n<p><i>Musik: Tim Isfort, Text: Tom Liwa, gesungen und gesprochen von: Christian Br\u00fcckner<\/i><\/p>\n\n\n\n<p>Christian Br\u00fcckner ist bekannt, zumindest teilweise: Seine Stimme ist fast jedem vertraut, sein Gesicht kennt kaum jemand. Er ist die deutsche Synchronstimme Robert de Niros und einer der meistbesch\u00e4ftigten Sprecher von Reportagen und Dokumentationen im Fernsehen. \u00dcber seinen Gesang in diesem St\u00fcck kann man geteilter Meinung sein (soll hei\u00dfen: Mitty ist Kienzle, ich bin Hauser), die Atmosph\u00e4re, die aus der Kombination seiner Stimme und der luxuri\u00f6sen Orchesterkl\u00e4nge entsteht, ist einmalig. (Kleine Anmerkung am Rande: Der Einflu\u00df der Stimme Br\u00fcckners ist bei einigen Kritikern offenbar so dominant, da\u00df bei ihnen prompt das Thema &#8222;Taxidriver&#8220; in den Sinn kommt. Obacht, Leute: Dies ist ein Liebeslied!)<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die ganze Zeit<\/h3>\n\n\n\n<p><i>Musik: Tim Isfort, Text: Blixa Bargeld, gesungen von: Katharina Thalbach und Blixa Bargeld<\/i><\/p>\n\n\n\n<p>Auch der Altmeister der deutschen Avantgarde ist mit von der Partie. Wer den Werdegang der Einst\u00fcrzenden Neubauten und personell verwandter Projekte verfolgt hat, den d\u00fcrfte das Mitwirken ihres S\u00e4ngers nicht verwundern. Nie war Bargeld lieblicher als auf dieser Aufnahme. Wie beim Neubauten-St\u00fcck &#8222;Stella Maris&#8220; hat er f\u00fcr ein Duett geschrieben; hier singt er mit der Berliner Schauspieler-Ikone Katharina Thalbach. Das kann man auch Chanson nennen, wenn man ihm \u00fcbel will.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Houston Sauerland<\/h3>\n\n\n\n<p><i>Musik: Tim Isfort, Text: Tom Liwa, gesungen von: Tom Liwa<\/i><\/p>\n\n\n\n<p>Tom Liwas Major-Tom-Version. Ein wehm\u00fctiges Liebeslied eines in einer Weltraumkapsel im All Schwebenden. Das l\u00e4ngstes St\u00fcck des Albums, das sich im Laufe der acht Minuten vom Hollywood-Schmachtfetzen-Soundtrack zum lockeren Swing-Jazz wandelt.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Absolute Activity<\/h3>\n\n\n\n<p><i>Musik: Tim Isfort, Text: Christian Junk, gesungen von: Sam Brown und Christian Junk<\/i><\/p>\n\n\n\n<p>Einer von zwei Tracks, die von Beginn an mit Gesang geplant waren. Beide fallen durch ihren englischen Text aus dem Rahmen, den Christian Junk geschrieben und zusammen mit Sam Brown (genau, &#8222;Stop&#8220; aus den finsteren Achtzigern) auch interpretiert hat. Post-Sade-Jazz-Funk-Soul-Mucke, die keinem wehtut und ganz angenehm ist.(Das zweitwenigst interessanteste St\u00fcck auf der Scheibe).<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Der erste Tag des Sommers<\/h3>\n\n\n\n<p><i>Musik: Tim Isfort, Text: Tom Liwa, gesungen von: Eva Kurowski<\/i><\/p>\n\n\n\n<p>Ein gro\u00dfer, wunderbarer Song. Einer, der in einem Melodram von Douglas Sirk Leitmelodie sein k\u00f6nnte, vorgetragen mit (und jetzt zitiere ich einen Kollegen:) l\u00e4chelnder Schwermut (Kompliment f\u00fcr diese Formulierung). Laut Info-Zettel ist Eva Kurowski eine Jazz-S\u00e4ngerin. Vielleicht k\u00f6nnten wir sie auch den weiblichen Manfred Krug nennen. Ich jedenfalls habe noch nie von ihr geh\u00f6rt und bin froh, da\u00df ich nicht wei\u00df, wie sie aussieht. So kann ich einfach der Musik und dem Klang ihrer Stimme lauschen und weitertr\u00e4umen. Zum Verlieben.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Es fehlt etwas<\/h3>\n\n\n\n<p><i>Musik: Tim Isfort und Christian Junk, Text: Blixa Bargeld, gesungen von: Blixa Bargeld<\/i><\/p>\n\n\n\n<p>Ein typischer Bargeld-Text (Zitat: &#8222;Sektengel\u00e4nde, utopischer Ort: jeder hat sein eigenes Haus, Shakespeare ist dort&#8220;) mit f\u00fcr ihn untypischer Musik. &#8222;Es fehlt etwas&#8220; ist ein l\u00e4ssiger, atmosph\u00e4rischer Jazz-Song, der Blixa Bargelds Stimme Raum zum Erklingen gibt und uns so einen v\u00f6llig neuen Eindruck des Mannes mit Hut vermitteln kann.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Hearts that cry<\/h3>\n\n\n\n<p><i>Musik: Tim Isfort, Text: Christian Junk, gesungen von: Sam Brown und Christian Junk<\/i><\/p>\n\n\n\n<p>Der zweite Song , der etwas aus der Reihe tanzt &#8230; siehe &#8222;Absolute Activity&#8220;. Das uninteressanteste St\u00fcck des Albums. 80er-Jahre-Popelemente in einem St\u00fcck, das uns allen ziemlich bekannt resp. geklaut vorkam. Auf dieser Platte eher st\u00f6rend.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Drei Teile Gold<\/h3>\n\n\n\n<p><i>Musik: Tim Isfort, Text: Antek Kr\u00f6nung, gesprochen von: Christian Br\u00fcckner<\/i><\/p>\n\n\n\n<p>Und wieder eine Folge aus &#8222;Frontal&#8220;. Kienzle (Mitty) sagt: Grausamer Text! (vor allem wegen Safran-\u00dcberdosis). Hauser (Ich) sagt: Sch\u00f6n. Ein lyrisches Liebeslied, das dank Christian Br\u00fcckner weder peinlich noch kunstbeflissen wirkt. Allerdings sollte man schon etwas f\u00fcr poetische Worte \u00fcbrig haben, sonst ist man auf diesem Album ohnehin verloren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">* * *<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Geschichten wie sie nur das Leben schreiben kann: Alles wird gut. 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