{"id":34094,"date":"2003-01-18T11:11:00","date_gmt":"2003-01-18T10:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=34094"},"modified":"2022-07-26T03:55:02","modified_gmt":"2022-07-26T01:55:02","slug":"robbie-williams-escapology","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2003\/01\/robbie-williams-escapology\/","title":{"rendered":"Robbie Williams: Escapology"},"content":{"rendered":"\n<p>Hoffentlich wird es nicht zur Gewohnheit, dass ich Nummer-Eins-Alben aus Neugier anh\u00f6re. Gr\u00f6nemeyer w\u00fcrde noch gehen, Springsteen auch, die Gerd-Show oder Wolfgang Petry w\u00fcrde mein Mitbewohner aber nicht ohne Kampf ins Haus lassen. Die Wahrheit ist, dass ich mich nie um aktuelle Hit-Platten gek\u00fcmmert habe (mit einer Ausnahme: 1987, als ich sehr froh war, dass George Harrison die Charts noch mal eroberte &#8211; das waren noch Zeiten!).<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Dieses Mal war ich aber irgendwie neugierig und dazu (vielleicht war es sogar die Ursache meiner Neugier) hatte ich die Grippe. Als ich im Bett lag, habe ich mir Robbies Neueste mehrmals angeh\u00f6rt. Meine Meinung dazu h\u00e4ttet Ihr hier schon viel fr\u00fcher haben sollen; ich wollte aber sicher stellen, dass sie nicht nur eine Folge der Krankheit bzw. Nebenwirkung der Medikamente war. Sie ist es nicht. Also, jetzt da ganz Deutschland das Album schon gekauft hat, kann ich es auch sagen: es ist erstklassig! Nicht nur erstklassig im Sinne von \u201eich schnipse mit meinen Fingern und wippe mit meinem Fu\u00df&#8220;, sondern erstklassig im Sinne von ich habe wieder meinen Glauben an die Pop-Musik als pers\u00f6nlich heilende Kraft, auch wenn sie von den Massen gekauft wird, erstmals seit 1987 wieder gewonnen!<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcber die Lieder selbst verschwende ich hier nicht viele Worte; ihr werdet eh die meisten als Videos in den kommenden Monaten sehen. Nur so viel: es war vielleicht doch ein kleiner Fehler von Robbie, fast alle schnelleren Nummern ans Ende des Albums zu stellen. Der Kritiker des Musikexpress gab nur zwei Sterne und sagte: \u201eWie w\u00e4re es vielleicht mit einem Midtempo-Song?&#8220; Was die Vermutung nah legt, dass er die Platte nicht zu ende geh\u00f6rt hat, da \u201eHot Fudge&#8220;, \u201eSong 3&#8243; (hier \u00fcbertrumpft er Blur, wenn&#8217;s umd Nirvana-Klonen geht) und \u201eCursed&#8220; alle so gut rocken wie beispielsweise die alten Streitkumpel Oasis.<\/p>\n\n\n\n<p>Und auch wenn es nicht so w\u00e4re, sind die Balladen auf \u201eEscapology&#8220; erste Wahl, allein wegen der Texte. Robbie hat nat\u00fcrlich nur eins zu sagen: Ich bin der Gr\u00f6\u00dfte. Das macht er aber augenzwinkernd, mit Humor und Intelligenz, die sonst in den Top 10 nur bei Eminem zu finden sind &#8211; und (wenn man genau hinh\u00f6rt) mit einer Sensibilit\u00e4t, die sonst nur von Gr\u00f6nemeyer zu h\u00f6ren ist. Nur einige Ausschnitte:<\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;To all you Sharons and Michelles, with all your stories to sell\u2026\u2026 I&#8217;m glad that spending a night with me can guarantee you celebrity&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;You can&#8217;t argue with popularity\u2026 well you could, but you&#8217;d be wrong&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;If you&#8217;re not stiking your knives in me, you will be eventually&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;If I ever hurt you, your revenge will be so sweet&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;It&#8217;s not very complicated, I&#8217;m just young and overrated&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Es ist als ob Robbie wei\u00df, dass er die 80 Million Pfund von EMI nicht wert ist, er nimmt das Geld aber trotzdem, wie der doppeldeutige Albumtitel (ein weiteres Zeichen von Intelligenz) schon vermuten lie\u00df. Liegt die Betonung auf \u201eEscape&#8220;, also Robbies Flucht vor seiner Ber\u00fchmtheit? Oder liegt die Betonung auf \u201eApology&#8220;, also seiner Entschuldigung daf\u00fcr, dass er so reich ist? So oder so, hat Robbie mehr zu diesen Themen zu sagen als Roger \u201eThe Wall&#8220; Waters &#8211; der Meistertext &#8222;Me and My Monkey&#8220;, eine Geschichte von seinem entfesselten wahren Ich in Las Vegas, ist eines Bob Dylan w\u00fcrdig, kein Scherz.<\/p>\n\n\n\n<p>Dazu singt er seine Texte ganz clever &#8211; mit ein Bisschen von der Zur\u00fcckhaltung, die er von (den selbstverst\u00e4ndlich immer noch weitaus besseren) Frank und Dino gelernt hat. Er l\u00e4sst einen die Worte verstehen und f\u00fcgt keine zus\u00e4tzlichen Silben an. Nach der ganzen \u00fcbertriebenen Gesangsqu\u00e4lerei von Mariah Carey, Destiny&#8217;s Child, Enrique Iglesias, Xavier Naidoo (und die Liste h\u00f6rt nie auf) ist das allein doch die 80 Millionen Pfund wert.<\/p>\n\n\n\n<p>Mein Instinkt sagt mir, dass Robbie zu anspruchsvoll ist, den Durchbruch in den U.S.A. zu schaffen, wo anscheinend der, der einfach am lautesten die meisten beleidigen kann die meisten Platten verkauft. Es w\u00fcrde mir aber freuen, wenn mir das Publikum dort unrecht gibt, seinen guten Geschmack zeigt und Robbie zum K\u00f6nig macht. Von mir aus k\u00f6nnte er sogar Bill Gates&#8216; Geld haben.<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Robbie Williams: Escapology<br \/>(Chrysalis)<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hoffentlich wird es nicht zur Gewohnheit, dass ich Nummer-Eins-Alben aus Neugier anh\u00f6re. 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