{"id":34316,"date":"2000-04-22T11:12:00","date_gmt":"2000-04-22T09:12:00","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=34316"},"modified":"2022-07-27T04:56:41","modified_gmt":"2022-07-27T02:56:41","slug":"calexico-ballad-of-cable-hogue","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2000\/04\/calexico-ballad-of-cable-hogue\/","title":{"rendered":"Calexico: Ballad of Cable Hogue"},"content":{"rendered":"\n<p>Wenn eine Tex-Mex-Scheibe G\u00e4nsehaut verursacht, dann wei\u00df man, was die Stunde geschlagen hat: es gibt Neues von Calexico! Der Sommer kann kommen, der rote Teppich ist schon ausgerollt.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Ballad of Cable Hogue&#8220; (eine Reminiszenz an den Western-Regisseur Sam Peckinpah und nicht zu verwechseln mit John Cales gleichnamiger Reminiszenz an den Western-Regisseur Sam Peckinpah) rollt mit unerbittlicher, grimmiger Wucht an. Mit seiner d\u00fcsteren Atmo und der Franz\u00f6sin Marianne Dissard als Duett-Partnerin erinnert der Song ein wenig an Nick Caves Zusammentreffen mit Kylie Minogue.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Schrammelige Akustikgitarre und schneidende Slide-Guitar-Riffs mit viel Hall, dazu Akkordeon und schmetternde Mariachi-Trompete (Martin Wenk war auch schon mit Fink auf Tour, by the way) &#8211; die Single-Auskopplung des kommenden Longplays ist f\u00fcr Calexico ungew\u00f6hnlich gitarrenlastig. Man kennt sie verschrobener, auch spartanischer und mit liebevoll ausgefeilten Percussions. Immerhin sind Joey Burns und John Convertino nebenbei die Rhythmus-Fraktion der amerikanischen Alternative-Folkies Giant Sand.<\/p>\n\n\n\n<p>Jetzt also erstmal deftiger, griffiger Gringo-Sound. Mit der geplegten Melancholie aller Calexico-Songs. Die verstr\u00f6mt auch &#8222;The Crystal Frontier&#8220; (nur auf Single zu haben), ein locker flie\u00dfender Latino. Und hier finden sich auch wieder viele schr\u00e4ge Details. Klingt dieses Fingerpicking nicht gleichzeitig wie eine Steel Drum? Ist das Ger\u00e4usch am Anfang ein Windspiel aus Glas? Oder eine Harfe? Woher kommt das unheimliche Schnarren? Im Hintergrund, das sind Congas, ganz klar. Und eine Orgel. Die Gitarren ergehen sich mal in schmatzendem Wah-Wah, in krachenden Verzerrern und in geschmeidigen Glissandi\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Hard Hat&#8220;, der letzte Take, wird auf dem Album ebenfalls fehlen. Ein 7-Minuten-Klangexperiment, das beim Saarl\u00e4ndischen Rundfunk vermutlich als &#8222;H\u00f6rkunst&#8220; gesendet w\u00fcrde. Avantgarde also. Zarte Vibraphon-Kl\u00e4nge, leise pfeifendes Gefrickel, dumpfes Rauschen, gespenstisches Klangschalen-Geschwirre, auf- und abebbende Percussions. Eine vertonte Geisterstadt.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist schon lustig: die sch\u00f6nsten Latino-Kl\u00e4nge sind nach einem kalifornischen Kaff benannt und kommen ausgerechnet aus Amerikas wei\u00dfer Independent-Folk-Szene. Von Teilen einer Band, deren Songs bei weitem nicht so eing\u00e4ngig sind wie diese schlafwandlerisch fl\u00fcssigen Ohrw\u00fcrmer. Sch\u00f6nes Altervativprogramm zu Jennifer Lopez, diesem weiblichen Hanswurst, und zum sympathischen Santana, dessen mexikanische Wurzeln leider allzu esoterisch verw\u00e4ssert sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Calexico haben keine kulturelle Mission, sondern Lust am Spiel. Vermutlich sind alte Schwarzwei\u00df-Western ihnen mehr Inspiration als es mexikanische Folklore ist. Glutvolle Romantik, Macho-Pathos und Fiesta-Schl\u00e4frigkeit &#8211; Calexico hauchen alten Klischees frisches Leben ein. Mit rauhen Country-Kl\u00e4ngen, der Schrammel-Attit\u00fcde westlicher Rockmusik, ihrer Virtuosit\u00e4t und einer geballten Portion Einfallsreichtum: Calexico-Songs sind opulent ausgestaltete Gesamtkunstwerke!<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Calexico: Ballad of Cable Hogue (MCD)\n(Virgin 896699 2\/EFA 08738-7)<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn eine Tex-Mex-Scheibe G\u00e4nsehaut verursacht, dann wei\u00df man, was die Stunde geschlagen hat: es gibt Neues von Calexico! 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