{"id":34616,"date":"2001-02-20T11:11:00","date_gmt":"2001-02-20T10:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=34616"},"modified":"2022-07-28T01:19:55","modified_gmt":"2022-07-27T23:19:55","slug":"tortoise-standards","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2001\/02\/tortoise-standards\/","title":{"rendered":"Tortoise: Standards"},"content":{"rendered":"\n<p>Ja, ist noch alles da, was Tortoise vor zwei Jahren mit &#8222;TNT&#8220; zu einer Konsensband im Musik-f\u00fcr-Musiker-Lager gemacht hat. Man kann sich immer noch an John McEntires unverwechselbaren Schlagzeug, Marimba- und Vibraphonespiel erfreuen und der Bass tr\u00e4gt das Miniorchester mit seinem warmen Wummern wie gewohnt \u00fcber so manche Improvisationsklippe. Dennoch ist &#8222;Standards&#8220; das Gegenteil von einer Platte, die man gem\u00e4\u00df dem Titel im Jazzkontext als die Interpretation von Klassikermaterial verstehen w\u00fcrde. Man bekommt weder &#8222;Raising The Roof&#8220; oder &#8222;Weeping Willow&#8220;, noch die Reinterpretation von Tortoise eigenem Material zu h\u00f6ren, sondern eine etwas andere, abstraktere Version der alten Tortoise.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Klar besinnt man sich auf die durchkomponierten Tugenden, wie zum Beispiel bei &#8222;Six Pack&#8220; (Nein, nicht das von Black Flag), das in seiner Stimmung wie ein Ausschnitt aus &#8222;Djet&#8220; von &#8222;Millions Will Never Die&#8220; klingt. Ansonsten dauert der Aufbau des restlichen Materials manchmal bis in die H\u00e4lfte der St\u00fccke, bis sich die unverwechselbaren Momente entfalten d\u00fcrfen, wie zum Beispiel bei &#8222;Benway&#8220;, das nach rein elektronischem und improvisiert gehaltenem Bleeps-Intro (?) nach erst 2.40 Min. in bekannte Strukturen \u00fcberf\u00fchrt wird. &#8222;Firefly&#8220; entwickelt erst gar keine Struktur. Das gesamte Instrumentarium schwimmt verhallt im Hintergrund und dann endet der Track bevor er richtig angefangen hat. &#8222;Eden 2&#8220; klingt, als ob DJ Krush den Sampler gegen eine Band eingetauscht h\u00e4tte: Beat Replacement is the key!<\/p>\n\n\n\n<p>Die meisten Titel sind sowohl rhythmisch als auch melodisch repetitiver als jeder Vorg\u00e4nger der Band, was eine gewisse Assoziation mit Can hervorruft. Highlights sind das f\u00fcr Tortoise sehr urban klingende &#8222;Monica&#8220;. Wenn John Swinscone mehr Musiker als Programmierer w\u00e4re, dann w\u00fcrde sich die n\u00e4chste Cinematic Orchestra genau so anh\u00f6ren. A propos soundtrackartiges Musikmaterial: &#8222;Blackjack&#8220; klingt wie ein italienischer Krimi aus den Siebzigern; Spinett, Streichersounds und Vibraphone im Toni Maroni-Verfolgungsjagd-Style sind daf\u00fcr verantwortlich.<\/p>\n\n\n\n<p>Die letzten beiden St\u00fccke sind dann wieder unmelodi\u00f6ser und erinnern an eine Mischung aus Mogwai und Tied and Tickled Trio. Das Postrock-Szenario klingt als ob elektronische Warpgr\u00f6\u00dfen wie Autechre, Aphex Twin oder Black Dog ihre Spuren hinterlassen h\u00e4tten, dar\u00fcber hinaus improvisierter und verst\u00f6rter als je zuvor. Die Ausschm\u00fcckung der Songs mit unkontrolliertem Plug-In Gefiebse unterst\u00fctzt oftmals den unglaublichen Drone der Bassektion. Mindmelting stuff!<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Tortoise: Standards<br \/>(Warp\/Zomba)<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ja, ist noch alles da, was Tortoise vor zwei Jahren mit &#8222;TNT&#8220; zu einer Konsensband im Musik-f\u00fcr-Musiker-Lager gemacht hat. Man kann sich immer noch an John McEntires unverwechselbaren Schlagzeug, Marimba- und Vibraphonespiel erfreuen und der Bass tr\u00e4gt das Miniorchester mit seinem warmen Wummern wie gewohnt \u00fcber so manche Improvisationsklippe. 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