{"id":35105,"date":"1997-08-07T11:11:00","date_gmt":"1997-08-07T09:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=35105"},"modified":"2022-08-23T04:33:41","modified_gmt":"2022-08-23T02:33:41","slug":"smoke-city","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/1997\/08\/smoke-city\/","title":{"rendered":"Smoke City"},"content":{"rendered":"\n<p>Dieser Artikel handelt von einer Band namens Smoke City. Smoke wer? Smoke City, die von &#8222;Underwater Love&#8220;, der Song aus der Levis-Werbung mit dem Typ, der aus dem Boot kippt und den Nixen. Ach so, die.<br \/>Das riecht verd\u00e4chtig nach einer klassischen One-Hit-Wonder-Karriere, aber Smoke City haben es besser verdient &#8211; ein Grund mehr f\u00fcr Hinter-Net!, die Gruppe im Interview zu fragen, wie sie zu dem wurden, was sie sind.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Das Nord-Londoner Trio besteht aus der Halbbrasilianerin Nina Miranda, die mit acht Jahren nach England kam, eine Weile in Frankreich lebte (was ihre portugiesisch-englisch-franz\u00f6sische Gesangs-Melange erkl\u00e4rt) und Kunst studierte; Marc Brown, der ebenfalls eine Zeitlang in Brasilien lebte und dort mit der Drum-Truppe &#8222;Olodum&#8220; arbeitete, die auch auf dem aktuellen Smoke City-Album zu h\u00f6ren ist, und Chris Franck, der ebenfalls in &#8211; na, wo wohl! &#8211; Brasilien zugange war, zeitweise zumindest. Brown und Franck sammelten in dieser Zeit beide Programmier- und Sample-Erfahrungen. Mit ersterem tat sich Nina Miranda vor einigen Jahren zu Smoke City zusammen, und beide produzierten 1995 den Song &#8222;Underwater Love&#8220; &#8211; der also nicht, wie viele vermuten, als Auftragsarbeit oben genannter Jeans-Firma entstand. Im Gegenteil: das blubbernde Meisterwerk erschien damals auf einem Sampler des Independent-Labels Ireland Records namens &#8222;Rebirth of the Cool&#8220;, wo er vorerst unbemerkt vor sich hin d\u00fcmpelte.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein halbes Jahr sp\u00e4ter stie\u00df Chris Franck zu dem Duo, der Kontakt wurde \u00fcber einen gemeinsamen DJ-Freund hergestellt, nachdem Franck sich nach seinem Brasilien-Aufenthalt wieder in die Londoner Musik-Szene einbrachte. Die Plattenfirma offerierte Demo-Aufnahmen in einem Studio, also machte sich das Trio ans Song-Schreiben, und die Sache kam ins Rollen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Name &#8222;Smoke City&#8220; steht \u00fcbrigens f\u00fcr London, die Heimat des Trios, und die besondere Londoner Atmosph\u00e4re. Er steht auch f\u00fcr einen Komplex aus Industrie und Urbanit\u00e4t, der seine zugleich transparente und verschleierte Substanz mit jedem Moment ver\u00e4ndert.<\/p>\n\n\n\n<p>Inzwischen liegt das Ergebnis der Studio-Aufnahmen vor: ein Album mit dem Titel &#8222;Flying away&#8220;. Sp\u00e4testens hier wird klar, da\u00df Smoke City mehr zu bieten haben als einen &#8211; zugegeben genialen &#8211; von der Werbung gepushten Hit. Und um dieses Thema zu Ende zu f\u00fchren: Levis hatte das Konzept des Spots vor Augen und suchte nach einer passenden musikalischen Untermalung, als ein Mitarbeiter der Firma auf den Song &#8222;Underwater Love&#8220; stie\u00df, der wie f\u00fcr diesen Zweck geschaffen schien. Smoke City setzen mit ihrem schaumgeborenen Lied gewisserma\u00dfen die Tradition des Surf-Sounds fort: wo dieser das Gef\u00fchl des Wellenreitens musikalisch einfing, tauchen Smoke City klangm\u00e4\u00dfig ab, eben &#8222;underwater&#8220;. Nina Miranda stimmt dieser Sicht \u00fcbrigens zu, sie habe kurioserweise beim Komponieren (am Anfang war in diesem Fall nicht das Wort, sondern der Sound, den Kollege Brown der S\u00e4ngerin pr\u00e4sentierte, die sich daraufhin zu Text und Titel inspirieren lie\u00df) exakt die Story des Jeans-Spots vor Augen gehabt \u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Wei\u00df man um die Brasilien-Erfahrungen und die Londoner Heimat der drei Musiker, mu\u00df man zum Stil des restlichen Albums eigentlich nicht mehr viel sagen: in den Songs der Band flie\u00dft der sonnige Einflu\u00df S\u00fcdamerikas mit der europ\u00e4ischen Club-Music zusammen. &#8222;Flying away&#8220; ist eine Synthese aus Samba, Bossa und Swing auf der einen Seite und Synthie-Kl\u00e4ngen und harten Beats auf der anderen: gleichzeitig easy, relaxed und d\u00fcster, klingt bisweilen &#8211; wollte man eine neue stilistische Schublade \u00f6ffnen &#8211; nach einer Art &#8222;Latino-Industrial&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Erfahrung &#8222;vor Ort&#8220; spielt laut Chris Franck eine bedeutsame Rolle, er betont, wie wichtig es sei, das s\u00fcdamerikanische Feeling zu &#8222;verstehen&#8220;, dies sei die Voraussetzung, wolle man fremdartige Einfl\u00fcsse einbringen, denn nur so funktionierte letztendlich die Mischung. Und nicht zuletzt dr\u00fccke sich darin auch der Respekt vor unterschiedlichen Traditionen und den Errungenschaften fremder Kulturen aus.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Band selbst m\u00f6chte ihren Stil nicht definieren, sie vereinigen eine Vielzahl heterogener Einfl\u00fcsse (auch wenn\u00b4s geschwollen klingt, nur um nicht schon wieder &#8222;unterschiedlich&#8220; oder &#8222;verschieden&#8220; zu schreiben, Anm. d. V.) wie s\u00fcdamerikanische Kl\u00e4nge, Reggae, Soul, Hip Hop und R&#8217;n&#8217;B. Privat stehen sie auf Musik der 70er, die bei ihnen \u00f6fter l\u00e4uft als aktuelle Produktionen: Bob Marley, Santana, Stevie Wonder, Johnny Guitar Watson und Jungle Jazz von John Coltrane, genauso wie afrikanische und indianische Musik: &#8222;Alles, was mehr Underground und avantgardistischer als Kommerz ist&#8220; (O-Ton Franck). Aha.<\/p>\n\n\n\n<p>Daneben weisen Smoke City darauf hin, da\u00df sie nicht einfach nur unterschiedliche(!) Elemente verschmelzen, sondern jedem einzelnen durch Fusion eine neue Perspektive erschlie\u00dfen. Oder anders ausgedr\u00fcckt: alles zusammen ist mehr als nur die Summe der Einzelteile. Gemixt werden auch die unterschiedlichsten Rhythmen, die f\u00fcr die Musik von Smoke City ohnehin eine wichtige Rolle spielen, z. T. programmiert und z. T mit &#8222;echten&#8220; Drummern eingespielt, wie z. B. mit den schon erw\u00e4hnten 15 Percussionisten von &#8222;Olodum&#8220;, deren Unterst\u00fctzung auch Paul Simon bereits in Anspruch nahm.<\/p>\n\n\n\n<p>Live spielen Smoke City mit sieben Musikern, die sonst allerdings nicht an den Kompositionen beteiligt sind, dazu z\u00e4hlen ein Drummer, ein Percussionist, ein Bassist-Cellist in Personalunion wie auch ein Keyboarder-Violinist. Untereinander sind die Rollen nicht festgelegt, alle arbeiten mit Percussions, und Brown produziert zus\u00e4tzlich Live-Effekte mit einer Effekt-Box &#8211; was immer das sein mag. Zur Show geh\u00f6rt au\u00dferdem jede Menge Action und Live-Mixing, kurz: Kombination ist das Zauberwort im Konzept der Band Smoke City.<\/p>\n\n\n\n<p>Jeder der drei hat neben der Gruppe noch andere Projekte laufen, die sich alle im Radius der Londoner Szene bewegen, ob nun in Form von Produktionst\u00e4tigkeiten oder Remixen. Tja, da hei\u00dft es, auf Tourtermine warten, solange behelfe man sich mit &#8222;Flying away&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieser Artikel handelt von einer Band namens Smoke City. Smoke wer? Smoke City, die von &#8222;Underwater Love&#8220;, der Song aus der Levis-Werbung mit dem Typ, der aus dem Boot kippt und den Nixen. Ach so, die.Das riecht verd\u00e4chtig nach einer klassischen One-Hit-Wonder-Karriere, aber Smoke City haben es besser verdient &#8211; ein Grund mehr f\u00fcr Hinter-Net!, [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":21,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ub_ctt_via":"","footnotes":""},"categories":[12],"tags":[],"class_list":["post-35105","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-musik"],"featured_image_src":null,"author_info":{"display_name":"Katja Preissner","author_link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/author\/kp-2\/"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/35105","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/21"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=35105"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/35105\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=35105"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=35105"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=35105"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}