{"id":35117,"date":"1998-04-15T11:11:00","date_gmt":"1998-04-15T09:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=35117"},"modified":"2022-08-27T03:25:05","modified_gmt":"2022-08-27T01:25:05","slug":"interview-tanga","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/1998\/04\/interview-tanga\/","title":{"rendered":"Interview: Tanga"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Popmusik &#8211; v\u00f6llig befreit<\/h2>\n\n\n\n<p>Wie ist Tanga entstanden?<\/p>\n\n\n\n<p>PB: Tanga gibt&#8217;s erst seit ca. einem Jahr. Damals war f\u00fcr uns eine Umbruchzeit, in der wir sehr viele experimentelle Musik gemacht haben. Wir haben uns dann aber doch selbst wiedergefunden und festgestellt, da\u00df es eben doch die Popmusik ist, die wir machen wollen. F\u00fcr uns war es ein sehr wichtiger Proze\u00df, wieder ein Songgef\u00fcge zu finden. Deswegen ist Tanga auch entstanden. Wir haben daf\u00fcr alles aufmacht und k\u00f6nnen wieder v\u00f6llig befreit von der E-Musik Pop-Musik machen.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Ihr habt E-Musik gemacht?<\/p>\n\n\n\n<p>JK: Ja, sehr experimentelle Sachen. Wir haben z.B. Musik f\u00fcr Kunstausstellungen gemacht. Halt ernste Musik.<\/p>\n\n\n\n<p>Eigentlich versteht man unter E-Musik ja haupts\u00e4chlich Klassik.<\/p>\n\n\n\n<p>PB: Nun ja, da gibt es ja irrsinnig viel, auch auf elektronischem Wege. Wir haben u.a. Sachen f\u00fcr Kunstradio gemacht. Ein anderes Projekt war, einen Traum musikalisch nachzuzeichnen. Eine zeitlang war so etwas f\u00fcr uns sehr wichtig. Dann haben wir wieder zur Popmusik zur\u00fcckgefunden.<\/p>\n\n\n\n<p>Und woher stammt der Name &#8222;Tanga&#8220;?<\/p>\n\n\n\n<p>JK: (<em>lacht<\/em>) Der Name stammt von einem belgischen Model. Wir sammeln ja nicht nur Synthesizer sondern auch Sed-Cards. Da haben wir eine (zeigt auf Sed-Card mit einem Model), die Tanga hei\u00dft. Sie ist eine sehr wandlungsf\u00e4hige Frau, was irgendwie zu unserer Musik pa\u00dft. Das ist wohl der komplizierteste Weg, eine Frau kennenzulernen!&nbsp;(<em>lacht<\/em>)<\/p>\n\n\n\n<p>Habt Ihr sie denn schon kennengelernt?<\/p>\n\n\n\n<p>JK: N\u00f6. Wir betreiben so einen Aufwand, gr\u00fcnden eine Band &#8211; ob sie das jemals zu sch\u00e4tzen wei\u00df? Wir hoffen, da\u00df sie das irgendwann sieht, und wir haben ja unsere Telefonnummer auf die CD geschrieben, damit sie uns dann kontaktieren kann.(<em>lacht<\/em>)<\/p>\n\n\n\n<p>Seht Ihr Euch mit Euren sehr melodischen und teils poppigen Gesangsparts eigentlich als Trip Hop Band?<\/p>\n\n\n\n<p>JK: Wir nennen es selbst Eletrip Music. Darunter verstehen wir eine Mischung aus elektronischer Musik, Romantik und Maschine. Es ist sehr gef\u00fchlsbetont, die Texte erz\u00e4hlen fantastische und absurde Geschichten und die Musik ist kindlich und verspielt. So sind wir eben. Wir haben irrsinnig viele Synthesizer, viele bunte Kn\u00f6pfe und dr\u00fcckt und schraubt da halt ein bi\u00dfchen herum &#8211; das ist unsere Welt.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie wichtig sind die Texte f\u00fcr Euch?<\/p>\n\n\n\n<p>JK: Schon sehr wichtig, weil die den Dialog transportieren, den wir mit den Zuh\u00f6rern f\u00fchren wollen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ihr habt zwei S\u00e4ngerinnen, da gibt es einmal K\u00fcken und Ningee.<\/p>\n\n\n\n<p>JK: (<em>lacht<\/em>) K\u00fcken ist unsere Grafikerin, die eigentlich unbedingt Mate hei\u00dfen m\u00f6chte. Aber jeder sagt K\u00fcken zu ihr, weil sie noch sehr jung und sehr m\u00e4dchenhaft ist. Ningee ist auch eine sehr gute Freundin von uns, die auch ein eigenes Projekt hat. Sie hat als Gast drei St\u00fccke eingesungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ist es denn interessanter, mit zwei S\u00e4ngerinnen zu arbeiten anstatt mit einer? Oder versteht Ihr Euch als Projekt, das st\u00e4ndig mit anderen Vokalisten zusammenarbeitet?<\/p>\n\n\n\n<p>JK: Nein, nein. Das geht nicht. Wir k\u00f6nnten nicht irgendwen singen lassen. Das ist einfach immer unser Freundeskreis, Leute, die wir kennen und die auch uns, unsere Musik und die Entstehungsprozesse kennen. Dabei gibt es einen Austausch, denn wir machen dann ja auch wieder etwas f\u00fcr Ningee. Wir haben eine K\u00fcnstlergruppe namens &#8222;Core&#8220;, in der all unsere Freunde involviert sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Was ist denn &#8222;Core&#8220; genau?<\/p>\n\n\n\n<p>JK: Das ist eine lose Verbindung von unterschiedlichen Leuten. Es gibt Bildhauer, Modedesignerinnen, Fotografen, Grafiker, DJs, Musiker und viele andere Leute. Jeder wei\u00df immer, was die anderen so machen. Man ruft sich dann an oder trifft sich. Letztens haben wir f\u00fcr eine Modeschau der Kunsthochschule Wien Musik gemacht. Wenn jetzt z.B. der Bildhauer eine Ausstellung hat, macht man eine Klanginstallation dazu. Daf\u00fcr konstruiert er B\u00fchnenaufbauten f\u00fcr uns. Wir haben eine mobile Wasserdruck-Show f\u00fcr unsere Konzerte, zu denen wir auch unser gesamte Studio mitbringen, so da\u00df wir live auf nichts verzichten m\u00fcssen. Man hilft sich halt, tauscht sich aus und inspiriert sich auch gegenseitig. Deswegen steht bei allen von uns auch immer irgendwo ein kleines &#8222;Core&#8220; dabei, auch wenn der eigene Name im Vordergrund steht. Das ist bei Tanga genauso.<\/p>\n\n\n\n<p>Wird das denn kommerziell betrieben, als eine Art Agentur f\u00fcr alle m\u00f6glichen Projekte und K\u00fcnstler?<\/p>\n\n\n\n<p>JK: Nein, das ist ziemlich lose, auch wenn wir ein bi\u00dfchen &#8218;was im Internet haben. Aber als Agentur wollen wir das nicht betreiben. Unsere einzige wirklich komplett gemeinsame Sache ist, da\u00df wir einmal im Monat wandern gehen. Da gehen wir mit festem Schuhwerk auf irgendeinen Berg, bringen Butterbrote mit und trinken etwas zusammen. Wir wohnen halt schon eine Autostunde vor Wien auf dem Lande.<\/p>\n\n\n\n<p>Und wie sieht die Zusammenarbeit mit Kollegen aus Wien aus, die jetzt auch Jungle, Trip Hop und House machen?<\/p>\n\n\n\n<p>PB: Grunds\u00e4tzlich sind wir nicht direkt in die Wiener Szene involviert. Auch dort gibt es ja mehrere: Einmal die bekannten DJs, die im Rampenlicht stehen und ihre Sachen nach au\u00dfen tragen. Wir haben aber mit der &#8222;Core&#8220;-Group eher unser eigenes Umfeld. Man l\u00e4uft diesen Leuten z.B. beim Service-Techniker ab und zu \u00fcber den Weg, wo alle ihre kranken Ger\u00e4te hinbringen. Da spricht man \u00fcber Synthesizer und Technik, eher pragmatische Dinge und das war&#8217;s dann auch schon. Es hat sich noch nicht ergeben, da\u00df man mal irgendwo zusammenarbeitet.<\/p>\n\n\n\n<p>Wobei sich ja gerade Wien zur Zeit zu einer Hochburg f\u00fcr Musik Eures Genres entwickelt. Bekannt sind nat\u00fcrlich &#8222;Kruder &amp; Dorfmeister&#8220;&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>JK: Wien ist fruchtbar! (<em>lacht<\/em>) Es hat ja immer schon Musik und Kreativit\u00e4t in Wien gegeben. Man denke an Mozart&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8230;der aus Salzburg kommt,<\/p>\n\n\n\n<p>JK: Die entscheidenden Dinge hat er in Wien geschrieben, auch wenn die &#8222;Kleine Nachtmusik&#8220; in Salzburg entstanden ist. Es haben jetzt eben einige Leute wieder daf\u00fcr gesorgt, da\u00df Wien einmal im Lichte steht und man sieht, wieviele Sachen es dort eigentlich gibt. Bisher sind die Dinge, auch wenn sie existierten, nie \u00fcber die Grenze gekommen. Wir machen ja auch schon seit 11 Jahren gemeinsam elektronische Musik. Unsere erste Band hie\u00df &#8222;Philomenas Garden&#8220;, mit der wir Elektronik-Pop der 80er, Richtung &#8222;Depeche Mode&#8220; gemacht haben. Wir waren mit den &#8222;Sparks&#8220; auf Tour und sogar in den \u00f6sterreichischen Charts. Damals waren wir noch sehr jung und sind von der Plattenfirma auch ziemlich \u00fcber&#8217;s Ohr gehauen worden. So haben wir unsere Erfahrungen mit den Leuten aus der Branche gesammelt. Au\u00dferdem haben wir schon Techno gemacht und machen auch heute noch ab und zu Raves, was uns aber nicht so wichtig ist. Ansonsten haben wir mit den beiden Musikern, deren Namen ich schon nicht mehr h\u00f6ren kann, nichts zu tun. Au\u00dfer vielleicht, da\u00df ich fast so aussehe, wie einer von ihnen und locker als Double auftreten k\u00f6nnte.(<em>lacht<\/em>)<\/p>\n\n\n\n<p>Nochmal zur\u00fcck zu Euren Songtiteln. Da gibt es Titel wie &#8222;Love The Machines&#8220;, &#8222;Sonnenkind&#8220; oder &#8222;Who Caresses The Stones&#8220;. Habt Ihr es mehr mit Natur oder Technik?<\/p>\n\n\n\n<p>JK: In &#8222;Love The Machines&#8220; beschreiben wir eigentlich unsere Beziehung zu unseren Synthesizern, die wir im Laufe der Jahre angesammelt haben. &#8222;Who Caresses The Stones&#8220; ist eher philosophisch, denn es gibt ja auch menschliche Steine, um die man sich k\u00fcmmern mu\u00df, damit sie wieder lebendiger und humaner werden. Wir haben auf jeden Fall einen engen Bezug zur Natur, weil wir wandern gehen und unser Studio auf dem Land haben. Aber wirklich urbane Musik ist es nicht, denn es ist schon Club-orientiert.<\/p>\n\n\n\n<p>PB: Und auf jeden Fall romantische Musik.<\/p>\n\n\n\n<p>Warum habt Ihr Euer Album Panoptikum genannt?<\/p>\n\n\n\n<p>JK: Den Titel haben wir einer Fernseh-Wochenschau entliehen, die Ende der 70er im ORF lief. Das haben wir als Kinder immer anschauen d\u00fcrfen. In der Sendung wurden kuriose Sachen aus der ganzen Welt gezeigt und zwischendurch gab&#8217;s immer blitzende Einblendungen, eine ganz spezielle Grafik. Unsere Mutter hat damals gesagt, da\u00df wir da nicht hinsehen d\u00fcrfen, weil das schlecht f\u00fcr die Augen sei. Jedenfalls sehen wir die Platte auch als Hort skurriler Geschichten, die ineinander flie\u00dfen. Sie ist ja auch wie eine Welle dramaturgisch aufgebaut. Sie ist von Anfang bis Ende durchkomponiert, also ein Konzeptalbum.<\/p>\n\n\n\n<p>Daf\u00fcr ist es aber ziemlich kurz.<\/p>\n\n\n\n<p>PB: Urspr\u00fcnglich war es viel l\u00e4nger. Wir waren schon bei 80 Minuten, als die Plattenfirma anrief und sagte, wir sollen uns blo\u00df k\u00fcrzer fassen, weil sich nur um die 65 Minuten auf eine CD pressen lassen.(<em>lacht<\/em>)<\/p>\n\n\n\n<p>JK: Jetzt haben wir eben 70 Minuten, die man sich aber auch durchgehend anh\u00f6ren kann. Es wird nie fad, oder?<\/p>\n\n\n\n<p>Eingeschlafen bin ich jedenfalls nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>PB: Unsere Traummusik-Sequenzen wurden damals gemacht, um die Zuh\u00f6rer einschlafen zu lassen. Das war das vorgegebene Konzept.<\/p>\n\n\n\n<p>JK: Wir waren noch mehr der E-Musik verhangen und hatten das Ziel, das Publikum zum Einschlafen zu bringen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wart Ihr erfolgreich?<\/p>\n\n\n\n<p>PB: Schon! Einige Leute haben sich die Kassette sogar zuschicken lassen und uns dankbar angerufen, weil sie endlich einmal einschlafen konnten. Wir sollten das Ding auf den Markt bringen! (<em>lacht<\/em>)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Popmusik &#8211; v\u00f6llig befreit Wie ist Tanga entstanden? PB: Tanga gibt&#8217;s erst seit ca. einem Jahr. Damals war f\u00fcr uns eine Umbruchzeit, in der wir sehr viele experimentelle Musik gemacht haben. 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