{"id":35125,"date":"1998-04-16T11:11:00","date_gmt":"1998-04-16T09:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=35125"},"modified":"2022-08-23T05:00:43","modified_gmt":"2022-08-23T03:00:43","slug":"interview-liv-kristin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/1998\/04\/interview-liv-kristin\/","title":{"rendered":"Interview: Liv Kristin"},"content":{"rendered":"\n<p>Hast du eine klassische Gesangsausbildung?<\/p>\n\n\n\n<p>LK: <em>Ich habe \u00fcberhaupt keine Stimmausbildung. (lacht) Eigentlich habe ich immer schon gesungen. Als ich ganz klein war, habe ich in der Schule ein paar Auftritte gehabt, aber eine richtige Ausbildung habe ich nicht gemacht. Einmal hatte ich zwei Stunden Gesangsunterricht, weil ich dachte, da\u00df es mir irgendwie helfen kann. Dem war aber gar nicht so. Deswegen habe ich das gelassen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Wie fing denn Deine Gesangskarriere an?<\/p>\n\n\n\n<p>LK: <em>Angefangen hat es wie gesagt in der Schule, als ich als kleines M\u00e4dchen ein paar mal aufgetreten bin. Allerdings habe ich dann f\u00fcr ungef\u00e4hr zehn Jahre gar nicht auf der B\u00fchne gestanden, weil ich einmal etwas gesungen habe, das falsch war. Ich habe mich daf\u00fcr so gesch\u00e4mt, da\u00df ich dachte, ich w\u00fcrde nie wieder auf die B\u00fchne gehen. Mit 18 Jahren habe ich &#8222;Theatre Of Tragedy&#8220; entdeckt &#8211; oder sie mich -, und so hat es eigentlich angefangen. Mit ihnen bin ich dann auch wieder aufgetreten. Die ersten Shows waren ehrlich gesagt nicht so toll, weil man ein bi\u00dfchen B\u00fchnenerfahrung braucht, bevor man sich richtig sicher f\u00fchlen kann. Jetzt l\u00e4uft es aber ohne Probleme, denn Schmetterlinge habe ich gar nicht mehr im Bauch.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ist es nicht ein bi\u00dfchen schade, kein Lampenfieber mehr zu haben?<\/p>\n\n\n\n<p>LK: <em>Vielleicht. Ab und zu vermisse ich es, da\u00df man ein wenig nerv\u00f6s ist. Es hat ja auch etwas Positives neben dem Schwitzen und Zittern, was nat\u00fcrlich \u00fcberhaupt nicht gut ist. Wenn man aber ein bi\u00dfchen aufgeregt ist, macht man den Job doch noch etwas besser, finde ich.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Lastet Dich Deine Arbeit bei &#8222;Theatre Of Tragedy&#8220; nicht richtig aus? Oder was war der Grund, ein Solo-Album aufzunehmen?<\/p>\n\n\n\n<p>LK: <em>Im letzten Sommer habe ich meinen Freund Alex im Studio besucht. Als ich dort &#8218;reinkam, hat er gesagt, ich sollte doch etwas machen oder ausprobieren. Herausgekommen bin ich dann mit f\u00fcnf neuen Liedern. (lacht) Das hat mich auf die Idee gebracht, auch mal etwas anderes zu machen als &#8222;Theatre Of Tragedy&#8220;. Die Jungs sind ja in Norwegen, weswegen die Probem\u00f6glichkeiten nicht so gro\u00dfartig sind. Wir proben derzeit vielleicht an die vier, f\u00fcnf Mal im Jahr. Ich mu\u00df mich aber irgendwie entwickeln und meine Stimme trainieren. Eine eigene Gothic Metal-Band w\u00fcrde da verst\u00e4ndlicherweise f\u00fcr \u00c4rger mit &#8222;Theatre Of Tragedy&#8220; sorgen. Deshalb war die Idee mit einem Solo-Projekt die beste L\u00f6sung. Ich kann ja nicht einfach dasitzen und nichts tun. Also bin ich durch mein Label &#8222;Massacre Records&#8220; mit G\u00fcnther Illi in Kontakt getreten, der viel Filmmusik macht und alle Instrumente auf der Platte eingespielt hat. Er bat mich im Studio, etwas vorzusingen. Das hat ihm dann sehr gefallen, so wie mir auch seine Songs gefallen haben. Nach zehn Treffen im Studio ist das Album entstanden. Die Arbeit mit ihm war toll, und wir werden auf jeden Fall noch eine Scheibe zusammen machen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Hat Deine Arbeit an Deinem Solo-Projekt auch Auswirkungen auf Deine Mitwirkung bei &#8222;Theatre Of Tragedy&#8220;?<\/p>\n\n\n\n<p>LK: <em>Ich hoffe es nicht. Zwar wei\u00df ich nicht, ob sie meine Platte schon geh\u00f6rt haben. Ich denke aber, da\u00df sie sie besser finden, als h\u00e4tte ich ein Album mit einer anderen Gothic-Band aufgenommen. Au\u00dferdem m\u00fc\u00dfte es ihnen auch wichtig sein, da\u00df ich an meiner Stimme weiterarbeite, weil sonst irgendwann gar nichts mehr geht. Es gab ja vor Weihnachten ein paar Mi\u00dfverst\u00e4ndnisse zwischen uns, die jetzt zum Gl\u00fcck behoben sind. Damals hat man mich angeblich aus der Band gekickt, wovon ich allerdings gar nichts wu\u00dfte! Das ganze beruhte auf einem Fax an mein Label und einem Ger\u00fccht im Internet. Nat\u00fcrlich bin ich sofort mit den Jungs in Kontakt getreten, die erstmal nichts dazu sagen wollten. Deshalb bin ich mit meiner Plattenfirma nach Norwegen geflogen und habe dort alles gekl\u00e4rt. Ich bin also weiterhin in der Band und habe die letzte Platte mit &#8222;Theatre Of Tragedy&#8220; aufgenommen. Leider bin ich darauf weniger zu h\u00f6ren, als auf dem letzten Album. Als ich dazukam, hatten sie im Studio schon Versp\u00e4tung. Ein paar von den Songs habe ich auch erst im Studio selbst geh\u00f6rt und die Texte gar nicht vorher zu sehen bekommen. F\u00fcr mich war das zwar eine neue Situation, ich finde aber, da\u00df unsere gemeinsamen Sachen trotzdem toll geworden sind.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Vor einiger Zeit hat Ritchie Blackmore ein Album herausgebracht (&#8222;Blackmore&#8217;s Night&#8220;), das ja in eine ganz \u00e4hnliche Richtung wie Deines geht. Gibt es in der Metal-Szene einen neuen Trend hin zum klassisch angehauchten Popsong?<\/p>\n\n\n\n<p>LK: <em>Klassische Elemente wie Piano und weiblicher Gesang sind ja bereits seit der Entstehung von &#8222;Theatre Of Tragedy&#8220; vor zwei Jahren popul\u00e4r. Jetzt treffen sich eben verschiedene Musiker und st\u00fcrzen sich in alle m\u00f6glichen Projekte. Ich denke, man kann damit sehr gut zeigen, da\u00df man nicht so einseitig orientiert ist, sondern auch andere Sachen machen kann. Auch ich m\u00f6chte gern beweisen, da\u00df ich nicht nur f\u00fcr eine Art von Musik, n\u00e4mlich Gothic Metal, stehe.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ist die Metal-Szene im eigenen Genre denn momentan zum Stillstand gekommen?<\/p>\n\n\n\n<p>LK: <em>Das k\u00f6nnte schon sein. Zur Zeit treffen sich eben verschiedene Leute, um mal andere interessante Dinge zu machen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Das Album macht insgesamt einen leicht \u00e4therischen Eindruck. Interessierst Du Dich f\u00fcr spirituelle Dinge, wie es ja zur Zeit Mode ist?<\/p>\n\n\n\n<p>LK: <em>Auf jeden Fall! Yoga und solche Dinge habe ich noch nie probiert, aber ich habe jemanden auf meiner Tourn\u00e9e gefragt, der das regelm\u00e4\u00dfig macht. Solche Dinge interessieren mich zur Zeit sehr stark, auch wenn ich noch nicht so viel dar\u00fcber wei\u00df.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Wo hast Du eigentlich so gut deutsch gelernt? Du kommst doch aus Norwegen, oder?<\/p>\n\n\n\n<p>LK: Ja, schon. Ich tue mein Bestes und kann immer noch viel lernen. Seit sechzehn Monaten bin ich jetzt in Deutschland und habe die ersten neun Monate nur englisch gesprochen. Dann habe ich mein Anglistik- und Germanistik-Studium angefangen. Da mu\u00df ich eben deutsch reden. Ich verstehe auch alles &#8211; sogar die Leute hier in \u00d6sterreich, wo wir gerade auf Tour sind. Trotzdem mu\u00df ich noch viel lernen.&nbsp;(lacht)<\/p>\n\n\n\n<p>Der Song &#8222;Portrait: Le Har Ei Tulle Med Ogne Bla&#8220; ist ein norwegisches Volkslied. Wovon handelt es denn?<\/p>\n\n\n\n<p>LK: <em>Der Titel bedeutet: &#8222;Ich habe ein kleines M\u00e4dchen mit blauen Augen&#8220;. Es ist ein Kinderlied, das meine Oma mir immer vorgesungen hat. Ich hatte es immer im Kopf und dachte, da\u00df ich irgendwann etwas damit machen mu\u00df. Das Problem war die norwegische Sprache, die ich urspr\u00fcnglich \u00fcbersetzen lassen wollte. Aber das hat nicht hingehauen. G\u00fcnther Illi fand das Lied klasse, als ich es ihm vorsang. Er hat es gleich aufgenommen und einen Remix davon gemacht. Das Resultat gef\u00e4llt mir wirklich gut. Es beinhaltet schlie\u00dflich auch etwas von mir pers\u00f6nlich und reflektiert meine Kindheit, weil es mir sehr am Herzen liegt.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Wie sieht es ansonsten mit den Traditionen aus Norwegen aus? Bist Du jemand, der an solchen Dingen festh\u00e4lt?<\/p>\n\n\n\n<p>LK: <em>Fr\u00fcher habe ich immer gedacht, ich br\u00e4uchte das alles nicht. Jetzt, da ich in Deutschland wohne, denke ich aber immer \u00f6fter an Norwegen, die Natur dort und die Volkslieder. Ich habe all das nie vergessen k\u00f6nnen und wei\u00df heute, da\u00df es wichtig f\u00fcr mich ist, weil ich in einem anderen Land lebe.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Hast Du eigene Songs zum Album beigesteuert?<\/p>\n\n\n\n<p>LK: <em>Alle Songs sind von G\u00fcnther Illi komponiert worden. Ich habe darauf gesungen und die Texte zu &#8222;In The Heart Of Juliet&#8220; und &#8222;Deus ex Machina&#8220; geschrieben. Die Zeit hat leider nicht gereicht, um alle Texte selbst schreiben zu k\u00f6nnen. Ich k\u00f6nnte aber die Zeilen anderer Leute nie so singen k\u00f6nnen, wenn ich mich damit nicht identifizieren k\u00f6nnte. Sie m\u00fcssen mir schon etwas bedeuten.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Wie kam der Kontakt mit Nick Holmes von &#8222;Paradise Lost&#8220; zustande, der mit Dir das Duett &#8222;3 am&#8220; aufgenommen hat?<\/p>\n\n\n\n<p>LK: <em>Als ich das Lied von G\u00fcnther Illi geh\u00f6rt hatte, wu\u00dfte ich schon, da\u00df ein m\u00e4nnlicher S\u00e4nger dazukommen sollte. Eigentlich habe ich dann an meinen Freund Alex (&#8222;Anthrosity&#8220;) gedacht. Da ich aber schon im Background auf seiner Platte zu h\u00f6ren war, glaubten wir, da\u00df es zuviel werden w\u00fcrde. Also hat Alex Nick Holmes vorgeschlagen, weil der auch eine sch\u00f6ne, tiefe Stimme hat. &#8222;Paradise Lost&#8220; waren gerade auf Deutschland-Tour. Wir haben ganz frech den Manager angerufen und ihn gefragt. Eine Woche sp\u00e4ter haben wir Nick in Ludwigsburg vom Hotel abgeholt, und nach zwei Stunden im Studio war der Song komplett fertig. Es ging wirklich schnell und ein guter Typ. Er ist korrekt, ehrlich und mit solchen Leuten kann ich gut zusammenarbeiten.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Wie bist Du auf den Album-Titel &#8222;Deus ex Machina&#8220; gekommen? Was bedeutet er f\u00fcr Dich?<\/p>\n\n\n\n<p>LK: <em>Es ist wie bei einem Theaterst\u00fcck, das ganz pessimistisch anf\u00e4ngt. Dann zeigt sich Gott oder irgendein Wesen und f\u00fchrt es zu einem sch\u00f6nen Ende. Trotz Trauer und Pessimismus am Anfang gibt es dann doch noch sch\u00f6ne Aussichten f\u00fcr die Zukunft. F\u00fcr mich bedeutet diese Platte auch eine wunderbare Ver\u00e4nderung. Eigentlich wollte ich schon immer Songs wie auf diesem Album machen. Also dachte ich, da\u00df endlich etwas passiert, was ich mir immer schon gew\u00fcnscht hatte.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hast du eine klassische Gesangsausbildung? LK: Ich habe \u00fcberhaupt keine Stimmausbildung. (lacht) Eigentlich habe ich immer schon gesungen. 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