{"id":35547,"date":"1996-08-17T11:11:00","date_gmt":"1996-08-17T09:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=35547"},"modified":"2022-09-18T04:47:41","modified_gmt":"2022-09-18T02:47:41","slug":"popkomm-1996-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/1996\/08\/popkomm-1996-2\/","title":{"rendered":"Popkomm 1996-2"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Ein kryptisches K\u00f6ln-Tagebuch von Kai, Carsten, Roland, Axel, Wolfgang, Walter und Nicole<\/strong><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Freitag, 16-8-1996:<\/h2>\n\n\n\n<p>Ordentliches Fr\u00fchst\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p>Erster Messetag. Erster Eindruck: die Messe scheint lauter geworden zu sein. Ein Eindruck, der sich nur zu bald zur Gewi\u00dfheit ausweiten sollte. Come on bring the noize.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Wer als Aussteller etwas auf sich h\u00e4lt &#8211; und das n\u00f6tige Kleingeld daf\u00fcr hat &#8211; motzt seinen Stand geh\u00f6rig auf. Busse, Boote, Lichtinstallationen oder Drachen mit Feueraugen. Meistvertretenes Motiv ist aber der Zaun: Holz oder Eisen, engmaschig oder nicht. Die Abgrenzung zur Konkurrenz ist allgegenw\u00e4rtig.<br \/><em>&#8222;Only good fences make good neighbours&#8220; <\/em>(D.Frost)<\/p>\n\n\n\n<p>11.55-12.05: Petra.<\/p>\n\n\n\n<p>Diskussionsrunde im Konferenzsaal: <strong>Black Music in Deutschland<\/strong>. Auf dem Podium sitzen in erster Linie Plattenfirmenleute, vertreten sind sowohl Major-Companies als auch Independent-Labels. Zwischen beiden Lagern herrscht ein eigenartiger Konsens: Schweine-Business rules ok. Konsumenten, Kaufentscheidungen, die Ware Musik und der Breakthrough. H\u00f6hepunkt der traurigen Veranstaltung ist das Statement, mit der sich die in den USA lebende Black-Music-Managerin \u00fcber die mangelnde Professionalit\u00e4t der amerikanischen Hip-Hop-Acts beschwert: Die Jungs k\u00e4men halt alle aus dem Ghetto, und da werde eben der Bruder oder der Nachbar zum Manager gemacht und der habe dann nat\u00fcrlich \u00fcberhaupt keine Ahnung vom Gesch\u00e4ft.<\/p>\n\n\n\n<p>Tja, liebe Label-Angestellten, wir bedauern zutiefst, da\u00df Ihr Euch in Eurem Job mit solch amateurhaften Schlaffis rum\u00e4rgern m\u00fc\u00dft, deren Deutschlandtour-Pl\u00e4ne an der Tatsache scheitern, da\u00df sie Angst vor der deutschen Polizei haben oder nicht das zu essen finden, was sie gewohnt sind. Hauptsache ist doch, da\u00df Ihr Ahnung vom Business habt und weiterhin in Diskussionsrunden einander die Eier schaukeln k\u00f6nnt. Wir haben Gott sei Dank ja noch die Musik.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie man eine richtig gute, d.h. informative und kurzweilige Diskussionsrunde organisiert und durchf\u00fchrt, zeigt der niederl\u00e4ndische Verlag Music &amp; Media. Der <strong>rockende Campus<\/strong> soll die Frage beantworten, wie es in Zukunft um die Hochschul-Radios in Deutschland aussehen wird. Antwort: typisch deutsch und typisch akademisch. Der Traum vom Transfer amerikanischer College-Radio-Verh\u00e4ltnisse auf die deutsche Funklandschaft scheint nicht realisierbar, Gesetzgebung und universit\u00e4re Strukturen lassen einen \u00e4hnlich lockeren und spannenden Campus-Rundfunk wie in den Staaten wohl nicht zu.<\/p>\n\n\n\n<p>Kleiner Tip f\u00fcr alle Fernsehredakteure, die dies hier lesen (k\u00f6nnen die lesen?): <strong>Machgiel Bakker<\/strong> von Music &amp; Media ist der kommende Talkshow-Gastgeber. Souver\u00e4n, entspannt, intelligent und witzig. Schickt Willemsen endlich in die W\u00fcste. Now!<\/p>\n\n\n\n<p>Nachdem man die Preistafel des im Pressezentrums befindlichen Getr\u00e4nkebuffets und die hohen Zahlen darauf bewundert hat, bietet einem die Pressekonferenz der <strong>Einst\u00fcrzenden Neubauten<\/strong> Gelegenheit, etwas gegen den Durst zu tun. Daniela schnappt mir zwar den letzten Prosecco vor der Nase weg, aber ein Glas Wasser, das nicht f\u00fcnf Mark kostet, ist ja auch was Sch\u00f6nes.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Blixa Bargeld<\/strong> mu\u00df sich nach dem ersten Glas \u00fcbrigens auch dreimal beschweren, ehe sein Vertrieb wieder mit neuem Alkohol anr\u00fcckt. Dennoch ist er ziemlich locker und scheint gut gelaunt. Von der Optik her wirkt er so, als h\u00e4tte er seit l\u00e4ngerer Zeit kein Bett mehr gesehen, aber das tut der Stimmung keinen Abbruch. Gekonnt und charmant gibt uns der Mann im schwarzen Anzug den abgekl\u00e4rten K\u00fcnstler. Bargeld kennt das Business und macht kein Hehl daraus, was er davon h\u00e4lt. Dennoch schafft er es, das Spiel mitzuspielen und holt innerhalb dieses Rahmens wohl das Maximum an Offenheit und Ehrlichkeit heraus, das einem K\u00fcnstler bleibt, der Musik mag und irgend etwas r\u00fcberbringen will.<\/p>\n\n\n\n<p>Den CD-Rom-Extra-Track auf der neuen Neubauten-CD hat er noch nicht gesehen und <strong>Heike Makatsch<\/strong> kannte er auch nicht, bevor sie ihn f\u00fcr ihren Hausbesuch erkor. Gesehen habe er die Sendung zwar nicht, aber das sei kein Verlust, da man laut Aussage seiner Freunde die wirklich interessanten Gespr\u00e4chsthemen rausgeschnitten habe, etwa die von Frau Makatsch angezettelte Diskussion \u00fcber die Benennung der weiblichen Geschlechtsteile.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Sender <strong>VH1<\/strong> stellt wirklich eine Bereicherung dar. Wo sonst kann man kostenlos zwischen vier Biersorten ausw\u00e4hlen? Zu essen gibt es dort allerdings nix und das ist schade.<\/p>\n\n\n\n<p>18.00-18.30: Petra (S-Bahn)<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-style-default\">\n<figure class=\"alignright size-large is-resized\"><a href=\"https:\/\/hinternet.de\/musik\/popkomm\/images\/viet2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/hinternet.de\/musik\/popkomm\/images\/viet2.jpg\" alt=\"\" width=\"99\" height=\"70\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>K\u00f6lner Bus- und S-Bahnfahrer fahren wie die Bekloppten und als die wirklich brennende Frage dieser Tage stellt sich die Sch\u00e4tzung des Alters der freundlichen Bedienung aus dem Imbi\u00df in der Luxemburger Stra\u00dfe heraus. Das redaktionsinterne Spektrum reicht von 12 bis 22, aber fragen will dann auch keiner. W\u00e4r ja auch irgendwie peinlich.<\/p>\n\n\n\n<p>Gegen Ende dieses Tages zeigt sich das richtige Rezept um die Popkomm aktiv zu \u00fcberstehen: Der Wechsel von 1 Kaffee, 2 Bier, 1 Kaffee, 2 Bier, 1 Kaffee,\u2026.Von morgens um 11 bis 3 Uhr Nachts. Ab 3 Uhr sollte mensch umsteigen auf 2 Kaffee, 1 Bier,\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Und bitte zweimal t\u00e4glich die F\u00fc\u00dfe in Franzbranntwein baden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Metalheadz<\/strong>-Session im Wartesaal: die l\u00e4ngsten Schlangen und die tiefsten B\u00e4sse im Universum. Wir haben die Zukunft gef\u00fchlt.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Theater am Rudolfplatz schicken <strong>Rockers Hi Fi<\/strong> ein derartiges Brett durch die Tieft\u00f6ner, da\u00df dir die vom Gel erh\u00e4rteten Haarstr\u00e4hnen vibrieren. Beim Auftritt von <strong>Nicolette<\/strong> beginnt man den volkswirtschaftllichen Lehrsatz, Luft sei ein freies Gut, ernsthaft in Frage zu stellen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer im Business etwas auf sich h\u00e4lt (hallo Petra) ist bei der Comet-Verleihung. Wir sind bei der <strong>Sushi-3003-Party<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p>Sp\u00e4t in der Nacht gibt es dort zwar nichts mehr zu essen, aber daf\u00fcr sind Sound und Dekoration vom feinsten. Als dann <strong>Stereo Total<\/strong> ihren durch technische Probleme leicht gehandicappten Auftritt haben und ich endlich <strong>Fran\u00e7oise Cactus<\/strong> live erleben kann, nachdem ich mich drei Jahre fragte, wie diese Stimme wohl aussieht, ist endg\u00fcltig klar, da\u00df es ein gelungener Abend war.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sushi 3003:<\/strong><br \/>Eine der hipsten Clubveranstaltungen auf diesem Planeten, vielleicht auch in diesem Arm unserer Galaxie. Club nur f\u00fcr dieses Event designed bei Mister Jim Avignon. Live Video Installationen Musik aufgelegt von: Tomoyuki Tanaka und le Hammond inferno (Angeblich gelegentlich in Berlin mitzuerleben). Mitten auf der Tanzfl\u00e4che, allein unter Promis der mutige Hinter-Net!-Redakteur! Gut gelaunt betanzt er diverse Sch\u00f6nheiten als aus 4 Metern Entfernung ein Fotograf auftaucht, um Beweisfotos im Auftrage der Chefredaktion zu schie\u00dfen. Skandal: Redakteur am\u00fcsiert sich w\u00e4hrend der Arbeit !! Das gibt nicht nur \u00c4rger mit dem Chef, auch die Girls rennen weg. Reiner Neid der Kollegen, die sonst nur bei Alt-Rockerinnen vom Schlage Suzi Quattros landen k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein kryptisches K\u00f6ln-Tagebuch von Kai, Carsten, Roland, Axel, Wolfgang, Walter und Nicole Freitag, 16-8-1996: Ordentliches Fr\u00fchst\u00fcck. Erster Messetag. Erster Eindruck: die Messe scheint lauter geworden zu sein. Ein Eindruck, der sich nur zu bald zur Gewi\u00dfheit ausweiten sollte. 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