{"id":35565,"date":"1999-08-15T11:11:19","date_gmt":"1999-08-15T09:11:19","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=35565"},"modified":"2022-08-25T04:21:03","modified_gmt":"2022-08-25T02:21:03","slug":"interview-goatsnake","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/1999\/08\/interview-goatsnake\/","title":{"rendered":"Interview: Goatsnake"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">\u00c4rger mit der Riffpolizei<\/h2>\n\n\n\n<p>Gute Doom-Scheiben sind eine Seltenheit geworden. Um so erfreulicher, da\u00df gerade &#8222;I&#8220;, das Deb\u00fct von Goatsnake, auf Lee Dorrians Label &#8218;Rise Above&#8216; erschienen ist. Ein lange \u00fcberf\u00e4lliges Trostpflaster f\u00fcr Fans von tiefer gestimmten Gitarren und Zeitlupenriffs.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Goatsnake ist einem Sammelbecken altgedienter Doomer und Rocker gleich. Mein Gespr\u00e4chspartner Greg Anderson verdiente fr\u00fcher sein Geld mit Engine Kid. Das Rhythmus-Duo Guy Pinhas und Greg Rogers wurde mit Obsessed gro\u00df und S\u00e4nger Pete Stahl (heute noch Earthlings? und Desert Sessions) spielte bei Wool und Scream. Ein wahrlich bunt gemischter Haufen, der sich da in Los Angeles zusammentat.<\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;F\u00fcr mich stand gleich nach dem Ende von Engine Kid fest, da\u00df ich eine neue Band finden mu\u00dfte. \u00dcber den Freund eines Freund es kam der Kontakt mit Guy und Greg zustande. Ich zog schlie\u00dflich von Seattle nach L.A. Gott sei Dank dauerte es nicht lange, bis Pete zu uns stie\u00df. Schon bei den ersten Proben sprang der Funke \u00fcber. Die Songs waren ultra heavy, rockig und hatten viel Soul &#8211; ganz anders also als viele dieser Sabbath-Rip Offs.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Statt sich an den Meistern zu orientieren, nahm sich Gitarrist Greg lieber an Melvins, Saint Vitus, Pentagramm oder Slint ein Beispiel. Von Berufswegen mu\u00df er aber auch ganz andere Musik h\u00f6ren. Er arbeitet n\u00e4mlich f\u00fcr den US-Vertrieb Caroline und verkauft CDs nach Japan und Ru\u00dfland. Au\u00dferdem k\u00fcmmert sich Greg um sein eigenes Label &#8218;Southern Lord&#8216;. Bisher hat er drei Doom-Platten unters Volk gebracht: die Deb\u00fcts von Thor&#8217;s Hammer und Burning Witch, sowie eine Rarit\u00e4ten-CD von Obsessed.<\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;Ich kann den Ver\u00f6ffentlichungstermin kaum erwarten&#8220;<\/em>, freut sich Greg. <em>&#8222;Die Songs sind unglaublich. Seit Jahren bin ich ein gro\u00dfer Obsessed-Fan. Insofern geht f\u00fcr mich ein alter Traum in Erf\u00fcllung. Die Fans werden diese Platten lieben, da bin ich mir sicher.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>In den letzten zwei, drei Jahren hat sich auf dem Doom-Sektor nicht gerade viel getan. Zwar haben die Bands nicht den Kopf in den Sand gesteckt, doch kaum ein Label traute sich, eine Band unter Vertrag zu nehmen, geschweige denn ein Album zu ver\u00f6ffentlichen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;Kyuss wurden ironischerweise erst nach ihrem Split kult. \u00c4hnlich verh\u00e4lt es sich mit Fu Manchu und Monster Magnet. Sie tourten jahrelang durch die Staaten und kaum einer nahm Notiz von ihnen. Aber von heute auf morgen war ein Interesse an dieser Musik da, und sie alle wurden erfolgreich. Allerdings bezweifle ich, da\u00df viele von ihnen von Doom-Ikonen wie Saint Vitus, Cathedral oder Trouble beeinflu\u00dft wurden. Statt dessen sind es oftmals Black Sabbath und eben Kyuss, die ihre Spuren hinterlassen haben. Wie auch immer: Ich bin froh, da\u00df sich die Szene so entwickelt hat.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Greg z\u00e4hlt nicht einmal Goatsnake zu den Doom-Bands, obwohl aufgrund der verwendeten Stilmittel die Beweislage daf\u00fcr spricht.<\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;Ich finde es lustig, da\u00df du uns in diese Ecke stecken willst. Wenn du mich fragst, ist es Hardrock oder Rock&#8217;n&#8217;Roll. Ich sehe uns eher in der Tradition von Humble Pie, Mountain, Grand Funk Railroad und Thin Lizzy. Das sind eigentlich unsere tiefsten Wurzeln&#8220;<\/em>, rechtfertigt Greg seine Kategorisierung.<\/p>\n\n\n\n<p>Doom hin oder her. Letzten Endes war es der gr\u00f6\u00dfte F\u00f6rderer von z\u00e4h flie\u00dfenden Riffs und wummernden B\u00e4ssen, der Goatsnake einen Vertrag anbot: Lee Dorrian. F\u00fcr jeden musizierenden Doom-Fan ist es eine Ehre bei &#8218;Rise Above&#8216; unterschreiben zu d\u00fcrfen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;Lee ist der coolste Typ, den ich je kennengelernt habe. Er kennt uns seit unserem ersten Demo. Auch Obsessed und Wool hatten ihm schon immer gefallen. So war es ganz nat\u00fcrlich, da\u00df wir mit ihm in Kontakt traten. Lee ist eine Inspirationsquelle. Er singt in einer ausgezeichneten Band, er hat ein tolles Label aufgebaut und er ver\u00f6ffentlicht nur die Sachen, die er wirklich gut findet. Besser kann man es nicht machen&#8220;<\/em>, schw\u00e4rmt Greg.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend in den Staaten Doom und Stoner Rock weiterhin um ihre Existenz k\u00e4mpfen m\u00fcssen, zeigen wir Europ\u00e4er stetig wachsendes Interesse an dieser Musik. Neue Bands sprie\u00dfen wie Pilze aus dem Boden und zahlreiche Labels werden gegr\u00fcndet, um die steigende Nachfrage decken zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;Ich finde das seltsam. In Los Angeles gibt es viele solcher Bands und kein Hahn kr\u00e4ht nach ihnen. Hier spielen wir vor allerh\u00f6chstens 150 Leuten. Aber in Europa lecken sich alle die Finger nach uns. Bei euch mu\u00df irgendwas im Wasser sein. Anders kann ich mir das nicht erkl\u00e4ren&#8220;<\/em>, lacht Greg und erg\u00e4nzt:<\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;Der allgemeine Trend geht eindeutig zum Indielabel. Das war bislang nur im Hardcore- und Punkbereich \u00fcblich. Doch als die Popularit\u00e4t von Doom bzw. Stoner Rock abnahm, gr\u00fcndeten viele ihr eigenes Label. Qualit\u00e4t wird sich auf lange Sicht hin durchsetzen. Ganz egal ob bei mit einem Indie oder einem Major.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Eine Prophezeiung, die hoffentlich auch auf &#8222;I&#8220; zutrifft. Immerhin erhielt das Album viermal neun Punkte in der &#8218;Basic Division&#8216; des Monats Juni. Das l\u00e4\u00dft hoffen. Meinem Kollegen Igor Bacic mu\u00df ich allerdings widersprechen. Nicht &#8222;Mover&#8220; ist die Hymne des Albums, sondern &#8222;IV&#8220;, der Song mit diesem unglaublich fetten Riff.<\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;Das Riff habe ich von Joe Walshs &#8218;Rocky Mountain Way&#8216; gestohlen. Die Riff-Polizei ist bei mir seit Jahren Stammgast. Musik soll Spa\u00df machen. Ich sch\u00e4me mich nicht daf\u00fcr, mir ein Riff zu borgen. Lynyrd Skynyrd, Robin Trow er und Thin Lizzy &#8211; sie alle standen schon Pate. Das h\u00f6rt aber kaum einer, da wir unsere Gitarren tiefer stimmen und das Tempo ver\u00e4ndern. Wir \u00fcbernehmen die Riffs meist nicht Note f\u00fcr Note, sondern adaptieren einzelne Ideen. Bei den neueren Songs lie\u00df ich mich zum Beispiel von John Coltrane inspirieren, was sicherlich keiner h\u00f6ren wird.&#8220;<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00c4rger mit der Riffpolizei Gute Doom-Scheiben sind eine Seltenheit geworden. Um so erfreulicher, da\u00df gerade &#8222;I&#8220;, das Deb\u00fct von Goatsnake, auf Lee Dorrians Label &#8218;Rise Above&#8216; erschienen ist. 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