{"id":35602,"date":"2001-03-24T11:11:43","date_gmt":"2001-03-24T10:11:43","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=35602"},"modified":"2022-09-19T18:36:30","modified_gmt":"2022-09-19T16:36:30","slug":"interview-goetz-alsmann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2001\/03\/interview-goetz-alsmann\/","title":{"rendered":"Interview: G\u00f6tz Alsmann"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Ich bin nicht so der Dusch-Typ.<\/h2>\n\n\n\n<p>Ein Telefoninterview mit G\u00f6tz Alsmann, dem vielleicht besten Entertainer Deutschlands. Ob mit der TV-Sendung &#8222;Zimmer Frei&#8220; im WDR, den Radio-Shows &#8222;Go, G\u00f6tz, Go!&#8220; (WDR 4) und &#8222;Jazz&#8220; (WDR 3) oder mit Band auf der B\u00fchne, Alsmann kann und will die Menschen begeistern. Die wiederum danken es ihm, schalten TV und Radio regelm\u00e4\u00dfig ein oder sorgen daf\u00fcr, dass seine Konzerte fast immer ausverkauft sind.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p><strong>M\u00fcnster, 15.3.2001, 15:18 Uhr. Ein Telefon klingelt. Jemand hebt ab.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>Ja?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Kai Florian Becker. Guten Tag.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Wer sind Sie?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ich rufe wegen des Interviews an, das f\u00fcr 15 Uhr anberaumt war.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Richtig, war aber leider besetzt bei mir. Ganz dumme Sache.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Keine Sorge, ich bin geduldig.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Das war mein Management. Es gab zu viel zu besprechen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Sie haben aber jetzt Zeit?<\/p>\n\n\n\n<p><em>Jaaaa.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Sch\u00f6n. Ganz vorweg eine Frage zur &#8222;Zimmer Frei&#8220;-Sendung mit Charlotte Roche: Wo bitte kann man diese wundersch\u00f6ne Elviskopfbedeckung erstehen?<\/p>\n\n\n\n<p><em>Die hat unsere Maske angefertigt. Es kann auch sein, dass sie ein Restbestand des K\u00f6lner Karnevals gewesen ist.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Die hat mir gut gefallen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Ja, mir auch. Ich fand das sehr au\u00dferirdisch.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Eine Frage zu Charlotte Roche bzw. zum Adolf Grimme-Preis: Wem g\u00f6nnen Sie in diesem Jahr die Auszeichnung?<\/p>\n\n\n\n<p><em>Ich wei\u00df ja gar nicht, wer nominiert ist.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Dann anders: G\u00f6nnen Sie ihn Charlotte Roche?<\/p>\n\n\n\n<p><em>Sollen ich ihnen mal ehrlich was sagen? Ich habe die Sendung mit ihr noch nie gesehen. Ich habe, bevor ich erfuhr, dass Charlotte Roche kommt, diesen Namen auch noch nie geh\u00f6rt, weil ich in meinem Leben nie auf die Idee k\u00e4me, Viva zu gucken.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Warum nicht?<\/p>\n\n\n\n<p><em>Weil da immer die Musik l\u00e4uft, die ich nicht ausstehen kann.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Aber Viva 2 ist anderes als Viva.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Ist doch auch Rockmusik, oder?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Im entferntesten Sinne schon.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Ja, sehen Sie mal.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Also interessieren Sie sich nicht f\u00fcr Rockmusik.<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u00dcberhaupt nicht.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Sondern?<\/p>\n\n\n\n<p><em>Ich h\u00f6re Jazz und Opern. Und deutsche Schlager der Vor- und Nachkriegszeit sowie Unterhaltungsmusik. Ich mache mir \u00fcberhaupt nichts aus Rock und Pop. Gar nichts.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Sie haben aber mal f\u00fcr die Popmusikzeitschrift &#8222;Spex&#8220; geschrieben\u2026<\/p>\n\n\n\n<p><em>Artikel \u00fcber K\u00fcnstler der Nachkriegszeit. Ja. Das war so eine Sache auf Freundschaftsbasis. F\u00fcr Leute, die damals f\u00fcr die &#8222;Spex&#8220; t\u00e4tig waren. Als ich anfing zu schreiben, war noch Gerald H\u00fcndgen der Chefredakteur. Clara Drechsler war zu der Zeit noch sehr wichtig. Das ganze erkaltete leicht im Jahre &#8217;85, als H\u00fcndgen aufh\u00f6rte und Diedrich Diederichsen Chef wurde. Bald darauf ist es eingeschlafen. Ich glaube, ich habe &#8217;86 meine letzten Artikel ver\u00f6ffentlicht. (kurze Pause) Nat\u00fcrlich g\u00f6nne ich Charlotte Roche den Grimme-Preis.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Im April wird ihre neue CD &#8222;Filmreif&#8220; erscheinen. Was k\u00f6nnen wir davon erwarten? Ich selbst kenne leider nur ihre letztes Album &#8222;Zuckers\u00fc\u00df&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Es ist stilistisch nicht viel anders. \u00c4hnlich, mit teilweise anderen Mitteln. Deshalb sind sehr viele Schlager aus Filmen dabei. Es waren eigentlich immer Filmschlager dabei, diesmal nur ein paar mehr. Der Klang ist etwas anders. Wir haben keine Bl\u00e4ser dabei, daf\u00fcr ein Ensemble aus sechs Operns\u00e4ngern und Streichern. Ich sage immer: Es ist jazzartige, deutschsprachige Musik.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Sind Sie auf der B\u00fchne ausschlie\u00dflich Musiker oder auch der Entertainer, den man zum Beispiel aus &#8222;Zimmer Frei&#8220; kennt?<\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;Zimmer Frei&#8220; ist ja ein komplett improvisiertes Format. Das ist auf der B\u00fchne nicht so. Die Lieder haben feste Arrangements, und irgendwann h\u00f6rt man auf, jeden Abend neue Witze auszuprobieren. Man kann nicht 120 Mal im Jahr einen Abend neu erfinden, um eine gewisse gleichbleibende Qualit\u00e4tsstufe aufrechtzuerhalten. Das ist schwierig. Zu Beginn einer Tournee wird noch viel improvisiert; dann versucht man das im Ged\u00e4chtnis zu behalten, was gut ankam. Nat\u00fcrlich, es \u00e4ndert sich st\u00e4ndig noch etwas und m\u00e4andert an den R\u00e4ndern des Programms vor sich hin, doch nach 30 bis 40 Vorstellungen ist ein Programm festged\u00fcbelt.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sendungsbewu\u00dftsein<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wie wichtig ist ihnen Abwechslung?<\/p>\n\n\n\n<p><em>Meinen Sie im Leben oder auf der B\u00fchne?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Als Entertainer &#8211; sprich bei Radio, TV und Musik\u2026<\/p>\n\n\n\n<p><em>Wenn ich Radio mache, bin ich sicherlich von einem gr\u00f6\u00dferen Sendungsbewusstsein getrieben, als wenn ich auf der B\u00fchne stehe. Ich mache ja Spezialit\u00e4ten-Radio und stelle Musiksendungen f\u00fcr den Abend zusammen. Dazu benutze ich ausschlie\u00dflich mein eigenes Schallarchiv. Das hat also nichts mit \u00fcblichen Radioformaten zu tun. Sendungsbewusstsein habe ich auf der B\u00fchne \u00fcberhaupt nicht und im Fernsehen auch nur bis zu einem gewissen Grad. Da gibt es also in mir verschiedene\u2026 (kurze Pause)&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>G\u00f6tze!<\/p>\n\n\n\n<p><em>Sehr sch\u00f6n. Danke. (lacht) Ja, der Live-G\u00f6tz ist sicherlich ein Mann, der nur an diesen einen Abend denkt. Der will, dass am Ende der Vorstellung begeisterte Menschen nach Zugabe rufen. Im Rundfunk habe ich eine andere Funktion und im Fernsehen wahrscheinlich auch.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Welches der drei genannten Medien macht ihnen am meisten Spa\u00df?<\/p>\n\n\n\n<p><em>Es gibt Tage auf Tournee, wo man nicht so viel Lust hat. Das \u00e4ndert sich dann meist, wenn das Konzert anf\u00e4ngt. Es gibt auch Drehtage, die einen nicht so gl\u00fccklich machen. Auch da \u00e4ndert sich das manchmal, wenn die Kameras an sind. Das changiert. (mit erhobener Stimme) Auch Pflicht kann Freude machen.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Sie haben gesagt, Sie spielen im Radio Lieder aus ihrem eigenen Schallarchiv. Wo finden Sie neues Material?<\/p>\n\n\n\n<p><em>Ich kaufe bei Spezialit\u00e4tenh\u00e4ndlern im Ausland. Ich informiere mich regelm\u00e4\u00dfig dar\u00fcber, was es an Wiederver\u00f6ffentlichungen gibt.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Das stelle ich mir in Ihrem besonderen Falle nicht einfach vor.<\/p>\n\n\n\n<p><em>So schwierig ist das gar nicht. Es gibt einige Fanzines, die ich mir halte. Dar\u00fcber hinaus wird mir vieles angeboten. Es hat sich im Laufe der Jahre rumgesprochen, was ich mache. \u00d6fters kommen Leute auf mich zu, die mir Noten oder Schallplatten anbieten.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Sie sind demnach noch richtiger Sammler.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Ja, die Sammelleidenschaft ist noch nicht erkaltet. Ich habe gerade wieder eine gr\u00f6\u00dfere Schellacksammlung von einem \u00e4lteren Herrn geschenkt bekommen. Da sind ganz tolle Sachen dabei. Ich habe mittlerweile auch die entsprechende Technologie, um mir Schellackplatten anzuh\u00f6ren und sie zu \u00fcberspielen.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Woher nehmen Sie die Zeit, all diesen Dingen nachzugehen?<\/p>\n\n\n\n<p><em>Ich habe keine Zeit.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Was ist mir Ihrer Familie? Die m\u00fcsste ihnen doch aufs Dach steigen\u2026<\/p>\n\n\n\n<p><em>Ja, aber die Familie freut sich, dass es ihr gut geht.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Und Ihnen?<\/p>\n\n\n\n<p><em>Mir geht es auch gut. Danke der Nachfrage.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ich habe gelesen, dass Sie an einem Buch \u00fcber Unterhaltungsmusik arbeiten.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Oh, das ist ein wunder Punkt. Da arbeite ich bereits lange dran, und das h\u00e4tte schon l\u00e4ngst fertig sein sollen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Wann wird es denn fertig sein?<\/p>\n\n\n\n<p><em>Ja, demn\u00e4chst irgendwann. Es ist keine umfassende Anthologie. Es ist ein spekulatives Sachbuch. Mit anekdotischen Kapiteln, die sich mit einzelnen K\u00fcnstlern besch\u00e4ftigen, und ein paar verbl\u00fcffenden Geschichten &#8211; die meisten davon sind wahr.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Im Februar sollen Sie f\u00fcr das ZDF in Hamburg die &#8222;G\u00f6tz Alsmann Show&#8220; aufgenommen haben. Stimmt das?<\/p>\n\n\n\n<p><em>Das war nur ein Pilot.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Und? Wie war es?<\/p>\n\n\n\n<p><em>Lustig. Das Konzept ist bereits von einer Sendung, die ich fr\u00fcher f\u00fcr den NDR gemacht habe, bekannt. Es ist eine musikalische Late Night-Show. Es ist ziemlich fix aus dem Boden gestampft worden. Einfach nur, um auszuprobieren, wie so etwas geht. Interessant f\u00fcr mich war, dass meine Band mit von der Partie war. So wie damals beim NDR. Zudem waren wunderbare G\u00e4ste da. Zum Beispiel Reinhard Mey.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Soll diese Sendung jeden Abend laufen?<\/p>\n\n\n\n<p><em>Nein, um Gottes Willen. Es geht ja ums ZDF. Einmal w\u00f6chentlich ist geplant. Der Artikel in der &#8222;Gala&#8220; vom 08. M\u00e4rz war doch sehr irref\u00fchrend. Da hie\u00df es: Achtung, Harald Schmidt, zieh dich warm an. Das ist sehr \u00fcbers Ziel hinausgeschossen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Lesen Sie regelm\u00e4\u00dfig das, was \u00fcber Sie geschrieben wird?<\/p>\n\n\n\n<p><em>Ich versuche Kritiken zu meinen Gastspielen zu verfolgen. Au\u00dferdem h\u00e4lt mich der Pressemann von &#8222;Zimmer Frei&#8220; auf dem Laufenden.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>M\u00fcssen Sie sich oft \u00fcber Artikel \u00e4rgern?<\/p>\n\n\n\n<p><em>Das kommt immer drauf an, was geschrieben wurde. Vor einiger Zeit stand zum Beispiel in einem Berliner Boulevardblatt, dass meine Frau mich rausgeschmissen h\u00e4tte. Sie sitzt mir gerade gegen\u00fcber, das nur zur Kl\u00e4rung. Das stand einfach so da. Nur weil jemand noch eine Zeile voll zu schreiben hatte. Das habe ich Gott sei Dank erst Monate sp\u00e4ter erfahren, so dass ich es auf die leichte Schulter nehmen konnte.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4ren Sie ansonsten dagegen vorgegangen?<\/p>\n\n\n\n<p><em>Sagen wir mal so: Wenn es montags erschienen w\u00e4re, dienstags h\u00e4tte ich es erfahren und mittwochs w\u00e4re die Gegendarstellung drin gewesen. Dann ja. Aber so nicht. Morgen wird ein toter Fisch drin eingewickelt.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Wahrscheinlich. Heute wird die Echo-Verleihung ausgestrahlt. Werden Sie sich das anschauen?<\/p>\n\n\n\n<p><em>Das wusste ich gar nicht. (kurze Pause) Letztes Jahr war ich sogar in der Kategorie &#8222;Internationale Jazz Produktion&#8220; nominiert.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Und?<\/p>\n\n\n\n<p><em>Wir haben knapp gegen den Buena Vista Social Club verloren.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Gegen die kann man ruhig verlieren.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Ich wusste nicht einmal, dass ich nominiert war. Die Plattenfirma hatte vergessen, es mir zu sagen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Da stimmt die Kommunikation ja noch.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Ja, war mal was Neues.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Haben Sie eigentlich ein Lieblingslied?<\/p>\n\n\n\n<p><em>Nein, wer so viel Musik h\u00f6rt wie ich, der hat kein Lieblingslied. H\u00f6chstens Lieder, die Tempor\u00e4rfavoriten sind und dann so oft geh\u00f6rt werden, bis man sie nicht mehr ertragen kann.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ich h\u00e4tte jetzt ein paar Fragen zur Sendung &#8222;Zimmer Frei&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Nur zu.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Nach welchen Kriterien w\u00e4hlen Sie ihre G\u00e4ste aus?<\/p>\n\n\n\n<p><em>Ich wei\u00df es nicht genau, weil ich nicht an der Auswahl der G\u00e4ste beteiligt bin. Das macht die Redaktion. Ich habe aber ein Vetorecht, von dem ich bisher aber erst zweimal Gebrauch gemacht habe.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ich w\u00fcrde jetzt nat\u00fcrlich nur zu gerne wissen, bei wem.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Das habe ich bereits selbst vergessen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Sehr diplomatisch.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Man muss dazu sagen, dass auch manchmal ein Gast einspringt, wenn ein anderer unverhofft absagt. Es ist aber auch zu beobachten, dass mittlerweile viele zu uns kommen, die vor zwei Jahren nicht kommen wollten. Schlie\u00dflich ist die Sendung sehr erfolgreich geworden und bietet den Protagonisten die Chance, sich eine Stunde lang darzustellen. Das kommt ansonsten im Fernsehen nicht mehr h\u00e4ufig vor.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Viele halten sich anscheinend f\u00fcr lustig.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Warum kommen manche G\u00e4ste in ihre Sendung, obwohl sie keinen Spa\u00df zu verstehen scheinen. Ich denke da insbesondere an \u2026 na, an einen Komiker\u2026<\/p>\n\n\n\n<p><em>Nur raus damit.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>An Dirk Bach. Das ging nach hinten los.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Das kann man wohl sagen. Wir haben die Sendung auch jahrelang nicht gezeigt. Ja, warum tun die sich das an? Das ist eine gute Frage. Nun war die Sendung mit Dirk Bach auch dadurch gekennzeichnet, dass sie nicht optimal vorbereitet war. Er war sauer, dass er zum 20. Mal in einer WDR-Sendung war, und zum 20. Mal schenkt man ihm ein Stofftier. Das hat ihm nicht gefallen. Andererseits war das letztendlich nicht so dramatisch. Es ist ein Ph\u00e4nomen. Viele halten sich anscheinend f\u00fcr lustig. Zu meiner NDR-Zeit gab es auch Schauspieler, die meinten, sie k\u00f6nnten singen. Dann stellte sich heraus, sie hatten bis dahin lediglich beim Abwaschen Lieder aus dem Radio mitgesungen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Wie geht es Ihnen heute, wenn Sie Dirk Bach treffen?<\/p>\n\n\n\n<p><em>Vollkommen entspannt. Wir haben in der Zwischenzeit andere Projekte gemacht und uns dabei getroffen. Nein, wir haben pers\u00f6nlich keine Probleme miteinander.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Seitdem ich die Sendung gesehen habe, muss ich wegschalten, wenn ich ihn auf dem Bildschirm sehe. Ich bin da etwas gebrandmarkt.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Wollen Sie jetzt von mir negative Statements \u00fcber Dirk Bach h\u00f6ren?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Nein, keinesfalls.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Ich kann es verstehen: Die Sendung war ungl\u00fccklich. Das muss man einfach sagen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Wie viele nicht ausgestrahlte Sendungen liegen derzeit im Archiv?<\/p>\n\n\n\n<p><em>Eine einzige.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Und welche das ist, wollen Sie mir bestimmt nicht sagen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Doch, das kann ich ihnen gerne sagen. Es ist die Sendung mit Cherno Jobatey.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Stimmt. Die liegt ja schon l\u00e4nger im Archiv. Ist wahrscheinlich auch einer ihrer Lieblingsg\u00e4ste.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Ja, absolut.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Wer war denn ihr angenehmster Gast, und wer hat die besten Chancen in die WG aufgenommen zu werden? Udo Kier?<\/p>\n\n\n\n<p><em>Udo Kier war ein sehr angenehmer Gast. Ich habe die Sendung leider selbst noch nicht gesehen. Es ist etwas v\u00f6llig anderes, wenn Sie die Sendung viereckig sehen als sie selbst mitzuerleben. In letzter Zeit waren sicherlich sehr angenehme G\u00e4ste da: Annette Frier oder gestern Abend die Aufzeichnung mit Oliver Kalkofe. Charlotte Roche war auch klasse. Das war ein gutes Gef\u00fchl an dem Abend. (bl\u00e4ttert kurz in seinen Unterlagen und fliegt \u00fcber die Liste der letzten Sendungen) Ich sag mal, Christine Kaufmann war jetzt nicht so der Bringer. Patrick Lindner? (\u00fcberlegt)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Auf die freue ich mich schon.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Genau. Die liegt schon eine Weile rum. Das ist die Letzte vom letzten Jahr. Aber die hat wenigstens einen Sendeplatz.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Wie oft schon hatten Sie in einer Sendung zu viel getrunken? Ich kann mich an eine Folge mit Claudia Jung erinnern, in der es fr\u00f6hlich und heiter zuging.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Da liegen Sie absolut richtig. Gestern Abend war auch so eine Sendung. Das lag daran, dass wir mit Oliver Kalkofe einen Wettbewerb machten. Es ging darum, herauszufinden, wer sich am meisten Eierlik\u00f6rsahne aus einer Spr\u00fchflasche in den K\u00f6rper spr\u00fchen kann.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Wer kommt bitte auf solche Ideen?<\/p>\n\n\n\n<p><em>Unsere Autoren. Dann ist nat\u00fcrlich mein sportlicher Ehrgeiz herausgefordert. Ich habe mit Abstand gewonnen. Mit dem Ergebnis, dass mir schlecht war und ich dieses Gef\u00fchl unmittelbar mit Unmengen an Wodka bek\u00e4mpft habe. Ich fragte mich danach: War das jetzt so gut? Aber wahrscheinlich war es das.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>\u00c4rgern Sie sich manchmal im Nachhinein \u00fcber etwas, das Sie gesagt haben?<\/p>\n\n\n\n<p><em>Nein, ich \u00e4rgere mich h\u00f6chstens dar\u00fcber, etwas nicht gesagt zu haben.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>M\u00fcssen Sie sich oft auf die Zunge bei\u00dfen?<\/p>\n\n\n\n<p><em>Nein, ab und an, und das \u00e4rgert mich sp\u00e4ter. Ich m\u00f6chte aber nicht zu Beginn einer Sendung Kriegsbeile ausgraben. In einem konkreten Fall h\u00e4tte ich es mal ruhig tun sollen. Nein, in zwei F\u00e4llen. Das eine war ein Mann, das andere eine Frau. Beide Sendungen wurden \u00fcbrigens ausgestrahlt.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Was sch\u00e4tzen Sie eigentlich an ihrer Partnerin Christine Westermann?<\/p>\n\n\n\n<p><em>Ich finde, wir moderieren eifersuchtsfrei. Was f\u00fcr eine Doppelmoderation ungew\u00f6hnlich ist. Sie kann sehr schnell eine sehr intime Stimmung herstellen. Darin ist sie eine unglaubliche Meisterin.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Irritieren Sie manchmal ihre Fragen?<\/p>\n\n\n\n<p><em>Nicht mehr.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Manchmal sitzen Sie da, sch\u00fctteln den Kopf und wundern sich. Obwohl Frau Westermann vielleicht gar nicht das sagen wollte, was sie gesagt hat.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Das ist ein Problem, das sie wahrscheinlich gelegentlich hat. Wobei, das ist gar kein Problem.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Nein, es macht sie eher sympathisch.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Ich bin ab und zu schon verwundert, aber nicht schockiert.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Woher nehmen Sie ihre bewundernswerte Spontaneit\u00e4t?<\/p>\n\n\n\n<p><em>Ich habe mir mein kindliches Gem\u00fct bewahrt. (Er lacht laut, fast zu laut.)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Sie werden also nie erwachsen?<\/p>\n\n\n\n<p><em>Doch, ich bin sogar erwachsen. Ich muss nur nicht in jeder Lage meines Lebens erwachsen sein.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Inwiefern ist Quote f\u00fcr sich wichtig?<\/p>\n\n\n\n<p><em>Ohne Quote \u00fcberlebt die Sendung nicht. Ich war bei gen\u00fcgend Sendern, um zu wissen, warum eine Sendung abgesetzt wird.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>W\u00fcnschen Sie sich einen anderen Sendeplatz als sonntags um 23 Uhr?<\/p>\n\n\n\n<p><em>Nein, nicht f\u00fcr &#8222;Zimmer Frei&#8220;. Wir hatten schon Anderes versucht und es schlug negativ zu Buche.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Das liegt wohl daran, dass es so sp\u00e4t keine potenzielle Konkurrenz gibt.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Ja, wir hatten es um 20:15 Uhr und um 22 Uhr probiert. Aber die Deutschen haben per Grundgesetz vorgeschriebene Fernsehgewohnheiten am Sonntag. Erst &#8222;Tatort&#8220;, dann &#8222;Christiansen&#8220;. Daher m\u00fcssen wir so sp\u00e4t an den Start, um \u00fcberhaupt noch etwas rei\u00dfen zu k\u00f6nnen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Aber Christiansen schaut doch hoffentlich niemand.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Na, Sie haben es ja faustdick hinter den Ohren.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Wor\u00fcber k\u00f6nnen Sie im Fernsehen lachen?<\/p>\n\n\n\n<p><em>Och, es gibt vieles, \u00fcber das ich lache. Wobei nicht alles zum Lachen gemacht ist. Oftmals muss ich mich auch \u00e4rgern.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Raab oder Schmidt: Wer ist ihr Favorit?<\/p>\n\n\n\n<p><em>Ich glaube, dass sich &#8222;TV Total&#8220; vom Charakter her vielleicht nicht so nat\u00fcrlich f\u00fcrs T\u00e4gliche anbietet wie es die &#8222;Harald Schmidt Show&#8220; tut. Die regelm\u00e4\u00dfigen Features bei Schmidt, mit kleinem Besteck gemacht, eignen sich besser f\u00fcr den t\u00e4glichen Late Night-Verzehr als die doch laut und bombastisch daherkommende Show von Stefan Raab. Ich muss aber auch in einer Hinsicht passen. In letzter Zeit war ich viel auf Tournee und habe von der Raab-Show wenig sehen k\u00f6nnen. Wie dem auch sei: Ich tendiere alters- und humorm\u00e4\u00dfig eher in die andere Abteilung. Ich finde Raab dennoch sehr gut.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Raabs Humor ist vielleicht etwas mittelst\u00e4ndiger gelagert.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Nicht, dass Sie mir das als Zitat in den Mund legen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Keine Sorge.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Sie merken: Ich bin sehr vorsichtig, weil ich mich beiden verbunden f\u00fchle. Das ist, wie wenn ich \u00c4pfel mit Birnen vergleichen soll. Schmidts Humor ist sicherlich intellektueller. Er geht auch das Risiko ein, einstecken zu m\u00fcssen. Das macht Raab nicht.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Au\u00dfer bei Faustk\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Ja, okay. Ich meinte das mehr\u2026<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>\u2026 metaphorisch. Ich wei\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p><em>In der Tat. Abgesehen davon, w\u00fcnsche ich ihm allen Erfolg der Welt.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Welchen Gast w\u00fcnschen Sie sich noch f\u00fcr &#8222;Zimmer Frei&#8220;?<\/p>\n\n\n\n<p><em>Tja, eine schwierige Frage. Ich w\u00fcrde mir mehr von den alten Heroen der Unterhaltungskunst w\u00fcnschen: Manfred Krug, Peter Alexander, Udo J\u00fcrgens. In dieser Preisklasse etwa.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Warum kommen die nicht? Werden sie nicht eingeladen?<\/p>\n\n\n\n<p><em>Nein, nur einige gehen grunds\u00e4tzlich nirgends hin. So wie Krug, der mir einen sehr netten Brief geschrieben hat, warum er nicht kommt. Juhnke hingegen war ja da. Manche schreckt die Tatsache, dass vorher nichts abgesprochen wird, ab. Andere sagen, ich habe nicht genug Humor f\u00fcr eine Stunde. Wiederum andere sagen, Alsmann macht mich krank.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ist das ein Kompliment?<\/p>\n\n\n\n<p><em>Kommt drauf an, wer es ausspricht. Ich w\u00fcnsche mir jedenfalls, dass sich noch einige von denen, die ich auch verehre, zu uns aufmachen. Ich wei\u00df nur nicht, ob es die Redaktion begr\u00fc\u00dfen w\u00fcrde.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ein paar &#8222;Zimmer Frei&#8220;-Fragen: Welchen Traum wollen Sie sich noch erf\u00fcllen?<\/p>\n\n\n\n<p><em>Wenn es mal ruhiger um mich geworden ist, m\u00f6chte ich mit meinem Sohn eine Reise in die Mongolei unternehmen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ihr Lieblingsgetr\u00e4nk und -essen?<\/p>\n\n\n\n<p><em>Bis vor einiger Zeit war das Tafelspitz. F\u00e4llt leider momentan etwas aus. Der Appetit ist mir vergangen. Ich trinke gerne Kaffeespezialit\u00e4ten italienischer Herkunft. Oder Schn\u00e4pse: Obstbr\u00e4nde vor allem.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Und lieber Bier als K\u00f6lsch.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Definitiv. Aus Geschmacksgr\u00fcnden. Das Hauptproblem ist, dass K\u00f6lsch oft zu warm ausgeschenkt wird. Ich trinke zudem lieber Bier als Wein.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Was darf in ihrem K\u00fchlschrank nicht fehlen?<\/p>\n\n\n\n<p><em>K\u00e4se. K\u00e4sespezialit\u00e4ten aller Art. Ich esse gerne K\u00e4se, der lebt. Wenn Sie im Saarland sind, werden Sie ja wissen, wovon ich spreche.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich. Welchen Film k\u00f6nnen Sie sich immer wieder anschauen?<\/p>\n\n\n\n<p><em>Da ich weit \u00fcber zehn Jahren nicht mehr im Kino war, ist das schwer. Mir gefallen sehr gut &#8222;Auf Leben und Tod&#8220; und &#8222;Diva&#8220;, zwei franz\u00f6sische Filme aus den Jahren 1979 und 1981. Was \u00e4ltere Filme anbelangt, bleibe ich auf ewig ein Freund der schwarzen Serien der 50er und 60er Jahre. Und ich mag der &#8222;Mustergatte&#8220; mit Heinz R\u00fchmann.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Womit bek\u00e4mpfen Sie Anf\u00e4lle von Stress und schlechter Laune? Im Fernsehen wirken Sie selten schlecht gelaunt.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Ich bin auch selten schlecht gelaunt. Manchmal vielleicht etwas ungn\u00e4dig. Ein kleines Nickerchen oder ein Bad helfen. Ich komme nachts nach einem Konzert heim und bade erst einmal. Ich bin nicht so der Dusch-Typ.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Was sagen Sie zur Vorentscheidung zum diesj\u00e4hrigen Grand Prix?<\/p>\n\n\n\n<p><em>Ich finde, es hat die Richtige gewonnen. Einfach, um Anerkennung zu zeigen, dass sich wieder bekannte Schlagers\u00e4nger in diesen Wettbewerb trauen. Vor drei Jahren war Patrick Lindner mit dem Mut angetreten, eine Niederlage einzustecken &#8211; was auch passierte. Das kann man nur bewundern. Fr\u00fcher nahmen ausschlie\u00dflich namhafte S\u00e4nger teil. Heute sind es Kunstprodukte. Ich hatte gehofft, dass sich durch Guildo Horn da etwas \u00e4ndern w\u00fcrde, doch das ist leider nicht passiert. Daher ist es wahrscheinlich so, wie es jetzt gekommen ist, am besten.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>M\u00f6gen Sie wegen all der Kunstprodukte Popmusik nicht?<\/p>\n\n\n\n<p><em>Nein, es hat mit dem \u00e4sthetischen Empfinden zu tun. Die Musik geht mir auf den Sack. Ich versuche es mal, so einfach wie m\u00f6glich auszudr\u00fccken. (lacht) Ich war mal Kommentator f\u00fcr den SFB bei der Love Parade und kam dabei zu der Erkenntnis, dass die Love Parade die einzige Party auf der Welt ist, die g\u00e4nzlich ohne Musik auskommt.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Welch ein Schlusswort.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich bin nicht so der Dusch-Typ. Ein Telefoninterview mit G\u00f6tz Alsmann, dem vielleicht besten Entertainer Deutschlands. Ob mit der TV-Sendung &#8222;Zimmer Frei&#8220; im WDR, den Radio-Shows &#8222;Go, G\u00f6tz, Go!&#8220; (WDR 4) und &#8222;Jazz&#8220; (WDR 3) oder mit Band auf der B\u00fchne, Alsmann kann und will die Menschen begeistern. 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