{"id":35610,"date":"1996-01-15T11:11:00","date_gmt":"1996-01-15T10:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=35610"},"modified":"2022-08-03T01:21:02","modified_gmt":"2022-08-02T23:21:02","slug":"lydon-john-no-irish-no-blacks-no-dogs","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/1996\/01\/lydon-john-no-irish-no-blacks-no-dogs\/","title":{"rendered":"Lydon, John: No Irish, no blacks, no dogs"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image is-style-default\">\n<figure class=\"alignleft size-large\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/hinternet.de\/musik\/buch\/images\/rotten.jpg\" alt=\"\"\/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Man mu\u00df ihn ja nicht m\u00f6gen, den ehemaligen Frontmann und Kopf der Punk-Heroen THE SEX PISTOLS. Johnny Rotten alias John Lydon war (und ist?) ein irischer Dicksch\u00e4del, ein Exzentriker, ein Zyniker, ein Fiesling, das wei\u00df er selbst. Da\u00df eine stinknormale K\u00fcnstler- bzw. Band-Bio von ihm nicht zu erwarten war, d\u00fcrfte klar sein. Er orientiert sich zwar grob an einer einigerma\u00dfen chronologischen Darstellung seines Lebens, aber ansonsten geht&#8217;s formal schon drunter und dr\u00fcber.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Lydon erz\u00e4hlt von seiner Kindheit, die er in armen Verh\u00e4ltnissen im Londoner Osten mit drei weiteren Br\u00fcdern verlebte. Von seinem Vater, einem Bohrinselarbeiter, Kranf\u00fchrer und Lastwagenfahrer, erbte er wohl seine &#8222;direkte&#8220; Art: Bei etwaigen Konflikten nicht lange \u00fcberlegen oder reden, sondern einfach feste druff!<\/p>\n\n\n\n<p>Lydons sensible Ader hingegen d\u00fcrfte von der 1979 verstorbenen Mutter herr\u00fchren, zu der er eine sehr enge Bindung hatte. W\u00e4hrend seiner ph\u00e4nomenalen PISTOLS-Erfolgsphase rief er sie angeblich t\u00e4glich an, und zur Chaos-Tour durch die USA durfte sie ihn auch &#8211; ganz spontan &#8211; begleiten.<\/p>\n\n\n\n<p>Lydons Jugenderinnerungen und Kommentare zur Bandgeschichte &#8211; wie zu erwarten bissig-ironisch und derb formuliert &#8211; sind eindeutig und direkt; differenziertes Analysieren ist ihm fremd. Prakisch alle Band-&#8222;Kollegen&#8220; und Business-Partner beschreibt er als dumme Arschl\u00f6cher: z. B. den spinnerten Egomanen Malcolm McLaren, die doofen Mitl\u00e4ufer Paul Cook (PISTOLS-Drummer) und Steve Jones (PISTOLS-Gitarrist), das harmonies\u00fcchtige Weichei Glen Matlock (1. PISTOLS-Bassist), dessen Begeisterung f\u00fcr die SMALL FACES u. a. Sixties-Bands er nicht nachvollziehen konnte. Relativ gut kommt der naive, selbstverliebte Sid Vicious (2. PISTOLS-Bassist) weg, den seines Erachtens allein die &#8222;verfickte Schlampe&#8220; Nancy Spungen auf dem Gewissen hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Immer wieder unterbrochen bzw. erg\u00e4nzt werden seine Tiraden durch statements aus dem Freundeskreis: z. B. von Billy Idol, Chrissie Hynde, Julien Temple. Auch sein Vater, die ehrliche Haut, kommt zu Wort.Man erf\u00e4hrt jedenfalls &#8217;ne Menge vom Geist jener wilden Jahre zwischen 1976 und 1979, vom Chaos, vom Drive, von der Power, die die erstarrte Musikszene und die verschlafene Jugend so nachhaltig aufmischte. Und die \u00dcbersetzung tr\u00e4gt ma\u00dfgeblich dazu bei, dieses Gef\u00fchl von Freiheit und Abenteuer auch sprachlich nachzuempfinden.<\/p>\n\n\n\n<p>Lydons Story ist eine spannende, packende &#8222;Leidensstory&#8220;, unverfroren, beleidigend, obsz\u00f6n, bisweilen urkomisch, und das Wichtigste: nie langweilig. Einziger Wermutstropfen: die armselige, fehlerhafte Diskographie.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Lydon, John:<br \/>Johnny Rotten: no Irish, no blacks, no dogs.<br \/>Mein Leben mit den SEX PISTOLS.<br \/>Die autorisierte Autobiographie<br \/>John Lydon mit Keith und Kent Zimmerman.<br \/>Aus dem Englischen.<br \/>St. Andr\u00e4-W\u00f6rdern: Hannibal, 1995. 271 S. m. Abb. DM 45.<br \/>ISBN 3-85445-102-4<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Man mu\u00df ihn ja nicht m\u00f6gen, den ehemaligen Frontmann und Kopf der Punk-Heroen THE SEX PISTOLS. Johnny Rotten alias John Lydon war (und ist?) ein irischer Dicksch\u00e4del, ein Exzentriker, ein Zyniker, ein Fiesling, das wei\u00df er selbst. Da\u00df eine stinknormale K\u00fcnstler- bzw. Band-Bio von ihm nicht zu erwarten war, d\u00fcrfte klar sein. 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