{"id":35634,"date":"2003-03-25T11:11:37","date_gmt":"2003-03-25T10:11:37","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=35634"},"modified":"2022-08-03T00:47:31","modified_gmt":"2022-08-02T22:47:31","slug":"carl-magnus-palm-licht-und-schatten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2003\/03\/carl-magnus-palm-licht-und-schatten\/","title":{"rendered":"Carl Magnus Palm: Licht und Schatten"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image is-style-default\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><a href=\"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/palm-abba.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/palm-abba.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-36096\" width=\"175\" srcset=\"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/palm-abba.jpg 315w, https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/palm-abba-95x150.jpg 95w\" sizes=\"(max-width: 315px) 100vw, 315px\" \/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Diese Geschichte bewegt noch immer: zwei Paare, die als Pop-Quartett Musik machen. Eine schwedische Band, die die Welt erobert. Vier Menschen, die ganz unterschiedliche Hintergr\u00fcnde mitbringen und auch auf unterschiedliche Weise mit dem Ruhm fertig werden. Und dann nat\u00fcrlich die Songs: Waterloo, SOS, The Winner takes it all\u2026 Diese Geschichte \u2013 rund 30 Jahre danach: Stoff f\u00fcr ein wahres Epos, dachte sich Carl Magnus Palm.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Auf \u00fcber 600 Seiten l\u00e4sst er die unglaubliche Erfolgsstory von Abba Revue passieren. Und da gibt es tats\u00e4chlich viel zu erz\u00e4hlen. Vieles, das man nicht \u00fcber die Band wei\u00df. Auch viel pers\u00f6nliche Tragik.<\/p>\n\n\n\n<p>Am spannendsten ist die Geschichte der Band, die nat\u00fcrlich von den Menschen nicht zu trennen ist. Wie viel Energie, wie viel Einsatz (auch des legend\u00e4ren Abba-Managers Stig Anderson) es bedurfte, um diese Band tats\u00e4chlich zu Weltstars zu machen, ahnt man nicht. Denn offensichtlich reicht(e) es als Schweden nicht aus, einfach nur gute Songs zu schreiben, da musste schon eine geballte Portion Ehrgeiz dazukommen. Allein schon, um den technischen Vorsprung der Engl\u00e4nder und Amerikaner wettzumachen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie die Abba-M\u00e4nner (und ihr wichtigster Studiotechniker) sich bem\u00fchen, die Aufnahmetricks eines Phil Spector nachzuahmen, geh\u00f6rt zu den spannendsten Details der Abba-Story.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber auch die Freundschaft von Bj\u00f6rn und Benny: eine schwedische Ausgabe von Lennon\/McCartney, nur weniger spannungsgeladen und bis heute andauernd. H\u00e4tten sich die beiden Musikbesessenen nicht getroffen, es h\u00e4tte Abba wohl so nie gegeben.<\/p>\n\n\n\n<p>Palm erz\u00e4hlt auch die wichtige Geschichte vor Abba, die man kennen muss, um den Erfolg von Abba richtig einsch\u00e4tzen zu k\u00f6nnen: denn bis auf Frida (die \u201enur\u201c Achtungserfolge vorweisen konnte) waren alle Abbas auch vorher schon Stars in Schweden. Bj\u00f6rn und Agnetha kann man getrost als Teenager-Stars beschreiben. Alle vier hatten sich der Musik mit Haut und Haaren verschrieben. Agnetha zum Beispiel schrieb viele ihrer Songs als Solo-K\u00fcnstlerin selbst (vor allem in jungen Jahren, aber auch in der Post-Abba-Zeit wieder).<\/p>\n\n\n\n<p>Das alles reichte ihnen aber nicht, vor allem den M\u00e4nnern nicht. Sie ahnten, wie kongenial sie als Team arbeiten w\u00fcrden, und mit viel M\u00fche erk\u00e4mpften sie sich die Zeit, miteinander zu komponieren. Die Frauen wuchsen eher zuf\u00e4llig in das Projekt hinein, wurden dann aber zum Markenzeichen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der mehrfache Anlauf zum Grand Prix, das Bewusstsein, eine perfekte Einheit zu bilden (das viel sp\u00e4ter kam, als man denkt: es schien, als sei allen vieren erst mit \u201eWaterloo\u201c aufgegangen, dass das eigentliche Provisorium Abba der Schl\u00fcssel zum Erfolg war), das best\u00e4ndige Ringen, ja K\u00e4mpfen um die Weltkarriere und musikalische Weiterentwicklung, die Verachtung durch das linksgerichtete schwedische Musik-Establishment\u2026 Nach der Lekt\u00fcre von \u201eLicht und Schatten\u201c f\u00e4llt viel M\u00e4rchenhaftes vom Abba-Mythos ab, denn das Buch macht klar, wie zerm\u00fcrbend und kr\u00e4ftezehrend der Weg zum Pop-Olymp war. Die fr\u00f6hliche Clique in den quietschbunten Seventies-Kost\u00fcmen war sich ihrer Vormachtsstellung eigentlich nie gewiss. In den Abba-Jahren d\u00fcrfte sie ihren Erfolg nur selten wirklich genossen haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Buch erz\u00e4hlt akribisch genau den musikalischen Lebenslauf von Abba. Nicht zuf\u00e4llig ist der Autor auch derselbe der \u201eAbba Recording-Sessions\u201c\u2026 Leider sind die Stories hinter den Songs selbst nicht so schillernd wie etwa bei den Beatles. Trotzdem ist es faszinierend zu erfahren, wie Songs wie \u201eRing Ring\u201c oder \u201eChiquitita\u201c wuchsen. Dass der Arbeitstitel von \u201eDancing Queen\u201c \u201eBoogaloo\u201c war. Und dass zum Beispiel das grandiose \u201eSummer Night City\u201c (pers\u00f6nlicher Favorit der Autorin, r\u00e4usper) Abba selbst als mehr oder weniger verungl\u00fcckt galt. Eigentlich ist \u201eLicht und Schatten\u201c ein Buch, dass sich angehende Popstars sorgf\u00e4ltig durchlesen sollten. Danach wird ihr Berufswunsch ein anderer sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Vielleicht auch, weil sie vor allem das Schicksal Agnethas anr\u00fchren wird. Der Star der Band ist auch das Abba-Mitglied, das am meisten unter dem Fanrummel zu leiden hatte, nach der Trennung von Bj\u00f6rn (fast) allein mit zwei Kindern dastand und mehr denn je zum Objekt der Klatschreporter wurde. Ihr pers\u00f6nlicher Weg vom selbstbewussten M\u00e4dchen, das vom Leben als Singer-Songwriterin tr\u00e4umte und sp\u00e4ter eine Liaison mit einem durchgeknallten Agnetha-Fan einging, ist das Traurigste am ganzen Buch.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei aller pers\u00f6nlicher Tragik w\u00e4re es aber nicht n\u00f6tig gewesen, jede einzelne Halsentz\u00fcndung der Abba-Mitglieder zu erw\u00e4hnen, immer wieder aufs Neue den m\u00fctterlichen Trennungsschmerz Agnethas zu beschreiben und gebetsm\u00fchlenartig zu wiederholen, wie sehr die Abbas den Rummel leid waren. Das Buch ist gut 300 Seiten zu lang und stellenweise peinlich devot. Carl Magnus Palm ist Abba-Fan, vertraut aber offenbar so wenig den Fakten ihrer Karriere, dass er sie manisch vor Kritikern in Schutz nehmen und verteidigen muss. Auch das macht den Text zu lang. \u201eLicht und Schatten\u201c \u2013 besser kann man ihn nicht beschreiben.<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Carl Magnus Palm: Licht und Schatten<br \/>Abba - Die wahre Geschichte<br \/>(Bosworth Edition)<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Diese Geschichte bewegt noch immer: zwei Paare, die als Pop-Quartett Musik machen. Eine schwedische Band, die die Welt erobert. Vier Menschen, die ganz unterschiedliche Hintergr\u00fcnde mitbringen und auch auf unterschiedliche Weise mit dem Ruhm fertig werden. 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