{"id":35636,"date":"2003-05-01T11:11:55","date_gmt":"2003-05-01T09:11:55","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=35636"},"modified":"2022-08-03T00:41:56","modified_gmt":"2022-08-02T22:41:56","slug":"nelson-george-rb","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2003\/05\/nelson-george-rb\/","title":{"rendered":"Nelson George: R&#038;B"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image is-style-default\">\n<figure class=\"alignleft size-large is-resized\"><a href=\"https:\/\/hinternet.de\/musik\/buch\/images\/george.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/hinternet.de\/musik\/buch\/images\/george.jpg\" alt=\"\" width=\"175\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Nelson George ist ein US-amerikanischer Autor, Journalist und Filmemacher. Sein Buch &#8222;The Death of Rhythm &amp; Blues&#8220; erschien bereits 1988, 1990 erschien eine deutsche Ausgabe bei Hannibal unter dem gleichen Titel. Mit &#8222;R&amp;B&#8220; legt der junge Freiburger Verlag Orange Press das Buch in einer Neu\u00fcbersetzung vor.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Genaugenommen ist der Untertitel &#8222;Die Geschichte der schwarzen Musik&#8220; irref\u00fchrend. Denn ich habe zwar viel \u00fcber R&amp;B\/Soul\/schwarze Musik erfahren, aber das wenigeste davon war musikalischer Natur. Wer sich umfassend \u00fcber Stile und Interpreten der schwarzen Musik informieren will, der muss wohl zu einem anderen Buch greifen. Daf\u00fcr lernt man bei Nelson George viel \u00fcber die \u00f6konomischen und politischen Bedingungen unter denen die schwarze Musik entstand und irgendwann auch den Weg in die Charts fand.<\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;\u2026mit der &#8218;Rhythm and Blues-Welt&#8216; ist auch etwas Au\u00dfermusikalisches gemeint. R&#8217;n&#8217;B &#8211; und Musik im Allgemeinen &#8211; war schon immer integraler Bestandteil der schwarzen Gemeinschaft, die politische, \u00f6konomische und geografische Begleitumst\u00e4nde zusammenschwei\u00dfte&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Das Buch beginnt anfangs des 20.Jahrhunderts mit den Schwarzenf\u00fchrern Booker T. Washington und W.E.B. DuBois und deren Philosophien von Eingliederung bzw. Eigenst\u00e4ndigkeit. Und genau dieses Spannungsfeld zieht sich als roter Faden durch das Buch. Da den Schwarzen die meisten Wege verbaut waren entstand so etwas wie eine Parallelwelt zu der der Wei\u00dfen mit schwarzen Labels, schwarzen Vertriebsformen, schwarzen Radios bis hin zu einer schwarzen Baseballliga.<\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;Assimilation oder Eigenst\u00e4ndigkeit? Will man in den Realit\u00e4ten des amerikanischen Systems vorankommen, ist beides notwendig. Aber nur die Assimilation, die Strategie, die den rassischen Machtblock verw\u00e4ssert zugunsten einer zweifelhaften amerikanischen Identit\u00e4t, hat das Denken der meisten schwarzen Amerikaner bestimmt.&#8220;<\/em> George beklagt diese Tendenz zur Assimilation, die Mitte der 70er Jahre den R&amp;B zu einer &#8222;farbenblinden&#8220; Crossover-Musik verw\u00e4sserte, der die schwarze kulturelle Identit\u00e4t immer mehr verloren ging und die f\u00fcr ihn letztlich zum &#8222;Tod des Rhythm &amp; Blues&#8220; f\u00fchrte.<\/p>\n\n\n\n<p>Georges Stil liesse sich am ehesten als pointillistisch bezeichnen: angerissene Personenbeschreibungen, kurze Anekdoten, die f\u00fcr sich genommen gar nicht viel herzumachen scheinen, erg\u00e4nzen sich nach und nach zu einem Gesamtbild. Ein facettenreiches noch dazu, denn George gelingt es nebenbei noch Einblicke in die Emanzipationsbem\u00fchungen der Schwarzen zu geben (die eben nicht erst mit Rosa Parks begannen, die sich nicht auf den vorgeschriebenen Platz im Bus setzen wollte) genauso wie einen \u00dcberblick \u00fcber die Entwicklung des US-Radios (inkl. Payola. Wo bleibt eigentlich die Skandalgeschichte des deutschen Rundfunks?).<\/p>\n\n\n\n<p>Das f\u00fcr ein Musikbuch recht gesetzte Alter von 15 Jahren mag ein Nachteil sein, der aber nicht gravierend ins Gewicht f\u00e4llt. Das Buch endet mit den Aufkommen des Hip Hop. Dessen Geschichte hat George danach in seinem Buch &#8222;XXX &#8211; Drei Jahrzehnte Hip Hop&#8220; (ebenfalls orange press) fortgeschrieben.<\/p>\n\n\n\n<p>Mir hat &#8222;R&amp;B&#8220; eine Reihe neuer Einsichten beschert. Viel mehr kann man von einer Lekt\u00fcre wohl kaum erwarten.<\/p>\n\n\n\n<p>P.S.:<br \/>Da sich George nicht in Faktenhuberei ergeht bleibt auch nicht Raum f\u00fcr den kleinlichen Erbsenz\u00e4hler in mir. Ein krasser Fehler ist mir allerdings aufgefallen: auf Seite 115 hei\u00dft es \u00fcber Sam Cooke &#8222;er wurde im Dezember 1964 von einem Hotelmanager in Hollywood erschossen&#8220;. Dabei weiss doch jeder Kenner der Skandalgeschichte der Pop\/Rock\/wie auch immer-Musik, dass die Sch\u00fctzin eine Frau war. Lustig zu sehen, dass der Fehler mindestens 4 Personen (2 \u00dcbersetzern und 2 Lektoren) nicht aufgefallen ist.<\/p>\n\n\n\n<p>P.P.S.:<br \/>Nelson George ist im Mai auf Tour durch deutschsprachige Lande, mit Lesung, Film und DJ-Begleitung. Hingehen!<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\" start=\"4\"><li>Mai Freiburg, Jazzhaus (mit DJ Uh-Young Kim)<\/li><li>Mai M\u00fcnchen Muffathalle (mit DJ Tornimator)<\/li><li>Mai N\u00fcrnberg K4 (mit DJ Rockafelix)<\/li><li>Mai Stuttgart KoKi (im Filmhaus mit DJ)<\/li><li>Mai T\u00fcbingen Depot (mit DJ)<\/li><li>Mai Heidelberg DAI (mit DJs Mosaic Crew, Torch u.a.)<\/li><li>Mai Berlin Roter Salon in der Volksb\u00fchne (mit DJ Olli Goolightley)<\/li><li>Mai K\u00f6ln Stadtgarten (mit DJ Uh-Young Kim)<\/li><li>Mai Leipzig Bar International (mit DJ Soulfood)<\/li><li>Mai Z\u00fcrich Rote Fabrik (mit DJ Nail)<\/li><li>Mai Wien Spoiler (mit den DJs Urbs &amp; Cutex)<\/li><\/ol>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Nelson George: \nR&amp;B - Die Geschichte der schwarzen Musik\n(Original: The Death of Rhythm &amp; Blues. 1988)\n\u00dcbersetzer: Patrick Schnur\nOrange Press. 288 Seiten\nISBN 3-936086-04-4<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nelson George ist ein US-amerikanischer Autor, Journalist und Filmemacher. 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