{"id":35682,"date":"2003-10-12T11:11:00","date_gmt":"2003-10-12T09:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=35682"},"modified":"2022-08-01T05:35:35","modified_gmt":"2022-08-01T03:35:35","slug":"mars-galliculus-remotivate","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2003\/10\/mars-galliculus-remotivate\/","title":{"rendered":"Mars Galliculus: Remotivate"},"content":{"rendered":"\n<p>Er ist zur\u00fcck! Marcel H. hei\u00dft jetzt Mars Galliculus und beschert der Welt sein zweites Soloalbum. Nachdem die fast fertigen Songs l\u00e4ngere Zeit eingemottet waren, kam zum zweiten Mal die Remotivation und brachte dieses knapp einst\u00fcndige Werk hervor.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Als Solok\u00fcnstler wird Mars Galliculus vom Punkrocker zum Elektropopper: die Musik ist homegrown und mit der Maus gro\u00dfgezogen, voller Synthies, Beats, Gitarrensamples, Orgel und Klatschger\u00e4uschen. Immer wieder tauchen Schnipsel aus H\u00f6rspielen auf. Der rauhe, manchmal mit Effektfiltern versehene Gesang bestimmt die Gretchenfrage an das Album: Mars tastet sich manchmal am passenden Ton vorbei, was den Gesang etwas sperrig und gew\u00f6hnungsbed\u00fcrftig macht. Die Texte sind biografisch bestimmt, lyrisch betrachtet manchmal etwas unsicher oder einfach, aber Mars hat etwas zu sagen. Es geht viel um Liebe und Entt\u00e4uschung, aber auch darum, der erdr\u00fcckenden Kleinstadt entronnen zu sein. Dazu gesellen sich Collagen, in denen vor allem die H\u00f6rspielsamples den inhaltlichen Teil bilden. Mehrere Coverversionen runden das Album passend ab: das nett-trashige &#8222;freiheitssuche&#8220; (bekannt durch David Hasselhoff) enth\u00e4lt zum ersten Mal eine eigenh\u00e4ndig eingespielte Gitarrenspur, &#8222;schwarzmalerei&#8220; (die Rolling Stones lassen gr\u00fc\u00dfen) ist sehr krachig, etwas monoton und total nervenzehrend geworden, aber das sollte es wohl auch.<\/p>\n\n\n\n<p>Das &#8222;Remotivate&#8220;-Album ist ein ernster Pop-Gehversuch, gemischt mit einem gewissen Anarcho-Trash-Faktor, der zum guten Teil wohl einfach aus dem Mut besteht, trotz begrenzter M\u00f6glichkeiten die eigenen Ideen umzusetzen und nicht zu verstecken. Das Album ist im Vergleich zum Deb\u00fct &#8222;Inner stranger&#8220; reifer und h\u00f6rbarer geworden, ohne die verst\u00f6renden Elemente ganz zu verlieren. Es taucht mit &#8222;bianca (rosa brille)&#8220; sogar eine richtige Ballade auf &#8211; sowas war f\u00fcr Metallica der gro\u00dfe Durchbruch!<\/p>\n\n\n\n<p>An mehreren Stellen gibt es R\u00fcckbez\u00fcge auf das letzte Album: &#8222;In my dreams tonight&#8220;, damals ein froher und zufriedener Reggae-Song, wird hier als Part II zu einem dr\u00fcckenden und entt\u00e4uschten Sumpf; ein Sample und ein Remix der Punkband &#8222;Piss K\u00f6pex&#8220;, bei denen Mars (noch jung und frisch) Leads\u00e4nger war, tauchen auf; ein weiterer Remix von &#8222;Inner stranger&#8220; darf auch nicht fehlen. Die gl\u00fccklichste F\u00fcgung des Schicksals ist aber die erneute Zusammenarbeit f\u00fcr einen Song mit dem Midi-Bastler MF SWAMP LAMP GIVES FEVER, aus dem der gro\u00dfe Hit des Albums entstand: &#8222;Don&#8217;t drag me down&#8220;! Aus dem Social Distortion Klassiker wird eine wundersch\u00f6ne E-Pop-Schmonzette mit Vocoder-Gesang wie digitale Zuckerwatte, die immer noch nach vorn geht. Ab in die Charts.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Album wechselt zwischen ein wenig Sonnenschein, viel Melancholie und emotionalen Abgr\u00fcnden; es stellt die Verarbeitung von Erfahrung dar, in der immer mal wieder der Spa\u00df am Basteln durchscheint. Zu beziehen ist es bisher ausschlie\u00dflich \u00fcber das Eigenlabel \u00dcberfall Records in Bielefeld, ein Sublabel der etwas bekannteren Bielefelder Street-Beat-Records.<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Mars Galliculus: Remotivate\n(\u00dcberfall Records)\nKontakt: mars@mailueberfall.de<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Er ist zur\u00fcck! Marcel H. hei\u00dft jetzt Mars Galliculus und beschert der Welt sein zweites Soloalbum. 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