{"id":36579,"date":"1999-11-16T11:11:00","date_gmt":"1999-11-16T10:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=36579"},"modified":"2022-08-22T02:52:15","modified_gmt":"2022-08-22T00:52:15","slug":"danys-welt-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/1999\/11\/danys-welt-3\/","title":{"rendered":"Danys Welt (3)"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Quasti, Charlie, Sven und ich\u2026<\/h2>\n\n\n\n<p>Okay, okay, ich gebe mich geschlagen. Ich bin Tierpflegerin (in der Ausbildung, aber immerhin) und nicht Karla Kolumna, aber wenn man mich so dr\u00e4ngt, wieder eine Kolumne zu verfassen, dann m\u00fcssen halt die werten Leser darunter leiden.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Gut, da bin ich wieder und reihe mich ein in die Liga der Hinternet-Kolumnisten. Wo waren wir stehen geblieben? Ah ja, beim Frittieren und H\u00e4hnchen grillen. Das ist ja Schnee von gestern. Federvieh gibt&#8217;s im Zoo nur lebendig. Mit V\u00f6geln habe ich allerdings momentan nichts zu tun, nein, mein Arbeitsbereich liegt in dieser Phase meiner Ausbildung im Nachttierhaus. Ich komme morgens um 7 Uhr an, es ist also noch Nacht, verbringe meinen Tag in Dunkelheit, eine Hymne auf die k\u00fcnstliche Nacht, Feierabend ist um 16 Uhr, in dieser Jahreszeit fast schon Nacht. Das bedeutet zwei Stunden am Tag Sonne. Da bleibt man doch fr\u00f6hlich und quietschfidel.<\/p>\n\n\n\n<p>Versteht mich nicht falsch, ich liebe diese Arbeit, die Tiere und die Tiere lieben mich. Das hei\u00dft es gibt da ein Tier, das findet mich \u00e4u\u00dferst unsympathisch. Quastenstachler sind Nagetiere und haben viele Stacheln. Einige davon befinden sich an der Schwanzspitze, und damit spielen sie Klapperschlange. Das machen sie aber nur, wenn sie drohen oder angreifen wollen. Wir haben einen solchen Quastenstachler, liebevoll Quasti genannt. Ich frage mich immer noch, wer auf diese bescheuerte Idee gekommen ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn ich morgens die Geheget\u00fcr aufsperre, ist er auf jeden Fall schon ausgiebig am Rasseln und Stacheln stellen. Ich bin mir sicher, darauf freut er sich schon seit Stunden. Wenn ich dann den Fehler mache und ohne Abwehrger\u00e4t in den K\u00e4fig steige, habe ich ihn sofort am Schuh h\u00e4ngen, in den er dann sogleich kr\u00e4ftig hineinbei\u00dft. Ich danke Gott f\u00fcr den Erfinder der Stahlkappen-Schuhe. Ich muss mindestens sechs Mal am Tag in dieses Gehege, in dem sich noch ein Nachtaffe befindet. Das bedeutet, sechs Mal am Tag das gleiche Spiel. Ich habe schon alles versucht, ihn zu bes\u00e4nftigen. Nein, Quasti will drohen. Er reagiert auf nichts. Bestechungen mit Leckereien belohnt er mit Versuchen, mir in die Hand zu bei\u00dfen. Bei der Drohung, ihm die Bananen zu entziehen, entbl\u00f6\u00dft er seine Nagez\u00e4hne. Das bringt mich dann nat\u00fcrlich dazu, ihm die doppelte Ration zu geben. Nichtbeachtung erwidert er mit lauterem Rasseln und setzt noch ein Knurren obendrauf. Ich glaube, es sind die H\u00f6hepunkte des Tages f\u00fcr ihn, mir in den Schuh zu bei\u00dfen und mir zu zeigen, wer hier das Sagen hat. Eindeutig er, der Essensreste verbuddelt, die ich dann m\u00fchselig ausgraben muss, der jeden Tag mit den Pfoten an die Scheibe tatscht, die ich dann putzen muss und der rasseln kann wie die gemeinste Klapperschlange der Welt. Ich muss ehrlich zugeben, dass ich ihn klasse finde. Ich ertappe mich schon dabei, wie ich anfange, ihn zu verw\u00f6hnen. Hier eine Kastanie, da ein St\u00fcck Banane und zwischendurch noch ein leckeres Zwiebackst\u00fcckchen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ist euch eigentlich schon mal aufgefallen, wie viele Glasscheiben so ein Zoo hat, insbesondere in einem geschlossenen Haus und ganz besonders in einem Nachttierhaus? Was meint ihr denn, wer solche Scheiben putzt? Ich kann euch sagen, wer sowas macht. Ihr ahnt es schon, nicht wahr? Ihr habt richtig geraten. Die Tierpfleger! Da ich ja momentan f\u00fcr meinen Bereich ganz alleine verantwortlich bin, putze ich die gesamten Scheiben des Nachttierhauses auch ganz alleine. Es sind genau 15 gro\u00dfe Scheiben und zehn kleine Scheiben. Ich z\u00e4hle sie jeden Morgen, und es werden einfach nicht weniger.<\/p>\n\n\n\n<p>Zuerst putze ich sie von innen &#8211; das macht Spa\u00df, wenn dir dabei ein Quastenstachler am Fu\u00df h\u00e4ngt. Wenn ich mittags noch Zeit habe, putze ich sie dann von au\u00dfen. Das ist meistens n\u00f6tig, weil die netten Zoobesucher meinen, sie s\u00e4hen die Tiere besser, wenn sie mit der Nase an der Scheibe kleben. Also, wenn ich die Scheiben von au\u00dfen putze, ist das auf jeden Fall ein Spa\u00df f\u00fcr die Tiere. Besonders f\u00fcr die gro\u00dfe Gruppe von Nachtaffen. Diese Freude dr\u00fccken sie vor allem durch den Versuch aus, den Schaum, der die Scheibe herunterl\u00e4uft, zu fangen. Nachtaffen haben st\u00e4ndig obstverklebte Finger! Ihr ahnt schon, was das bedeutet. Es ist ein Teufelskreis. Ich habe mir schon ernsthaft \u00fcberlegt, den Affen kleine Handschuhe zu stricken, oder ihnen beizubringen, wie man Scheiben putzt. Ich w\u00fcrde ihnen kleine Fensterleder, Schw\u00e4mme und Scheibenwischer basteln, mit denen sie sich dann von Gehege zu Gehege schwingen. Da w\u00e4re der Zoo doch um eine Attraktion reicher, und es w\u00fcrden viel mehr Besucher kommen. Ich habe Egon, Charlie, Jimmy und Sven (so hei\u00dfen unsere Nachtaffen) sogar schon diesen Vorschlag gemacht. Leider haben sie mir nicht richtig zugeh\u00f6rt und lieber ihre Futtergrillen gefangen. Also muss ich weiter Scheiben putzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Tut mir einen Gefallen, wenn ihr mal wieder in den Zoo geht und einen scheibenputzenden Tierpfleger seht, dann bedauert ihn. Klopft ihm auf die Schulter, sch\u00fcttelt mitleidig den Kopf und bedauert den Missstand, dass es keine selbstreinigenden Scheiben gibt. Ich w\u00fcrde mich auf jeden Fall dar\u00fcber freuen!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Quasti, Charlie, Sven und ich\u2026 Okay, okay, ich gebe mich geschlagen. Ich bin Tierpflegerin (in der Ausbildung, aber immerhin) und nicht Karla Kolumna, aber wenn man mich so dr\u00e4ngt, wieder eine Kolumne zu verfassen, dann m\u00fcssen halt die werten Leser darunter leiden.<\/p>\n","protected":false},"author":77,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ub_ctt_via":"","footnotes":""},"categories":[4567],"tags":[],"class_list":["post-36579","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kolumnen"],"featured_image_src":null,"author_info":{"display_name":"Dany Kirsch","author_link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/author\/dany-kirsch\/"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/36579","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/77"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=36579"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/36579\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=36579"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=36579"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=36579"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}