{"id":36583,"date":"2000-08-14T11:11:00","date_gmt":"2000-08-14T09:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=36583"},"modified":"2022-08-22T03:18:43","modified_gmt":"2022-08-22T01:18:43","slug":"szenen-einer-ehe-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2000\/08\/szenen-einer-ehe-1\/","title":{"rendered":"Szenen einer Ehe (1)"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-drop-cap\">Fr\u00fcher hatte ich eine Freundin. Damit ist seit ein paar Tagen Schluss. Nein, nicht mit ihr, sondern mit dem Status des Freundinnenhabens. Ein kurzes Ja mitten im Post-Junggesellenabschiedsfeierrausches gen\u00fcgte und: aus der Traum. Nie mehr Freundinnen, nie mehr Beziehungen. Statt dessen: Verheiratetsein und Ehe-Alltag. Manch einem soll beim Erklingen des Wortes Ehe ein eisiger Schauer \u00fcber den R\u00fccken laufen. Ich hingegen hatte kaum Zeit in den Stunden vor dieser weitreichenden Sekunde des Ja-Sagens \u00fcber Sinn oder Unsinn nachzudenken &#8211; geschweige denn nachher: H\u00e4ndesch\u00fctteln, K\u00fcsschen hier, K\u00fcsschen da, Feiern, Wohnung putzen (Stroh im Bett und dieser miesen Scherze nachts um vier), Flittertage (ganze drei an der Zahl), \u00c4mterochsentour, links liegengebliebene Arbeiten erledigen etc.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>An jenem verh\u00e4ngnisvollen Morgen jedenfalls war ich viel zu sehr mit dem Inneren meiner Toilettensch\u00fcssel und mit den wenigen klaren Gedanken der Art Wie soll ich diesen Tag \u00fcberstehen? oder Hoffentlich muss ich nicht gerade, wenn\u2026 besch\u00e4ftigt, dass f\u00fcr anderes gar keine Zeit blieb. Jetzt stehe ich da: Ohne Freundin alias Geliebten alias Lebensabschnittsgef\u00e4hrten (Hallo, ihr stets auf Unabh\u00e4ngigkeit pochenden Junggesellen!) und ohne Beziehung. Daf\u00fcr mit Frau und Ehe und vielen Verpflichtungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch was verstehen wir Deutschen eigentlich unter einer Freundin? Die Englische Sprache kennt nicht das Problem des Unterscheidens zwischen einer Freundin, mit der man das Bett teilt, die man liebkost und vernascht und die einem zuvor den Kopf verdreht hat, und einer Freundin, der man sein Herz aussch\u00fcttet, sollte es mit der anderen nicht harmonisieren, der man alles anvertraut und die ein guter Kumpel ist. Das Englische hat f\u00fcr solch prek\u00e4re Unterscheidungsf\u00e4lle girlfriend und friend bereitgestellt. Wobei wiederum zu ber\u00fccksichtigen w\u00e4re, ob friend m\u00e4nnlich oder weiblich ist. Aber das w\u00fcrde den mir gesetzten Rahmen dieser Kolumne sprengen. Zur\u00fcck zur Freundin: Denkt zuk\u00fcnftig jeder, sobald ich das Wort Freundin in den Mund nehme, ich w\u00fcrde fremdgehen oder sei \u00fcberhaupt nicht verheiratet oder h\u00e4tte vergessen, verheiratet zu sein? Hat sich schon einmal jemand dar\u00fcber Gedanken gemacht? Ich glaube nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Schwester meiner Freundin gibt es ja auch nicht mehr. Die ist jetzt die Schw\u00e4gerin. Ihre Eltern wiederum f\u00fchren fortan das Pr\u00e4fix Schwieger notgedrungen mit sich und m\u00fcssen aus diesem Grunde f\u00fcr Scherze meinerseits herhalten. Und warum zur H\u00f6lle hei\u00dft die Schwester meiner Ex-Freundin, sprich meiner Frau, nicht Schwiegerschwester? Und ihr Bruder, den es aber gar nicht gibt &#8211; zumindest nicht offiziell &#8211; Schwiegerbruder? Fr\u00fcher nannte man die Schwiegermutter schlicht Schwieger. Das nur am Rande.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich kann jedenfalls eins garantieren: Ein klitzekleines Ja, das schneller verhallt als es ausgesprochen ist, kann die Welt auf den Kopf stellen. Seid euch also der durchaus fatalen Folgen bewusst.<\/p>\n\n\n\n<p>N\u00e4chste Woche geht&#8217;s an dieser Stelle nat\u00fcrlich weiter &#8211; so wie hoffentlich jede Woche in Zukunft.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fr\u00fcher hatte ich eine Freundin. Damit ist seit ein paar Tagen Schluss. Nein, nicht mit ihr, sondern mit dem Status des Freundinnenhabens. Ein kurzes Ja mitten im Post-Junggesellenabschiedsfeierrausches gen\u00fcgte und: aus der Traum. Nie mehr Freundinnen, nie mehr Beziehungen. Statt dessen: Verheiratetsein und Ehe-Alltag. 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