{"id":36584,"date":"2000-12-28T11:11:00","date_gmt":"2000-12-28T10:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=36584"},"modified":"2022-08-22T03:07:56","modified_gmt":"2022-08-22T01:07:56","slug":"szenen-einer-ehe-7","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2000\/12\/szenen-einer-ehe-7\/","title":{"rendered":"Szenen einer Ehe (7)"},"content":{"rendered":"\n<p>Upps, wie konnte das nur passieren? Ich bin aber auch entt\u00e4uscht von Ihnen, meine werten Leser und Leserinnen. Warum haben Sie nicht sofort nachgehakt und sich beschwert? Dann h\u00e4tte ich nie und nimmer vergessen, von meiner Flitterwoche auf Djerba zu berichten. Von diesem schicken, mit Marmor ausstaffierten Luxushotel, der dazugeh\u00f6rigen \u00fcberdimensionalen Poolanlage, dem bezaubernden Wetter mit seinen Mittzwanziger-Temperaturen, dem Sandstrand, dem B\u00fcffet, das mir morgens und abends das F\u00fcllen meines Magens erleichterte, dem fast schon penetrant netten Dienstpersonal, das einem jeden Wunsch von den Lippen abzulesen imstande war, dem t\u00fcrkischen Bad, dem Ausritt meiner Frau, dem idyllischen Golfplatz, den wir nur betraten, um uns vom \u00fcbernetten Hotelfotograf ein paar &#8222;kitschige Fotos&#8220; (O-Ton meiner Schwiegereltern) schie\u00dfen zu lassen\u2026<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Hach, es war ja so sch\u00f6n auf Djerba. Lediglich der letzte Urlaubstag sollte mir und meiner Frau noch recht lange in Erinnerung bleiben. Aus bisher ungekl\u00e4rten Gr\u00fcnden suchten uns Magenkr\u00e4mpfe und stressige Durchf\u00e4lle heim, die zumindest mich noch bis kurz vor Weihnachten verfolgten. Das sind &#8211; um meinen Leidensweg nachzuzeichnen und meine Qualen (zur Erinnerung: Ich esse gerne und viel!) hervorzuheben &#8211; \u00fcber vier Wochen &#8222;merde vite&#8220; (zu deutsch: D\u00fcnnpfiff). Diese Tortur zu \u00fcberstehen, fiel mir nicht leicht und zu allem \u00dcbel habe ich sogar sage- und schreibe f\u00fcnf Kilogramm an Gewicht verloren. Dieser Schock sitzt mir bis heute tief in den Knochen. All die harte Arbeit, am B\u00fcffet die richtige Essenwahl zu treffen, den Teller so geschickt zu f\u00fcllen, dass nichts an der Seite herunterf\u00e4llt und damit meinen Magen zu v\u00f6llen und Gewicht draufzuschaffen &#8211; all diese Arbeit war umsonst.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun sitze ich hier am Schreibtisch, schlank und rank wie eh und je (oder etwa nicht?), und alles war f\u00fcr die Katz&#8216;. All das Geld, all die M\u00fche, st\u00e4ndig Zeit und Platz f\u00fcr kalorienreiche Zwischenmahlzeiten zu finden, gelten nunmehr als fehlinvestiert. Ein wahrlich harter Schlag f\u00fcr mein zartbesaitetes Gem\u00fct. Gott sei Dank ist aber schon Weihnachten (Heute ist der 1. Weihnachtsfeiertag.) und ich konnte gestern verloren geglaubten Boden wieder gutmachen. Dank eines \u00fcppig gedeckten Tisches, auf dem die liebevoll vorbereiteten Zutaten f\u00fcr das allj\u00e4hrliche Racletteessen meiner Schwiegereltern angerichtet waren, war ich in der Lage, ein paar Gramm zuzulegen und die tierischen, BSE-freien Speisen meinem erschlankten K\u00f6rper zuzuf\u00fchren. Gleich nachher wird der Kampf gegen die Bulimie, gegen das Abspecken, gegen das Gewichtverlieren weitergehen. Meine Mutter hat Kuchen gebacken und wird einen Wildlachs in den Backofen schieben. Dazu reicht sie \u00fcblicherweise Kartoffelgratin und Spargel. Ein wahres Fest f\u00fcr Gaumen und Magen. Morgen gibt es den Nachschlag bei Verwandten von uns.<\/p>\n\n\n\n<p>Herrlich, weit und breit kein Land in Sicht. Und Silvester: Mit meiner Frau allein zu Hause und ein Vier-G\u00e4nge-Men\u00fc auf dem Tisch. Yippie! Und am 1. Januar Bauch reiben, st\u00f6hnen und gen\u00fcsslich und wohl gen\u00e4hrt auf dem Sofa fl\u00e4zen. Kann das Ende eines Jahres denn sch\u00f6ner sein?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Upps, wie konnte das nur passieren? Ich bin aber auch entt\u00e4uscht von Ihnen, meine werten Leser und Leserinnen. Warum haben Sie nicht sofort nachgehakt und sich beschwert? Dann h\u00e4tte ich nie und nimmer vergessen, von meiner Flitterwoche auf Djerba zu berichten. 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