{"id":36585,"date":"2000-11-15T11:11:00","date_gmt":"2000-11-15T10:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=36585"},"modified":"2022-08-22T03:10:08","modified_gmt":"2022-08-22T01:10:08","slug":"szenen-einer-ehe-6","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2000\/11\/szenen-einer-ehe-6\/","title":{"rendered":"Szenen einer Ehe (6)"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-drop-cap\">Wir, damit meine ich selbstverst\u00e4ndlich nicht die Hinter-Net! Redaktion, sondern meine Frau und mich &#8211; g\u00f6nnen uns mal was. Und zwar einen Urlaub. Eine Art versp\u00e4teter Flitterwochen. Ehrlich gesagt, g\u00f6nnen nicht wir uns den. Vielmehr \u00fcbernehmen das meine Eltern, die ihn inklusive Taschengeld finanzieren. Lediglich das Reiseziel mussten wir aussuchen. Das allerdings haben wir nicht unbedingt einstimmig getan. Obwohl, ja doch, eine Stimme entschied. Die kam von mir. Okay, das war nicht fair, aber ich wei\u00df, nein wir wissen nun, es war die bessere Entscheidung.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Es standen zu Beginn \u00c4gypten, T\u00fcrkei, die Kanarischen Inseln und Djerba zur Auswahl. Nach \u00c4gypten wollte ich nicht. Ist mir nicht sicher genug. W\u00e4re aber der Traum meiner Frau gewesen. W\u00e4hrend eines Kurztrips nach der Hochzeit, beugte ich mich jedoch schon dem Wunsch meiner Frau, zwei Zoos in Holland zu besuchen und ans Meer zu fahren. Insofern wollte ich jetzt nicht noch nach \u00c4gypten fliegen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ebenso wenig zieht es mich in die T\u00fcrkei. Ein Land, das weder die Menschenrechte noch die Gleichberechtigung und Meinungsfreiheit f\u00fcr sich entdeckt hat, dem brauche ich nicht mein Geld (oder in diesem Falle: das meiner Eltern) in den Rachen zu werfen. In zwanzig Jahren vielleicht, wenn sie auf akzeptablem kulturellen Entwicklungsstand sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Rennen sollte demnach zwischen Djerba und den Kanarischen Inseln ausgehen. Die Kanaren sind immer sehr teuer, der Flug dauert lange und das Wetter ist nicht so toll wie im Mittelmeer. Und das war genau der Knackpunkt. Denn meine Frau war v\u00f6llig anderer Meinung. Sie sagte: Die Kanaren liegen s\u00fcdlicher, also ist es dort w\u00e4rmer. Falsch!<\/p>\n\n\n\n<p>In ihrer Abwesenheit, als sie wieder einmal zur Blockschule in Karlsruhe verweilte, musste schnell eine Entscheidung getroffen werden. Die Deadline f\u00fcr Fr\u00fchbucher r\u00fcckte n\u00e4her. So w\u00e4hlte ich Djerba und traf &#8211; wie wir jetzt wissen &#8211; die richtige Wahl. Die Wettervorhersagen versprechen sonnige Tage in den oberen Regionen der 20er Celsius-Grade, w\u00e4hrend auf den Kanaren die Sonne von Wolken verdeckt ist und die Temperaturen bis zu zehn Grad Celsius tiefer gelegen sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Insofern k\u00f6nnen wir morgen beruhigt und gutgelaunt in den Flieger steigen, eine Woche lang am Strand liegen, B\u00fccher lesen, das B\u00fcffet leer fressen, in der Badewanne unseres 4 Sterne-Hotels gammeln, in der riesigen Poolanlage paddeln, Meerwasser schlucken, am Strand reiten und auf dem am Hotel gelegen Golfplatz ein paar B\u00e4lle schlagen. Uns sind keine Grenzen der Entspannung gesetzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Unsere Koffer sind auch gepackt, der Auslandskrankenschein ist eingesteckt, die Reiseschecks, P\u00e4sse, Flugtickets, Hotelgutscheine und all der Krimskrams sind in meinem Rucksack verstaut, das Auto ist getankt und die Kleider liegen bereit. Alles bestens. Oder?<\/p>\n\n\n\n<p>Eben nicht ganz. Die Sache hat zwei Haken: Zum einen fliegen wir um 6 Uhr morgens ab Luxemburg, d.h. wir m\u00fcssen um 3 Uhr aufstehen (?) und sp\u00e4testens um 4 Uhr losfahren. Zum anderen meinte vorhin meine Vermieterin, sie h\u00e4tten heute Abend ein rauschendes Fest anberaumt. Die Schwiegertochter feiere Geburtstag, da k\u00e4men zahlreiche G\u00e4ste und es k\u00f6nnte durchaus laut werden. Mir verschlug es die Sprache. Wenn ITALIENER sagen, es k\u00f6nnte laut werden, dann wei\u00df ich jetzt schon, wie ich morgen im Flugzeugsitz h\u00e4ngen werde.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir, damit meine ich selbstverst\u00e4ndlich nicht die Hinter-Net! Redaktion, sondern meine Frau und mich &#8211; g\u00f6nnen uns mal was. Und zwar einen Urlaub. Eine Art versp\u00e4teter Flitterwochen. Ehrlich gesagt, g\u00f6nnen nicht wir uns den. Vielmehr \u00fcbernehmen das meine Eltern, die ihn inklusive Taschengeld finanzieren. Lediglich das Reiseziel mussten wir aussuchen. 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