{"id":36588,"date":"2000-09-11T11:11:00","date_gmt":"2000-09-11T09:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=36588"},"modified":"2022-08-22T03:16:04","modified_gmt":"2022-08-22T01:16:04","slug":"szenen-einer-ehe-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2000\/09\/szenen-einer-ehe-3\/","title":{"rendered":"Szenen einer Ehe (3)"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-drop-cap\">Die Hochzeitsfeier, die meine Frau Dany und ich am Abend dieses besonderen Tages Ende Juli 2000 feierten, war relativ schlicht &#8211; kein Alleinunterhalter, keine Bigband, daf\u00fcr ein exquisites vom Verwandten- und Familienkreis zusammengestelltes B\u00fcffet, das passende Ambiente in einem Haus der Wanderfreunde V\u00f6lklingen und ein Grillmaster mit gro\u00dfen Entertainerqualit\u00e4ten. Das reichte, um ein gelungenes Fest auf die Beine zu stellen.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Schlicht war auch unsere Hochzeit vormittags auf dem Standesamt. Keine sauteuren Kleider, kein Champagner, keine Kristallgl\u00e4ser zum Ansto\u00dfen, kein Streichquartett und nat\u00fcrlich keine Gebete. Im Kreise der Christen wollten wir partout nicht ehelichen. Darin waren wir uns einig. Warum denn auch? Es macht keinen Sinn, zweimal f\u00fcr ein- und dieselbe Sache das Jawort auszusprechen. Unsinn. Man l\u00e4sst sich schlie\u00dflich ebenso wenig zweimal scheiden.<\/p>\n\n\n\n<p>Und zweimal Geschenke absahnen h\u00e4tten wir auch nicht k\u00f6nnen. Diesen Wahnsinn macht niemand der G\u00e4ste freiwillig mit. Die katholische Kirche h\u00e4tte meine damalige Freundin eh nicht gewollt. Die (meine jetzige Frau) hatte schon vorher mit ihr (der Kirche) gebrochen und hat ihr f\u00fcr immer und ewig den eisernen R\u00fccken zugewandt. Sie h\u00e4tten das Gesicht meiner Gro\u00dfmutter sehen sollen, als die davon erfuhr. Um Gottes Willen! Erst ist die Freundin meines Cousins evangelisch und jetzt ist meine Frau konfessionslos. Schlimmer h\u00e4tte es f\u00fcr Finchen nicht kommen k\u00f6nnen. Jedes Mal wenn wir bei ihr zu Besuch sind, geht die Diskussion \u00fcber die Kirche von vorne los. Ich glaube, sie freut sich \u00fcber solch schwachsinnige Aussagen, wie die, dass die katholische Kirche die einzig wahre ist. Aber einer alten Frau, die mit ganz anderen Werten und in einer anderen Zeit gro\u00df geworden ist, verzeiht man das schnell und gerne.<\/p>\n\n\n\n<p>Mein Vater nahm das andererseits erstaunlich locker und gelassen hin. Er, der mich fr\u00fcher an jedem Sonn- und Feiertag &#8211; meist gegen meinen Willen &#8211; in die Kirche mitschleppte, verlor meines Wissens \u00fcber Danys Kirchenaustritt kein Wort. Das ist mir bis heute ein R\u00e4tsel. Er meinte nur einmal, als ich nachhakte, ob er sich nicht daran st\u00f6re, dass wir nicht in der Kirche heiraten, dass es mein Leben, meine Ehe und damit meine Entscheidung sei. Von Ver\u00e4rgerung keine Spur.<\/p>\n\n\n\n<p>Meiner Mutter war zumindest das sowieso v\u00f6llig egal. Ihr war es weitaus wichtiger, dass ich nicht in allzu arme Verh\u00e4ltnisse einheirate und meine Frau auf eigenen Beinen stehen kann. Ersteres trifft nur bedingt zu (Wer hat schon einen Goldesel im Keller stehen?), zweites jedoch umso mehr.<\/p>\n\n\n\n<p>Vielleicht h\u00e4tten wir &#8211; meiner Oma und unserem gemeinschaftlichen Finanzhaushalt zuliebe &#8211; doch in der Kirche heiraten sollen. Am liebsten drei, vier Monate nach dem Termin auf dem Standesamt. Vielleicht h\u00e4tten bis dahin einige der geladenen G\u00e4ste vergessen gehabt, uns schon einmal beschenkt zu haben. Ja, wenn ich mir das richtig \u00fcberlege, ist eine kirchliche Trauung in wei\u00df und mit viel Brimborium und Tamtam doch zu etwas n\u00fctze.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Hochzeitsfeier, die meine Frau Dany und ich am Abend dieses besonderen Tages Ende Juli 2000 feierten, war relativ schlicht &#8211; kein Alleinunterhalter, keine Bigband, daf\u00fcr ein exquisites vom Verwandten- und Familienkreis zusammengestelltes B\u00fcffet, das passende Ambiente in einem Haus der Wanderfreunde V\u00f6lklingen und ein Grillmaster mit gro\u00dfen Entertainerqualit\u00e4ten. 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