{"id":36713,"date":"1999-11-03T11:11:38","date_gmt":"1999-11-03T10:11:38","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=36713"},"modified":"2022-09-15T19:15:34","modified_gmt":"2022-09-15T17:15:34","slug":"frl-katjas-naehkaestchen-folge-14","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/1999\/11\/frl-katjas-naehkaestchen-folge-14\/","title":{"rendered":"Frl. Katjas N\u00e4hk\u00e4stchen, Folge 14"},"content":{"rendered":"\n<p>Ich dachte ja immer, meine Kolumne h\u00e4tte in erster Linie was Selbst-Therapeutisches, also, damit ich nicht irre an mir selbst werde. In Zukunft wird es sich wahrscheinlich mehr und mehr um einen Backstage-Report handeln. Das Interessanteste ist ja, was&nbsp;<em>hinter<\/em>&nbsp;den Kulissen passiert. Was das Publikum gar nicht mitkriegt. Immer \u00f6fter w\u00fcnsch ich mir, ich selbst w\u00fcrde es auch nicht mitkriegen.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber von vorn: Um mal kennenzulernen, wie sich das anf\u00fchlt, f\u00fcr einen Artikel Geld zu kriegen, hab ich bei der hiesigen Tageszeitung angeheuert, deren Namen ich jetzt nicht nenne. In der Feuilleton-Redaktion. Hab schlie\u00dflich Literatur- und Musikwissenschaft studiert, da geht man nicht zum Sport. Oder zur Seite &#8222;Stadtverband \u2013 Vereine aktuell&#8220;. Kein Witz, die gibt\u00b4s. Nein, man geht zur Kultur und freut sich, freche Pamphlete \u00fcber den Sloterdijk-Habermas-Streit schreiben zu d\u00fcrfen und b\u00f6se Leserbriefe vom Konzertveranstalter zu provozieren, wenn man den Gig einer Pink-Floyd-Cover-Band verrei\u00dft. Pink-Floyd-Cover-Band&#8230; Aus der Reihe: Dinge, die die Welt nicht braucht. Das Original ist ja schon unertr\u00e4glich genug. Aber dann noch so\u00b4n Phantom auf der B\u00fchne. Hilfe!<\/p>\n\n\n\n<p>Nein, dann doch lieber zu Rockbitch. Diese nackten M\u00e4dels, die sich on stage Gegenst\u00e4nde in die Vagina stecken. Ich glaub, auch Tiere. Und sich gegenseitig in den Mund pissen. Naja, das haben sie hier, in dieser Stadt, aus der ich jetzt schreibe, nicht gemacht. Polizeiliche Auflagen&#8230; Das sind mir sch\u00f6ne Schlampen, die sich von sowas beeindrucken lassen. Aber irgendwie m\u00fcssen die wohl auch ihr Geld verdienen. Kommt nunmal nicht viel in die Kasse, wenn st\u00e4ndig Auftritte verboten werden, weil man so toll skandal\u00f6s ist. Aber glaubt mir, die bereits erw\u00e4hnten Rockbitch-Sperenzchen h\u00e4tten immer noch zehnmal mehr Substanz gehabt als die Pink-Floyd-Cover-Band. Ich werd schon wieder ganz m\u00fcde, wenn ich nur dran denk. Ach \u00fcbrigens, das ber\u00fchmte goldene Kondom haben Rockbitch leider auch nicht in die Menge geworfen. Das h\u00e4tte den Empf\u00e4nger zu einem Backstage-Erlebnis ganz besonderer Art berechtigt&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Naja, also, Rockbitch halt. Ich selbst kannte die ja gar nicht. Bis ein Kommilitone in der SR-Kantine erz\u00e4hlte, dass er da hingeht. Und dass das mehr was f\u00fcr M\u00e4nner sei, weil (s. o.). Freigegeben erst ab 18 und so. Bei dem Punkt wu\u00dfte dann selbst mein Bruder sofort wieder, wer Rockbitch sind. (Hatte mit ihm telefoniert und gefragt, ob er die kennt.) Das Ende vom Lied war dann, dass besagter Kommilitone gar nicht auf dem Konzert war, weil er dachte, geht eh keiner mit, den er kennt. Weil er die Mitteilung der zum Rockbitch-Konzert beorderten Zeitungs-Kritikerin, die mit ihm studiert hat, nicht mehr rechtzeitig auf seinem Anrufbeantworter abh\u00f6rte. Die Kritikerin hat sich dann aus Gr\u00fcnden der eigenen Sicherheit ihren Freund mitgenommen. War aber alles halb so wild.<\/p>\n\n\n\n<p>Sch\u00f6n war allerdings, dass die gleiche Kritikerin nachmittags noch einen Termin beim Orchesterwettbewerb Saar hatte. Sicher einer der seltsamsten Tage ihres Lebens. Nachmittags zwei Zitherensembles, abends Rockbitch! Davon erz\u00e4hlt sie noch ihren Enkeln.<\/p>\n\n\n\n<p>Vielleicht erz\u00e4hl ich ihnen auch von heute. Wenn ich mich wieder beruhigt habe. Denn dieselbe Tageszeitung, die so gute Konzertkritiker hat, macht diesen manchmal das Leben auch ganz sch\u00f6n schwer. Gegen Geld allerdings, das wollen wir hier nicht vergessen.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Woche lange durfte ich mich also freuen, morgen zum Auftritt von J\u00fcrgen von der Lippe zu gehen. Klasse, der war vor zwanzig Jahren zwar noch besser, aber ich seh ihn sehr gern im Fernsehen, und warum eigentlich nicht. Au\u00dferdem ist das in der Kongre\u00dfhalle, dacht ich mir, also bestuhlt, mit Rauchverbot und p\u00fcnktlichem Beginn. Nicht wie die Rockkonzerte in der sogenannten &#8222;Garage&#8220;, wo ich mir die Beine in den schmerzenden R\u00fccken stehe, trotz Ohrenschutz morgens nen dicken Kopf hab, nach Qualm stinke, immer schauen mu\u00df, dass ich gut seh, und die Hauptband selten vor halb zehn anf\u00e4ngt zu spielen. Man wei\u00dfes aber nie so genau, mu\u00df also schon halbwegs p\u00fcnktlich kommen.&nbsp;<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/hinternet.de\/kolumnen\/katja\/images\/129.gif\" width=\"100\" height=\"127\"\/>Da lob ich mir Heinz Rudolf Kunze, der hat Schlag Viertel nach acht angefangen zu spielen. Der ist ja auch kein Punk, sondern ein Deutschrocker. Die k\u00f6nnen die Uhr lesen. Sogar mit Zeigern.<\/p>\n\n\n\n<p>Soweit also die Welt noch in Ordnung. Morgen abend, J\u00fcrgen von der Lippe, Kongre\u00dfhalle, dum di dum. Au\u00dferdem wollte mein Freund mitkommen, was ja auch eher selten der Fall ist. Weil, solche Schmankerl krieg ich nicht oft. Zumal bestuhlt und mit Rauchverbot. Da h\u00e4tt ich ihm mal richtig was bieten k\u00f6nnen, dacht ich. Wo schon das B\u00fcffet nach der Waechter-Lesung am Samstag nicht so toll war. Schlechter Catering-Service. Als Abschlu\u00df eines Symposiums zum Thema &#8222;Agressionsmanagement bei Kindern und Jugendlichen&#8220;. Und glaubt mir, ich hab die Teilnehmer der Vortr\u00e4ge gesehen, seitdem wei\u00df ich: Psychologen k\u00f6nnen nicht nur keine Schleifen, sondern sie ertragen auch keine klackernden Abs\u00e4tze.&nbsp;<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/hinternet.de\/kolumnen\/katja\/images\/text14a.gif\" width=\"150\" height=\"150\"\/>Nie hab ich soviele von diesen Schuhen zum Reinschl\u00fcpfen mit den superhohen und superdicken, schwarzen Gummisohlen gesehen. Mit diesem leichten Schwung in der Mitte der Sohle. Sehen ein bi\u00dfchen klobig aus. Buffalos f\u00fcr Erwachsene. Oder? Sind jedenfalls zur Zeit schwer angesagt, Bettina B\u00f6ttinger tr\u00e4gt die auch. Bei der sehen sie aus wie Turnschuhe. Ich hab bei dem Symposium aber auch welche gesehen, da war die Sohle geschnitten wie ein Cowboy-Stiefel. Vorne spitz zulaufend und sich nach oben reckend. Mann, sah das Schei\u00dfe aus. Und es war bestimmt kein Zufall, dass soviele dieser Psychologen die Dinger trugen. Damit k\u00f6nnen sie sich besser an die Patienten ranschleichen. Oder w\u00e4hrend der Analyse rausschleichen und eine Rauchen gehn, wenn die Kindheitserinnerungen der Patienten zu langweilig sind. Die sehn das ja nicht. Die liegen auf der Couch, starren an die Decke und denken, hinter der R\u00fcckenlehne des riesigen Sessels, da wird schon jemand sitzen. Im besten Fall sogar der Therapeut&#8230; Oder die Psychologen haben eine kollektive Absatz-Klacker-Phobie. Das ist der Horror, die eigenen Schritte zu h\u00f6ren. Und mit diesen weichen Megasohlen geht man wie auf Samtpfoten. Ich wei\u00df, wie das ist. Hab neulich auchmal so Dinger im Gesch\u00e4ft anprobiert. Aber normale Menschen halten das nicht lange aus.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Rande des Symposiums hab ich \u00fcbrigens, es klang schon an,&nbsp;<a href=\"https:\/\/hinternet.de\/comic\/interview\/waechter.php\">Friedrich Karl Waechter interviewt<\/a>. Den von Titanic, Pardon, Welt im Spiegel und Twen.&nbsp;<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/hinternet.de\/kolumnen\/katja\/images\/fkwaecht.jpg\" width=\"200\" height=\"155\"\/>Diesen Cartoonisten. Mit diesen langen, wallenden blonden Locken. Sieht ein bi\u00dfchen aus wie Langhans, isses aber gottseidank nicht. Hat den Anti-Struwwelpeter gemacht. Aber noch viel wichtiger: ein Werk, das sp\u00e4tere Zeitungskritiker schwer beeinflu\u00dft hat. N\u00e4mlich &#8222;Wir k\u00f6nnen noch viel zusammen machen&#8220;. Wo ein Schwein fliegen lernt, ein Fisch laufen und ein Vogel schwimmen. Inge, Harald und Philip. Hatte ich schon, da war ich noch nichtmal im Kindergarten. Ist mein liebstes Kinderbuch, les ich heut noch gern. Sieht auch entsprechend aus.&nbsp;<em>Wie<\/em>&nbsp;schlimm, das hab ich festgestellt, als ichs FK Waechter gezeigt hab. Der hat es erst gar nicht wiedererkannt, sondern sorgenvoll in der Hand hin und her gewogen, ein bi\u00dfchen gebl\u00e4ttert, gefragt, wo ich das herhab und verzweifelt gesucht, welche Ausgabe das ist. Denn es gibt irgendeine Neuauflage, deren Aufmachung ihm gar nicht behagt. Aber schlie\u00dflich konnte ich ihm erkl\u00e4ren, dass das Buch vor 25 Jahren durchaus mal einen Einband hatte und nicht immer schon so zerfleddert und vollgekritzelt war. Endlich fiel der Groschen: Ach so, dieses Buch wurde&nbsp;<em>gelesen<\/em>! Da hat er sich gefreut. Sp\u00e4ter hat er mir sogar die Fahne seines n\u00e4chsten Werks vorab zu lesen gegeben. Da hab&nbsp;<em>ich<\/em>&nbsp;mich gefreut.<\/p>\n\n\n\n<p>Ja, so war das. A propos, noch ein Wort zu den Lesungen. Und zu Theater-Auff\u00fchrungen. Eben alles, wo es leise ist. Alles, was nicht Beethoven- oder Rockkonzerte sind. Da ist es, la\u00dft euch dies von einer erfahrenen Konzertkritikerin sagen, ratsam, vorher anst\u00e4ndig gefr\u00fchst\u00fcckt zu haben. Denn nichts ist schlimmer als ein knurrender Magen, wenn alles ringsumher angestrengt lauscht. Ist mir bei Dietrich Schwanitz, dem Autor des &#8222;Campus&#8220;, passiert. Mann, war das peinlich. Das einzig Beruhigende ist immer, dass es der &#8222;K\u00fcnstler&#8220; selbst nicht mitbekommt, weil der zu weit weg sitzt.<\/p>\n\n\n\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/hinternet.de\/kolumnen\/katja\/images\/klassik3.gif\" width=\"250\" height=\"141\"\/>Neulich war ich bei einer Einf\u00fchrungs-Matinee in der Feuerwache. Wieder nix gegessen gehabt. Diesmal hat mein Magen allerdings so laut geknurrt, dass ein besonders konzentriert lauschender Kleiderschrank von einem Mann schr\u00e4g vor mir zusammengezuckt ist! Das fand ich klasse. Nie hab ich mich so stark gef\u00fchlt. Ich schaffe es mit blo\u00dfem Magenknurren, einen Drei-Zentner-Mann zu erschrecken. Wow! Da war ich mit meinem Magen wieder vers\u00f6hnt.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber eigentlich robbe ich ja immer noch auf meine eigentliche Pointe zu. Das J\u00fcrgen-von-der-Lippe-Konzert, h\u00e4tt ich fast gesagt. Obwohl das ja mehr Comedy ist. Nun, leider hat meine Zeitung eine ganze Woche gebraucht, um festzustellen, dass der Mann mit einem alten Programm tourt, das lange schon journalistisch abgewickelt ist. Ehrlich gesagt, hab ich noch mehr das Gef\u00fchl, dass die Zeitung das schon l\u00e4nger wei\u00df und nur eine ganze Woche gebraucht hat, um es mir zu sagen. Die Sekret\u00e4rin rief n\u00e4mlich eigentlich nur noch wegen des Ersatz-Termins an, ich br\u00e4uchte nicht traurig zu sein, ich d\u00fcrfte statt dessen woanders hin. Statt wessen? &#8222;Ach, hat man Ihnen das noch nicht gesagt?&#8220;&nbsp;<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/hinternet.de\/kolumnen\/katja\/images\/174.gif\" width=\"100\"\/>Nein, und ehrlich gesagt, w\u00fcnschte ich auch den Rest nie geh\u00f6rt zu haben. Denn seit Wochen betrachte ich mit Argwohn den Konzertplan der &#8222;Garage&#8220;, auf dem f\u00fcr morgen Abend das nackte Grauen angek\u00fcndigt ist: Knorkator! Seit Wochen erbebe ich innerlich bei jedem Telefonklingeln, wann er mich wohl ereilt, der Knorkator-Auftrag. Und stelle neulich hocherfreut fest, dass mir gar nix mehr passieren kann, weil ich mir am selben Abend was ganz anderes, und noch dazu was Angenehmes reinziehen darf. Und jetzt das!<\/p>\n\n\n\n<p>Kann man sich das vorstellen? Statt es mir morgen vor meinem Fernseher gem\u00fctlich zu machen, ein gutes Buch zu lesen oder einfach nur in ein schwarzes Loch zu fallen, weil ich nicht zu J\u00fcrgen von der Lippe darf, werde ich mir in der stinkigen &#8222;Garage&#8220; die Beine zu den zerm\u00fcrbenden Kl\u00e4ngen von Knorkator in den schmerzenden R\u00fccken stehen. Und meine Ohrenst\u00f6psel noch tiefer reindr\u00fccken als sonst. Toll! &#8222;Ja, ich kann Ihre Entt\u00e4uschung verstehen, Frau Prei\u00dfner. Kann ich mir vorstellen, dass das nicht das Gleiche ist. Aber vielleicht wird\u2019s ja auch ein bi\u00dfchen interessanter.&#8220; &#8222;Eher ein bi\u00dfchen unertr\u00e4glicher.&#8220; Worauf die Sekret\u00e4rin tats\u00e4chlich: &#8222;Oh, wirklich? Na, dann werd ich ihren Artikel dazu auf jeden Fall lesen. Das will ich dann aber doch wissen, was das ist.&#8220; Ach, gute Frau, lesen Sie doch einfach meinen&nbsp;<a href=\"https:\/\/hinternet.de\/musik\/cd-k\/knorkator.php\">CD-Verri\u00df<\/a>&nbsp;vom Sommer, nur&nbsp;<a href=\"https:\/\/hinternet.de\/musik\/singles\/single15.php\">Subway to Sally<\/a>&nbsp;waren noch schlimmer. Aber na gut. Ich brauch das Geld. We\u00b4re only in it for the money.<\/p>\n\n\n\n<p>Mein Freund wei\u00df noch gar nichts von seinem Gl\u00fcck. Der hat heute morgen nur mal kurz gefragt, warum ich letzte Nacht so schrecklich mit den Z\u00e4hnen geknirscht hab. Das ist meine letzte Chance: vielleicht hab ich ja alles nur getr\u00e4umt? Das w\u00fcrde auch das Z\u00e4hneknirschen erkl\u00e4ren. Rackrack.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Epilog.<\/strong>&nbsp;Eigentlich ist mir nach dem oben Geschilderten nicht nach Scherzen.&nbsp;<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/hinternet.de\/kolumnen\/katja\/images\/tvsucks.gif\" width=\"200\" height=\"129\"\/>Aber ein paar TV-Impressionen mu\u00df ich doch noch loswerden. Dr. Zapp hat, glaub ich, noch Urlaub. Also mach ich das jetzt. Geht ganz schnell, sind nur ein paar sprachliche Kl\u00f6pse.<\/p>\n\n\n\n<p>Kennt Ihr meine Lieblingswerbung auf MTV? Vor einem Vierteljahrundert schickten sich ein paar Bands an, die Rockmusik auf den Kopf zu stellen. Oder besser: ihr die Power, das letzte F\u00fcnkchen Leben auszutreiben. Irgendwie so halt. Sinngem\u00e4\u00df m\u00fc\u00dfte es jedenfalls wahrheitsgem\u00e4\u00df so hei\u00dfen. Is ne Werbung f\u00fcr einen 60er Jahre-Sampler, ne 5-CD-Box oder so. Mein Lieblingssatz ist nun der folgende: &#8222;<em>Sie k\u00f6nnten ins Extrem gehen, um den Sound dieser \u00c4ra wiederzubekommen.<\/em>&#8220; Soll was hei\u00dfen? Sie k\u00f6nnten sich mit Drogen vollpumpen? Sie k\u00f6nnten in einen Plattenladen einbrechen? Und dort t\u00f6ten, um an die Alben der K\u00fcnstler billiger ranzukommen? Who knows.<\/p>\n\n\n\n<p>Who knows auch, was sich der Mitarbeiter einer Trickfilmfirma dachte, als er im ZDF-(Hallooooooo!)-Mittagsmagazin das Expo-Maskottchen Wimbsy (oder so \u00e4hnlich) folgenderma\u00dfen anpries: &#8222;<em>Also, f\u00fcr mich hat diese Figur etwas sehr Integratives. Nicht ohne Grund tr\u00e4gt sie einen m\u00e4nnlichen und einen weiblichen Schuh.<\/em>&#8220; Sehr sch\u00f6n, ja. Vor allem wissen wir alle, wie integrativ hierzulande das Tragen eines m\u00e4nnlichen und eines weiblichen Schuhs wirkt. Vor allem in Kombination mit einer raffiniert geschnittenen Zwangsjacke.<\/p>\n\n\n\n<p>Mein Favorit ist aber eindeutig ein Satz (oder zumindest der Versuch) von J\u00fcrgen Fliege, gesprochen im Trailer zur Sendung &#8222;Die Liebe hat mich alles gekostet&#8220;: &#8222;<em>Bei mir sind heute vier Menschen zu Gast. Die Liebe hat ihnen alles gekostet.<\/em>&#8220; Diagnose: Hals gebrochen beim Pluralisieren eines Reflexivpronomens. Ziemlich seltene Angelegenheit. Das Ding leg ich in Spiritus ein und komm damit beim Kongre\u00df der Grammatik-Pathologen ganz gro\u00df raus!<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-style-default\">\n<figure class=\"aligncenter\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/hinternet.de\/kolumnen\/katja\/images\/schrank.gif\" alt=\"\"\/><\/figure>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich dachte ja immer, meine Kolumne h\u00e4tte in erster Linie was Selbst-Therapeutisches, also, damit ich nicht irre an mir selbst werde. 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