{"id":36735,"date":"1996-11-01T11:11:00","date_gmt":"1996-11-01T10:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=36735"},"modified":"2022-08-25T04:42:43","modified_gmt":"2022-08-25T02:42:43","slug":"interview-anton-fier","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/1996\/11\/interview-anton-fier\/","title":{"rendered":"Interview: Anton Fier"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Ein Mann geht seinen Weg<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Anton Fier ist einer der vergleichsweise wenigen Schlagzeuger, der sich erfolgreich zu einem selbst\u00e4ndig plattenproduzierenden K\u00fcnstler gemausert hat. Wenn Fier Platten macht, dann unter dem Namen GOLDEN PALOMINOS. Acht waren es bislang, die erste 1983 und die neueste, &#8222;Dead Inside&#8220; Ende 1996. Obwohl er mit einigen der besten Experimentalmusiker aus New York zusammenarbeitet (wie Bill Laswell und Gitarrist Nicky Skoplelitis, die auf allen acht Alben spielen), IST Anton Fier die GOLDEN PALOMINOS. Und er beeilt sich gleich zu Beginn des Interviews, mich darauf hinzuweisen: &#8222;There ain\u00b4t no band!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-style-default\">\n<figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.hinternet.de\/musik\/intrview\/images\/fier.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.hinternet.de\/musik\/intrview\/images\/fier.jpg\" alt=\"\" width=\"130\" height=\"168\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Aber auf den fr\u00fchen PALOMINOS-Platten gab es eine Band. Auf der ersten LP &#8222;Golden Palominos&#8220; spielten Arto Lindsay und John Zorn und auf der zweiten, &#8222;Visions of Excess&#8220;, Jack Bruce, Richard Thompson und Henry Kaiser. Am interessantesten f\u00fcr die breite Masse waren aber die Gastauftritte von Michael Stipe, Bob Mould, John Lydon und Mick Taylor. Auf &#8222;Dead Inside&#8220; ist Fier jetzt praktisch f\u00fcr die ganze Musik verantwortlich, die haupts\u00e4chlich aus atmosph\u00e4rischen Synthesizer Dreamscapes besteht.<\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;Musikalisch gesehen ist das meine bislang unkooperativste Platte. Ich sehe diese Platte aber als Zusammenarbeit mit Nicole Blackman&#8220;<\/em> , sagt Fier \u00fcber die Frau, die s\u00e4mtliche Texte auf &#8222;Dead Inside&#8220; geschrieben und gesprochen (nicht gesungen!) hat.<\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;Ich wu\u00dfte, ich mu\u00dfte eine Platte machen und ich mu\u00dfte Leute finden, mit denen ich sie machen konnte. Ich hatte da eine Kassette einer Compilation, bei der ich auch mitgearbeitet hatte. Die Beteiligten \u00fcbernahmen den Part einer Figur der griechischen Mythologie und schrieben und lasen ein kleines St\u00fcck. Ich h\u00f6rte Nicoles Beitrag und was mich anzog, war der Klang ihrer Stimme und die Art, wie sie den Text vortrug. Sie klang sehr real, wie jemand, der zu dieser ganz bestimmten Zeit gelebt hat. Sie war daran interessiert, verschiedene Sachen auszuprobieren. Wir trafen uns und sprachen einige Male dar\u00fcber, wie ich die Platte haben wollte.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Wenn man mit Fier spricht, werden zwei Dinge \u00fcber seine Arbeitsgewohnheiten sofort klar. Zun\u00e4chst einmal ist er Perfektionist.<\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;Ich wu\u00dfte, als ich die letzte Platte (&#8222;Pure&#8220;, 1994) beendet hatte, da\u00df sie eigentlich noch nicht fertig war. Eine H\u00e4lfte war, meiner Meinung nach, fertig und gro\u00dfartig und ich bin gl\u00fccklich, da\u00df es sie gibt. Bei der anderen H\u00e4lfte wu\u00dfte ich aber, da\u00df sie nicht gut war. Ich versuchte, die Plattenfirma dazu zu bringen, die Platte noch nicht zu ver\u00f6ffentlichen. Die Platte war ein Fehler, den ich ganz bestimmt nicht wieder machen werde, denn ich habe nur eine beschr\u00e4nkte Anzahl an Platten zu machen bevor ich sterbe und sie sollen alle etwas besonderes werden. Sie sollen alle etwas bedeuten.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-style-default\">\n<figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.hinternet.de\/musik\/intrview\/images\/blackman.jpg\" alt=\"\" width=\"234\" height=\"236\"\/><figcaption>Fier is a Blackman\u00b4s best friend<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>\u00dcber die Zusammenarbeit mit Nicole Blackman bei &#8222;Dead Inside&#8220;:<\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;Ich erarbeitete primitive Versionen von drei St\u00fccken und wir nahmen sie uns eine nach der anderen vor. Es war nicht so, da\u00df wir uns an drei St\u00fccken versuchten und es bei einem vielleicht nicht klappte. Wir haben uns mit einem St\u00fcck so lange besch\u00e4ftigt, bis es fertig war &#8211; nicht das ganze St\u00fcck, aber bis die Texte fertig waren und wir Nicoles Aufnahmen auf Band hatten. Die ersten drei St\u00fccke waren &#8222;Victim&#8220;, &#8222;Belfast&#8220; und &#8222;Metal Eye&#8220;. Der Standard der ersten drei Titel war so hoch, da\u00df wir Schwierigkeiten hatten, weiter zu machen, denn ich wollte, da\u00df jedes weitere St\u00fcck genauso gut sein sollte, wie die ersten drei. Deshalb hat es ziemlich lange gedauert, bis wir mit der Platte fertig waren. \u00dcber ein Jahr. Ich wollte mich hundertprozentig mit dem Album identifizieren k\u00f6nnen. Wenn es fertig war, wollte ich es anh\u00f6ren k\u00f6nnen und sagen: Ja, das ist die Platte, die ich machen wollte.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Fier ist aber nicht nur ein Perfektionist, er will auch, da\u00df alles nach seinen Vorstellungen l\u00e4uft:<\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;Ich habe das letzte Wort. Ich war etwas unzufrieden, wenn ich in den letzten Jahren mit anderen Songschreibern zusammenarbeitete. Deshalb wollte ich jemanden finden, der gar nicht erst versucht, mir seine musikalische Pers\u00f6nlichkeit aufzuzwingen&#8220;.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Fier gibt zu, da\u00df Blackmans nicht-musikalischer Status eine gro\u00dfe Anziehung auf ihn aus\u00fcbte.<\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;Ich habe nach und nach die Zahl der Mitmusiker verringert und jetzt gibt es fast nur noch mich und die Texterin. Und ich glaube, die n\u00e4chste Platte mit Nicole wird noch weiter gehen. Mehrere Platten lang gab es immer einen Gitarristen (entweder Nicky oder jemand anderes), der mir geholfen hat, die Musik in die richtige Richtung zu bringen. Auf der aktuellen Platte aber war ich der einzige, der die musikalische Richtung vorgegeben hat. Und ich hatte das Gef\u00fchl, da\u00df das sehr wichtig f\u00fcr mich war. Meine Platten m\u00fcssen etwas pers\u00f6nlicher werden.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>So betrachtet Fier sogar seinen Computer, der bei der Erstellung von &#8222;Dead Inside&#8220; eine gro\u00dfe Rolle spielte, mit einem gewissen Mi\u00dftrauen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;Ich m\u00f6chte eine gewisse Distanz zu meinem Computer beibehalten. Ich m\u00f6chte ihn nur als ein Musikinstrument betrachten. Mein Computer l\u00e4uft fast 24 Stunden am Tag, aber ich werde mir keine Textverarbeitung zulegen und ich werde kein Modem kaufen, denn ich kenne mich nicht gut genug aus, um mit ihm arbeiten zu k\u00f6nnen. Es hat sehr lange gedauert, bis ich den Computer als Musikinstrument einsetzen konnte. Ich m\u00f6chte ihn nur als das sehen.&#8220;<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Mann geht seinen Weg Anton Fier ist einer der vergleichsweise wenigen Schlagzeuger, der sich erfolgreich zu einem selbst\u00e4ndig plattenproduzierenden K\u00fcnstler gemausert hat. 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