{"id":36743,"date":"1998-10-21T11:11:00","date_gmt":"1998-10-21T09:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=36743"},"modified":"2022-08-25T05:34:23","modified_gmt":"2022-08-25T03:34:23","slug":"interview-sophia","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/1998\/10\/interview-sophia\/","title":{"rendered":"Interview: Sophia"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Ungerechtigkeit Des Seins<\/h2>\n\n\n\n<p>Es gibt zwei Gruppen deren Weiterbestehen ich mir von Herzen gew\u00fcnscht h\u00e4tte (was aber leider nie passiert ist und wohl nie passieren wird). Die eine kommt aus der hei\u00dfen, trockenen W\u00fcste und hei\u00dft Kyuss, die andere tr\u00e4gt den imposanten Namen The God Machine und stammt aus dem meist k\u00fchlen, verregneten London. Zwei Orte, die unterschiedlicher kaum sein k\u00f6nnten. Dennoch haben beide Bands einige Gemeinsamkeiten. Erstens teil(t)en sie sich gr\u00f6\u00dftenteils die selben Fans, zweitens boten beide Bands zeitlose Musik, deren Genu\u00df jede einzelne Synapse des K\u00f6rpers anregt(e). Kopfmusik k\u00f6nnte man dazu auch sagen, obwohl in beiden Bands keineswegs Meister des Filigranen werkelten, die st\u00e4ndig vom Notenblatt ablesend in sich versunken auf der B\u00fchne musizierten. Ganz im Gegenteil, sie bedienten sich einfacher Mittel, die sie effektvoll einzusetzen imstande waren.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>The God Machine bewiesen dies in der ersten H\u00e4lfte dieses Jahrzehnts mit zwei brillanten Ver\u00f6ffentlichungen. Ihr Rezept: Gehaltvoller, melancholisch bis tief-trauriger Indierock, der nachdenklich stimmende Texte transportierte. So einfach und trivial ist das Schaffen des Trios jedoch nicht mit Worten zu umrei\u00dfen. Fest steht lediglich, da\u00df ihre Musik auf viele H\u00f6rer wie Balsam f\u00fcr die angespannten Nerven oder die klaffenden seelischen Wunden gewirkt hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Jahre 1990 siedelten Ron Austin, Jimmy Fernandez und Robin Proper-Sheppard von New York nach London \u00fcber und gr\u00fcndeten dort eine der eindrucksvollsten Bands \u00fcberhaupt: The God Machine. Ihre beiden Alben &#8222;Scenes From The Second Storey&#8220; und &#8222;One Last Laugh In A Place Of Dying&#8220; sind seit langem schon vergriffen und in Second Hand-L\u00e4den schwerlich zu erstehen. Vielleicht ein Anzeichen daf\u00fcr, wie gro\u00dfartig diese stark im Underground verwurzelte Band gewesen ist. Im Mai 1994 wurde das Thema God Machine von heute auf morgen Geschichte. Jimmy Fernandez, der Bassist, starb in einem Prager Krankenhaus an einem Gehirntumor. Damit hatte die Band ihre Berechtigung verloren und wurde ad acta gelegt. Lange Zeit war es still um die verbliebenen Mitglieder Austin und Robin. Erst drei Jahre nach diesem tragischen Ereignis tauchte urpl\u00f6tzlich &#8222;Fixed Water&#8220;, das Deb\u00fct von Sophia auf, einer Band, die der ehemalige God Machine-Gitarrist Robin gr\u00fcndete. Der Anla\u00df, wieder in die Welt der Musik zur\u00fcckzukehren, war die Fertigstellung des Songs &#8222;So Slow&#8220;, in den Robin all seine Trauer um seinen verstorbenen Freund Jimmy packte. Es folgten weitere St\u00fccke und im Nu stand das Ger\u00fcst f\u00fcr ein komplettes Album. Nach dessen Ver\u00f6ffentlichung ging die Band auf Tour. Irgendwann stellte Robin fest, da\u00df die Sophia-Anh\u00e4nger mehr wollten und deshalb lie\u00df er den zweite Streich folgen, der jetzt in Form von &#8222;The Infinite Circle&#8220; vorliegt. Grund genug, nach all den Jahren als Fan seiner songschreiberischen Erhabenheit, endlich mal mit Robin zu sprechen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Anfangssituation: Ein gut gelaunter Robin irrt mit einem tragbaren Telefon in der Hand (wo auch sonst?) durch das Herner Quartier von &#8218;Rough Trade&#8216; auf der Suche nach einem stillen \u00d6rtchen, um dort meinen Fragenkatalog zu durchzuackern.<\/p>\n\n\n\n<p>Eigentlich kommt der singende Gitarrist ja aus \u00dcbersee, San Diego um pr\u00e4zise zu sein. Sein amerikanischer Akzent ist zu meiner \u00dcberraschung v\u00f6llig verbla\u00dft und klingt derweil extrem britisch.<\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;Wie du sicherlich wei\u00dft, habe ich einige Jahre in Gro\u00dfbritannien gelebt. Ich glaube, es waren sechs an der Zahl.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Und die haben h\u00f6rbar ihre Spuren in der Phonetik und Phonologie des geb\u00fcrtigen Amis hinterlassen. Weg vom Sprachwissenschaftlichen, hin zur Musik. Was bewog euch, Jimmy, Austin und dich, alias The God Machine, Amerika zu verlassen?<\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;Es gab gar keinen speziellen Grund. Ich zog von San Diego nach New York. Austin und Jimmy wollten mich begleiten und zogen ein paar Monate sp\u00e4ter in den Big Apple. Irgendwann trafen wir auf einen Kerl, der in Europa als Tourmanager arbeitete. Er bot uns an, zu ihm auf die Insel zu kommen und uns dort mit Gelegenheitsjobs \u00fcber Wasser zu halten. Gleichzeitig k\u00f6nnten wir einzelne Konzerte absolvieren und die L\u00e4nder Europas kennenlernen. Das klang durchaus verlockend, und wir flogen nach London. Dort angekommen erkl\u00e4rte er uns, er k\u00f6nne uns nicht weiterhelfen. Alle Versprechungen waren nichts weiter als hohle Phrasen. Da sa\u00dfen wir nun in London &#8211; ohne Instrumente, ohne Geld, ohne R\u00fcckflugticket. Also mu\u00dften wir arbeiten gehen, um den R\u00fcckflug zu finanzieren. W\u00e4hrenddessen lernten wir die englische Musikszene St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck kennen. An dieser Stelle mu\u00df ich noch erw\u00e4hnen, da\u00df The God Machine vor dem Europatrip noch gar nicht gegr\u00fcndet waren. In New York waren wir eigentlich ein Quartett und ich sang; ich spielte noc gar keine Gitarre. Anfangs war ich wirklich kein guter Gitarrist. Ich arbeitete in London in einem Musikgesch\u00e4ft. Dort durfte ich den Kunden keine Gitarren vorf\u00fchren. (lacht) Ich profitierte lediglich von meinem Technikverst\u00e4ndnis, das ich mir bei verschiedenen Studiot\u00e4tigkeiten in New York angeeignet hatte. Mein Gitarrenspiel zeichnete sich nicht durch ausgereifte Spielweise, sondern durch neue Soundeffekte aus. Jedenfalls beschlossen wir in London, das Vorhaben The God Machine anzukurbeln.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>The God Machine wirkten in all den Jahren nach au\u00dfen hin stets als ein Trio bestehend aus drei engen Freunden. Die folgende Tatsache unterstreicht dies: <em>&#8222;Wir wohnten \u00fcber ein Jahr in einem einzigen Zimmer&#8220;<\/em>, erkl\u00e4rt Robin. <em>&#8222;Eigentlich solange bis wir den Vertrag bei &#8218;Fiction&#8216; unterschrieben.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Was geht dir durch den Kopf, wenn du an damals zur\u00fcckdenkst?<\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;Es war eine gro\u00dfartige Zeit.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>War es nicht eine einzigartige Sache f\u00fcr dich und die anderen?<\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;Das wei\u00df ich nicht, diese Frage m\u00fc\u00dftest du beantworten.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ich denke schon. In meinen Augen war nicht nur die Band, auch deren Musik war einzigartig. Ich kenne keine Band, die sich jemals an eurem Sound vergriffen hat.<\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;Oh, ich k\u00f6nnte dir einige aufz\u00e4hlen. Andauernd schicken mir irgendwelche Leute Demos und CDs zu, die mich an God Machine erinnern.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Wie oft denkst du noch zur\u00fcck?<\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;Um ehrlich zu sein kaum. Sophia hat mich voll und ganz in seinen Bann gezogen. Da bleiben f\u00fcr andere Dinge keine Zeit. Das besondere an Sophia ist, da\u00df ich die Platten auf meinem eigenen Label (&#8218;Flower Shop Recordings&#8216; &#8211; der Verf.) ver\u00f6ffentlichen kann und mich nicht l\u00e4nger mit den Gesch\u00e4ftspraktiken von Majorfirmen auseinandersetzen mu\u00df. Ich verkaufe auch viel mehr Alben als zuvor. Der Kontakt zu meinen Gesch\u00e4ftsleuten ist pers\u00f6nlicher und erleichtert mir dadurch die viele Arbeit. Die Beziehungen sind freundlicher und netter. Mittlerweile brauchen wir auch keine Tourmanager oder Roadies mehr. Ich bin dieses Abgeschirmtsein leid. Ich m\u00f6chte wissen, was vor sich geht und wo es brennt. Das jedenfalls bedauere ich, bei God Machine falsch gemacht zu haben. Es war zu sehr ein Majorlabel-Ding. Das war gar nicht unsere Intention. Jeder versuchte uns reinzureden. Irgendwann wirst du wach, befindest dich in einer kleinen Luftblase und k\u00e4mpfst verzweifelt ums \u00dcberleben. (\u2026) Der einzige Grund, warum ich ein zweites Sophia-Album gemacht habe, ist die gro\u00dfe Nachfrage seitens der Fans nach einer solchen Scheibe. Es gibt Webseiten auf denen die Fans ihre Sophia-Hitlist w\u00e4hlen k\u00f6nnen. Da tauchten Songs auf, die wir nie aufgenommen haben, h\u00f6chstens live gespielt. Da merkte ich, da\u00df ich endlich in der Position bin, zu entscheiden, was ich wie machen will. Daher dieses Album als Dankesch\u00f6n an alle. Majors wollen ja nur ein zweites Album, damit ich als Musiker meine Schulden bei ihnen einspielen kann. Diesmal war die Motivation eine andere. Ich wu\u00dfte, da drau\u00dfen sind Leute, die sich nach Sophia-Songs sehnen.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Nach Jimmys Tod (23. Mai 1994) hast du dich vorl\u00e4ufig aus dem Business zur\u00fcckgezogen. Es hie\u00df erst, du wolltest nie mehr Musik machen, bist dann aber doch Anfang 1997 mit dem Sophia-Deb\u00fct &#8222;Fixed Water&#8220; zur\u00fcckgekehrt.<\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;Ich konnte zuerst keine weiteren Songs schreiben. Ich war wie ausgebrannt und blockiert. Ich verkaufte all mein Equipment und k\u00fcmmerte mich lieber um mein Label &#8218;Flower Shop Recordings&#8216;. Ich wollte halt keinesfalls den Kontakt zur Musikszene verlieren.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Was macht Austin derzeit?<\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;Er ist im Filmgesch\u00e4ft t\u00e4tig und hat unter andrem das letzte Sophia-Video gedreht. Eigentlich hat er sonst nichts mit Videos am Hut. Ich habe jedenfalls regelm\u00e4\u00dfig Kontakt zu ihm.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend Musiker von Swervedriver Sophia auf Tour unterst\u00fctzen, wurde das Album von engen Freunden Robins eingespielt, die er im Laufe der Jahre (auf Tour oder im Studio) kennengelernt hat. Die meisten von denen wohnen in England, wobei Robin mittlerweile in Belgien lebt.<\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;Ich mu\u00dfte weg aus England und bin nach Br\u00fcssel gezogen, da ich mit den Einwanderungsbestimmungen Probleme bekam. Solange du f\u00fcr eine englische Firma arbeitest, kannst du bleiben. Doch sobald du eine eigene Firma gr\u00fcndest und dein eigenes Geld verdienen m\u00f6chtest schmei\u00dfen sie dich raus. Das finden sie irgendwie nicht so toll. Das f\u00fchrte nat\u00fcrlich zu erheblichen Komplikationen. Ich habe n\u00e4mlich eine Tochter, die ich infolgedessen kaum zu Gesicht bekomme. Leider ist sie erst 18 Monate alt und kann nicht selbst entscheiden, ob sie zu mir ziehen m\u00f6chte.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Weitere Details zu diesem privaten Thema wollte ich nicht erfragen. Themawechsel: Wie beurteilst du die musikalischen Ver\u00e4nderungen, die zwischen &#8222;Fixed Water&#8220; und &#8222;The Infinite Circle&#8220; stattgefunden haben?<\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;Ich w\u00fcrde eher von einem Entwicklungsschub zwischen God Machine und Sophia sprechen. God Machine waren zur Zeit des Splits im Wandel begriffen und w\u00fcrden heute sicherlich anders klingen als fr\u00fcher. Ich habe mit Sophia den Tod Jimmys zu kompensieren versucht und die erste wahre Krise meines Lebens verarbeiten k\u00f6nnen. Nie zuvor hatte ich den Tod derma\u00dfen nah miterleben m\u00fcssen. Von einem auf den anderen Tag war Jimmy weg. Das konnte ich einfach nicht so akzeptieren. Zur gleichen Zeit ging meine erste Langzeitbeziehung in die Br\u00fcche. Sie war das erste M\u00e4dchen, das ich nach meiner Ankunft in London traf. \u00dcber Jahre war ich der naiven \u00dcberzeugung, diese Beziehung w\u00fcrde ewig halten. Als dann aber Jimmy starb und ich von seiner Beerdigung in Kalifornien zur\u00fcckkehrte, machten wir in beiderseitigem Einvernehmen Schlu\u00df. Nichts war f\u00fcr mich mehr von Bedeutung. Meine Lebensgef\u00e4hrtin war weg, einer meiner besten Freunde starb, meine Band aufgel\u00f6st und ich lebte in einem Hotelzimmer. Auf einmal mu\u00dfte ich der Realit\u00e4t in die Augen sehen, was ich sonst nie tun mu\u00dfte. Ich mu\u00dfte mein Leben im Nu in den Griff kriegen und neu ordnen. Ich stellte fest, da\u00df du als Mensch eigentlich sehr wenig kontrollieren kannst &#8211; auch wenn du glaubst, dem sei nicht so. Kaum etwas kannst du wirklich beeinflussen. Diese Erkenntnis und deren Folgen war ein riesiger Schritt f\u00fcr mich im Zuge des Erwachsenwerdens. Dar\u00fcber schrieb ich nat\u00fcrlich in meinen Songs.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ist es naiv, darauf zu bauen bzw. zu hoffen, da\u00df Beziehungen ewig halten?<\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;Ich bin von Natur aus ein absoluter Romantiker und m\u00f6chte daher glauben, da\u00df da drau\u00dfen f\u00fcr jeden ein passendes Gegenst\u00fcck existiert. Aber um ehrlich zu sein, es gab eine Zeit, in der alle Beziehungen, die ich kannte, &#8218;evil&#8216; waren. Einer hinterging oder verletzte den anderen &#8211; alles sch\u00f6n im Geheimen. Wenn mich dann Leute \u00fcber Songs wie &#8218;Woman&#8216; oder &#8218;Bastards&#8216; ausfragen, dann erkl\u00e4re ich ihnen, da\u00df es darin um die Art von Beziehung geht, wie ich an sie glaube. Aber leider existieren davon nur wenige reale Beispiele. Ich m\u00f6chte dennoch nicht die Hoffnung aufgeben und den Kopf in den Sand stecken. Auf &#8218;Fixed Water&#8216; hatte ich schon resigniert; jetzt bin ich w\u00fctend und m\u00f6chte mich zur Wehr setzen. Ich sehe nicht ein, da\u00df das ganze Leben so (damit meint er wohl &#8218;evil&#8216; im Sinne von hoffnungslos) sein soll.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend ich die vage These in den Raum stelle, die lyrische Seite von Sophia gleicht der von God Machine, m\u00f6chte ich von Robin wissen, wie er die Stimmungen, die durch die Musik beider Bands erzeugt werden, vergleichen w\u00fcrde?<\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;Eins vorweg: Die Texte sind total unterschiedlich. Da kannst du sagen was du willst. Nun zur Atmosph\u00e4re der Songs: Was immer ich kreiere bezieht sich auf eine bestimmte Person, die automatisch in der Musik und in den Texten widergespiegelt wird. Das Sophia-Deb\u00fct war in meinen Augen v\u00f6llig verschieden von God Machine. Ich war damals der festen \u00dcberzeugung, jeder God Machine-Fan w\u00fcrde die Platte verbrennen. Dem war aber nicht so. Einige erkannten die textlichen Unterschiede und zugleich Parallelen in der Stimmung. Das gr\u00f6\u00dfte Problem mit den God Machine-Fans war sicherlich, da\u00df viele von ihnen &#8211; ich spreche im Besonders diejenigen an, die laute, noisige Musik anziehend fanden &#8211; mit Sophia nichts anfangen konnten. Alle anderen mochten &#8218;Fixed Water&#8216; von Anfang an. Vor einem Monat unterhielt ich mich mit Austin \u00fcber die Tatsache, da\u00df wir gegen Ende im Begriff waren, uns von der harten Seite der Musik zu entfernen. Das stand uns n\u00e4mlich nicht zu Gesicht. Im Nachhinein wei\u00df ich nicht, wie erfolgreich wir mit dieser Entwicklung gewesen w\u00e4ren. Man h\u00e4tte uns wahrscheinlich vielerorts dennoch als harte Band eingestuft. Das hat mich an God Machine am meisten gest\u00f6rt. W\u00e4hrend wir zum Beispiel &#8218;It&#8217;s All Over&#8216; spielten, tobten 18j\u00e4hrige vor der B\u00fchne und grinsten. Genau das nervte wahrscheinlich auch diejenigen, die sich nunmehr mit Sophia auseinandersetzen. Viele haben anscheinend verstanden, da\u00df God Machine aus Austin, Jimmy und mir bestanden und ich beim besten Willen dieses Gef\u00fchl ohne die beiden anderen nicht wieder produzieren kann. Es tut mir leid, aber solche Fans, die weiterhin nur God Machine h\u00f6ren wollen, mu\u00df ich entt\u00e4uschen.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Moment, ich habe God Machine nie als harte Band, sondern als traurige, emotionale Band angesehen. Wie kommen die denn darauf?<\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;Genau deswegen machen wir jetzt wahrscheinlich dieses Interview. Du hast dich mit Sophia auseinandergesetzt und diese Parallele erkannt. Dazu kann ich dir eine witzige Anekdote erz\u00e4hlen. Ich war in einer Br\u00fcsseler Kneipe und sa\u00df an der Bar neben zwei \u00fcbel aussehenden Skinheads. Ich dachte, die w\u00fcrden mich jeden Moment zusammenschlagen. Wir kamen ins Gespr\u00e4ch, redeten \u00fcber Musik und unsere Bands. Ich meinte, beim Schreiben von Musik mu\u00dft du wissen, da\u00df es nicht nur Leute gibt, die dauernd harte Musik h\u00f6ren wollen. Das Gespr\u00e4ch verlief \u00fcber eine Stunde. Dann erz\u00e4hlte ich von Sophia und erw\u00e4hnte am Rande, da\u00df ich der S\u00e4nger von God Machine war. Der eine von ihnen (Piercings und Tattoos am ganzen K\u00f6rper, den Sch\u00e4del kahlrasiert) fuhr erstaunt zusammen und sagte: &#8218;Oh mein Gott, der Song &#8218;It&#8217;s All Over&#8216; war f\u00fcr lange Zeit mein Lieblingsst\u00fcck. Das habe ich t\u00e4glich meiner Freundin vorgespielt.&#8216; Er hatte sogar die Textzeile &#8218;Why do all the things have to change, just when they meant so much&#8216; auf seinen R\u00fccken t\u00e4towiert. Ich wu\u00dfte somit, da\u00df es Leute gab, die uns verstanden und akzeptiert haben, wie wir waren. Zum Beispiel sagte man mir (noch bevor unsere EP &#8218;Purity&#8216; auf den Markt kam), Streicher geh\u00f6ren partout nicht auf ein Rockalbum. Was f\u00fcr ein Bullshit. Ich bin stolz, da\u00df es gen\u00fcgend Menschen gibt, die meine musikalische Entwicklung verstehen und ihr folgen k\u00f6nnen; vor allem, wenn es ein brutal wirkender Skinhead ist&#8220;, sagt Robin mit Stolz und f\u00e4hrt fort: &#8222;Meine Musik kann man irgendwie nicht definieren, sie definiert sich individuell aus den Reaktionen, die ich von den H\u00f6rern und Fans erhalte. Ich hatte viele schwierige Situationen im meinem Leben erfahren m\u00fcssen, und gerade deswegen bin ich unheimlich stolz auf das was ich mache oder gemacht habe. Es gibt nicht viele Musiker, die mit Stolz und Freude auf ihre Karriere zur\u00fcckblicken k\u00f6nnen. Ich sehe mir alte Promofotos an, auf denen ich ein Pulp-T-Shirt und eine Baseballkappe trage, und ich mu\u00df lachen &#8211; ohne jegliche Ironie. Es war eine hervorragende Zeit.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Meine letzte Frage: Woher r\u00fchrt all diese Trauer in der Musik von Sophia?<\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;Sie kommt aus mir heraus und basiert auf meiner speziellen Sichtweise des Lebens und dessen Reflexion. Ein wichtiger Grund, Musik zu machen, ist, das Leben so weit es geht n\u00fcchtern zu betrachten. Ich kann diese Trauer nicht immer mit mir herumtragen. Ich will sie erkl\u00e4ren, analysieren und im B\u00fccherregal abstellen k\u00f6nnen. Das genau passiert in meiner Musik &#8211; egal ob sie von God Machine oder Sophia stammt.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Ungerechtigkeit Des Seins Es gibt zwei Gruppen deren Weiterbestehen ich mir von Herzen gew\u00fcnscht h\u00e4tte (was aber leider nie passiert ist und wohl nie passieren wird). 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