{"id":36749,"date":"2004-04-19T11:11:00","date_gmt":"2004-04-19T09:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=36749"},"modified":"2022-08-26T00:10:15","modified_gmt":"2022-08-25T22:10:15","slug":"interview-franz-ferdinand","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2004\/04\/interview-franz-ferdinand\/","title":{"rendered":"Interview: Franz Ferdinand"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Vom Weltkrieg zum Pferderennen<\/h2>\n\n\n\n<p>&#8222;Franz, wer?&#8220; Diese Frage ging vor einigen Monaten noch durch. Wer sie jetzt noch stellt, der muss in letzter Zeit in einem Erdloch gehaust haben. Mittlerweile sollte jeder Hinterw\u00e4ldler bestens dar\u00fcber informiert sein, wer Franz Ferdinand war und wer heute hinter diesem Namen steckt.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Er war Erzherzog von \u00d6sterreich und nach dem Tode des Kronprinzen Rudolf und des Erzherzogs Karl Ludwig potentieller Thronfolger. Am 28.6.1914 wurde er allerdings mitsamt Gemahlin in Sarajewo von einem serbischen Freisch\u00e4rler ermordet. Ein Attentat mit dramatischen Folgen, gilt es doch als Ausl\u00f6ser f\u00fcr den Ersten Weltkrieg.<\/p>\n\n\n\n<p>Andererseits ist Franz Ferdinand &#8211; trotz aller schon geh\u00f6rten oder gelesenen Lobhudeleien &#8211; eine f\u00fcrwahr gro\u00dfartige Band, die einen schnell vergessen l\u00e4sst, dass einem vor zwei Jahren noch die Songs der Strokes die Ohren frei sp\u00fclten. Das Pop-Gesch\u00e4ft ist schnelllebig. Heute hui, morgen pfui! Statt New York ist heuer Glasgow ganz hoch im Kurs. Denn &#8211; das aber nur am Rande &#8211; in Schottlands Musik-Metropole hocken unz\u00e4hlige Bands in den Startl\u00f6chern. Zum Beispiel Sluts Of Trust (Deb\u00fct im Mai via Chemikal Underground Records) oder Sons And Daughters, deren Mitglieder bereits mit Arab Strap und The Zephyrs Platten aufnahmen und tourten &#8211; zum Beispiel die bezaubernde S\u00e4ngerin Adele Bethel und ihr Kollege David Gow. Fragt man Franz Ferdinand nach der coolsten Newcomer-Band aus Glasgow, bekommt man einstimmig die Antwort: Sons And Daughters. Wer ihre erste Deutschland-Ver\u00f6ffentlichung nicht erwarten kann, auf ihrer Website kann man zumindest zwei Songs h\u00f6ren (www.sonsanddaughtersloveyou.co.uk). Des weiteren w\u00e4re da eine Band namens I Love Lucy, in der eine gewisse Cecile mitspielt, in deren Schlafzimmer wiederum die sagenumwobene Rauferei zwischen Alex Kapranos (Gesang, Gitarre) und Nick McCarthy (Gitarre, Gesang) stattfand, die letztendlich mit der Gr\u00fcndung der Band endete.<\/p>\n\n\n\n<p>Ende des Exkurses und zur\u00fcck zum Eigentlichen. Ob ein Artikel \u00fcber Franz Ferdinand in Zeiten des Hypes um diese Band noch vonn\u00f6ten ist, diese Frage haben wir uns gar nicht gestellt. Wie viele Journalisten trafen auch wir die Band zum Interview in einem K\u00f6lner Hotel und stellten zwei ihrer Abgesandten &#8211; McCarthy (abgeschlossenes Studium von Doppelbass und Piano an der Hochschule in M\u00fcnchen und viele Jahre B\u00fcrger M\u00fcnchens) und Robert Hardy (Bassist, studierte kurzzeitig an der Glasgow School Of Art Malerei) &#8211; einige Fragen, die andere vielleicht nicht gestellt haben. Und: Nur weil \u00fcber die vier Herrschaften schon \u00fcberall Unmengen zu lesen war, hei\u00dft das keineswegs, dass das letzte Wort \u00fcber sie gesprochen ist. Wie es anfing, wurde schon angedeutet: Party in Glasgows Kneipenmeile Sauchiehall Street, Kampf um eine Flasche Vodka, Smalltalk, Verabredung zum Jammen, weitere Musiker rekrutiert. Wupp, zack, peng! Aus vier mach eins. Franz Ferdinand war wiedererstanden.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie f\u00fchlt es sich an, Mitglied der derzeit hei\u00dfesten Band Gro\u00dfbritanniens zu sein?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Beide:<\/strong> <em>&#8222;Erm\u00fcdend. Spannend. Aufregend. Es ist eine willkommene Abwechslung. Wir genie\u00dfen es. Die letzten drei Abende standen wir auf der B\u00fchne &#8211; es war atemberaubend. Es machte unendlich viel Spa\u00df. Die Kids flippten total aus. So was hast du noch nicht gesehen. Moshpits, Crowdsurfing &#8211; das volle Programm. Unbeschreiblich. Wir sahen uns an, lachten und legten los.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Eure zweite Single, &#8222;Take Me Out&#8220;, stieg auf Platz drei der britischen Charts ein. Wie war eure Reaktion?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Hardy:<\/strong> <em>&#8222;Wir waren sauer, dass wir es nicht auf Platz eins geschafft hatten. (lacht) Wir hatten vielleicht mit der Top 40 oder der Top 30 gerechnet.&#8220; McCarthy: &#8222;H\u00e4tte es die Single unter die 30 besten geschafft, wir w\u00e4ren \u00fcbergl\u00fccklich gewesen. Ich dachte mir noch, die Top 20 sei zu knacken. Es war verr\u00fcckt, als wir von der Realit\u00e4t \u00fcberholt wurden.&#8220; Hardy: &#8222;Ich war aus den Socken und gab gleich eine Party.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Wie haben eure Familien, Verwandte, Freunde und Geliebten reagiert?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>McCarthy:<\/strong> <em>&#8222;Mein Bruder fand es am\u00fcsant. Er spielt selbst in einer Band, und er war es, der mir das Gitarrespielen beigebracht hatte.&#8220;<\/em> <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Hardy:<\/strong> <em>&#8222;Und was sagt deine Freundin?&#8220; <\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>McCarthy:<\/strong> <em>&#8222;Ah, ich wei\u00df nicht. Manchmal hasst sie es, weil ich lange fort bin. Aber ich glaube, sie freut sich auch dr\u00fcber. Meine Mutter ist Leh-rerin und unglaublich stolz. Ihre Sch\u00fcler fragen sie st\u00e4ndig: &#8218;Mrs. McCarthy, k\u00f6nnten sie mir ein Autogramm von ihrem Sohn besorgen?&#8216;. Meine Eltern haben jetzt ein neues Hobby: Sie sammeln Zeitungsschnipsel und alles, was sie \u00fcber uns finden k\u00f6nnen.&#8220; Solange sich die Sch\u00fcler nicht mit deiner Mutter fotografieren lassen, ist es nicht so wild. <\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>McCarthy:<\/strong> <em>&#8222;Haha, das w\u00e4re was.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ich wei\u00df, wer Franz Ferdinand ist. Gerade deshalb muss ich wissen, warum ihr diesen Namen gew\u00e4hlt habt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>McCarthy:<\/strong> <em>&#8222;Wir sahen im Fernsehen ein Pferderennen. Eines der Tiere hie\u00df Erzherzog Ferdinand. So kamen wir schlie\u00dflich auf den Namen.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>In eure Texte haben sich deutsche W\u00f6rter eingeschlichen. In &#8222;Darts Of Pleasure&#8220; hei\u00dft es &#8222;Superfantastisch! Ich trinke Schampus mit Lachsfisch&#8220;. Ein Song hei\u00dft &#8222;Auf Achse&#8220;, was als Reminiszenz an Jack Kerouacs Buch &#8222;On The Road&#8220; oder auch an die gleichnamige legend\u00e4re deutsche TV-Serie mit Manfred Krug interpretiert werden kann.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>McCarthy:<\/strong> <em>&#8222;Oh, an die erinnere ich mich. Die w\u00fcrde ich gerne mal wieder sehen. (lacht) Was die deutschen W\u00f6rter betrifft: Es ist unglaublich chic und hip in England bzw. Gro\u00dfbritannien, sich f\u00fcr deutsche Musik oder Kunst im Allgemeinen zu begeistern. Dar\u00fcber wollten wir uns lustig machen.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Sie verstehen Spa\u00df, die vier Herrschaften aus Glasgow, die sich im Umfeld der Kunsthochschule kennen lernten und nach wie vor einen engen Kontakt zur Kunstszene pflegen. Mit Gleichgesinnten gr\u00fcndeten sie bekanntlich das nunmehr ber\u00fchmte Chateau, einen Hort f\u00fcr K\u00fcnstler, Musiker und Freaks. Wer wissen will, was dort los ist, dem sei die Website www.chateaugateau.co.uk ans Herz gelegt. Das Chateau beheimatete fr\u00fcher ein Gef\u00e4ngnis und liegt nicht unweit des Celtic Park, der Spielst\u00e4tte der einzig wahren coolen Fu\u00dfballmannschaft Glasgows, dem 1888 gegr\u00fcndeten Celtic Football Club.<\/p>\n\n\n\n<p>Ende des Textes, aber nicht Ende des Hypes.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vom Weltkrieg zum Pferderennen &#8222;Franz, wer?&#8220; Diese Frage ging vor einigen Monaten noch durch. Wer sie jetzt noch stellt, der muss in letzter Zeit in einem Erdloch gehaust haben. 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