{"id":36895,"date":"1996-08-26T11:11:00","date_gmt":"1996-08-26T09:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=36895"},"modified":"2022-08-26T12:22:12","modified_gmt":"2022-08-26T10:22:12","slug":"interview-lambchop","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/1996\/08\/interview-lambchop\/","title":{"rendered":"Interview: Lambchop"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Super Sophistication, Nashville<\/h2>\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-style-default\">\n<figure class=\"alignright size-large\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/hinternet.de\/musik\/intrview\/images\/lambchop.jpg\" alt=\"\"\/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Offen gesagt mag ich keine Country Musik, und demzufolge habe ich auch keine Ahnung davon. Und damit sich auch die weiterhin f\u00fcr einen Artikel \u00fcber Lambchop interessieren, denen der Begriff \u00e4hnlich dumpfe Assoziationen einjagt wie mir, werde ich mich h\u00fcten, ihre Musik als Country zu bezeichnen. Eine Nashville Band sind Lambchop aber sehr wohl, und dazu gleich mehr.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>In den sp\u00e4ten f\u00fcnfziger und fr\u00fchen sechziger Jahren modelte ein gewisser Chet Atkins die bis dahin l\u00e4ndlich-einfache Arrangierung von Musik aus Nashville (also C&#8230;) um in eine \u00fcppige Form ihrer selbst. Damit \u00fcbersetzte er eine wei\u00dfe amerikanische Volksmusik in wei\u00dfe Popmusik.<\/p>\n\n\n\n<p>An genau jenen Sound kn\u00fcpfen Lambchop an: ausgew\u00e4hlte Streichers\u00e4tze, extrem ausget\u00fcftelte Klangverh\u00e4ltnisse, stylisierte Dramatik. Der Songwriter und Chef der Band, Kurt Wagner, benutzt gerne den Begriff &#8222;Perfektion&#8220;, welcher das neue Lambchop-Album &#8222;How I Quit Smoking&#8220; so treffend charakterisiert wie sonst nur noch &#8222;Sophistikation&#8220;. Beim Aufeinandertreffen dieser Prinzipien mit Kurts Humor, Drogenerfahrungen und musikalischen Ideen entsteht diese seltsame, feine Musik, die nicht weit weg von Twin Peaks wohnt.<\/p>\n\n\n\n<p>Kurt zufolge sind Lambchop offensichtlich in der Musikszene von Nashville akzeptiert- wie k\u00f6nnte er anders nun in Europa sitzen und Interviews geben? Einschr\u00e4nkend f\u00fcgt er hinzu, da\u00df er dort als ziemlich strange gilt (&#8222;Komme ich Dir seltsam vor? Ich bin ein normaler Kerl.&#8220;) Fast scheint es so, als gefalle ihm diese Position als anerkannter Au\u00dfenseiter in seinem Zuhause nicht. Schlie\u00dflich sind Ihm die musikalischen Traditionen der Stadt lieb und teuer, und wenn er Lambchop als &#8222;New Nashville Sound&#8220; bezeichnet, dann ist das &#8222;new&#8220; nicht wichtiger als der Rest. Ist der &#8222;New Nashville Sound&#8220; die Idee einer Szene?<\/p>\n\n\n\n<p>Kurt:&nbsp;&#8222;Eine Bewegung ist es nicht, sondern eine Band &#8211; und das sind wir. Die Bewegung ist in uns selbst. In Nashville passieren andere Dinge- Independent Music, Rock Music. Was jetzt gerade interessant ist, ist eine Art Hillbilly-Honky-Tonk-Sound. Da wird eher versucht, den Spuren des Honky-Tonk zu folgen, als innovativ zu sein- was ich auch cool finde. Doch uns interessiert es, die Ideen anderer zu nehmen und etwas Neues daraus zu machen. Die spielen, was sie wollen, und ich spiele, was ich will. Lambchop spielen gerne Musik.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Und sind soweit von Honky-Tonk weg, wie sich nur irgendjemand vorstellen kann. Hauchzarte, psychoaktive Soundschichten umspielen hier eine hochsensible Rhythmus-Sektion. Beim ersten H\u00f6ren klingt alles eher statisch, w\u00e4hrend im Laufe der Zeit immer deutlicher wird, wie sehr das hier lebt.Dahinein bettet Kurt noch die unrhythmischsten Textzeilen, bis sich Wort und Musik aneinander schmiegen und darauf warten, elegant und smooth vorgetragen zu werden. Die Frage liegt nahe, ob er dies durch eine bestimmte Technik des Songschreibens erreicht.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Ich probiere viele verschiedene Techniken aus. Nehme mir Methoden anderer heraus- gro\u00dfe Poeten, Schriftsteller- oder schaue einfach Fernsehen und sitze davor und notiere Satz nach Satz. Manchmal ist es einfach eine Chronik der Dinge, die ich an einem Tag getan habe. Da sitze ich irgendwo sehr ernsthaft und versuche, mich von au\u00dfen zu betrachten, und dann suche ich eine Form, durch die ich meine Betrachtung interessant gestalten kann. Manchmal habe ich die Musik zuerst, manchmal schreibe ich die Musik erst zum Text. Keine festgelegte Art also, die Dinge zu tun.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Doch die Gabe, Text und Musik so ungewohnt miteinander spielen zu lassen, ist nicht der einzige aufregende Aspekt, wenn es zu Kurts Gesang kommt. Seine Stimme, die auf &#8222;How I Quit Smoking&#8220; ganz nah an Deinem Ohr ist, trifft den Ton nie genau. Und aus eben diesem Schlingern zwischen den Tonh\u00f6hen entstehen Minimelodien, die es wert sind, auf Einzelheiten hin geh\u00f6rt zu werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Kurt erl\u00e4utert zu seinem &#8222;Storytelling&#8220;, anfangs ein Hillbilly-Heulen draufgehabt zu haben. Sein jetziger Stil sei aus der Suche nach der M\u00f6glichkeit entstanden, den Soundzirkus seines gro\u00dfen Orchesters Lambchop auf einem ruhigen, geordneten Level zu halten. So s\u00e4he er sich inzwischen gerne in der Tradition des Croonings, ist sich jedoch nicht sicher, den Gro\u00dfen dieses Stils (wie seinem Favoriten Jim Reeves) jemals nahekommen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Angesichts seiner Reaktion auf mein Kompliment zur Lp (&#8222;Finde sie auch toll!&#8220;) und seines unersch\u00fctterlichen Selbstbewu\u00dftseins ist das eine sehr sympathische Aussage. Doch der Sound von Lambchop wird diesen individuellen Erfolg von Kurt nicht brauchen. Ihnen ist gelungen, was sie als Hoffnung selbst so formuliert haben: &#8222;&#8230;die extravaganteste und sch\u00f6nste Platte voller eitlem Rock zu machen&#8230;&#8220;.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Super Sophistication, Nashville Offen gesagt mag ich keine Country Musik, und demzufolge habe ich auch keine Ahnung davon. 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