{"id":36922,"date":"1995-06-18T11:11:00","date_gmt":"1995-06-18T09:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=36922"},"modified":"2022-08-26T23:37:40","modified_gmt":"2022-08-26T21:37:40","slug":"interview-sharon-stoned","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/1995\/06\/interview-sharon-stoned\/","title":{"rendered":"Interview: Sharon Stoned"},"content":{"rendered":"\n<p>Es scheinen bessere Zeiten anzubrechen! Wenn eine Band wie Sharon Stoned ausgiebig tourt und noch (relativ) viel Unterst\u00fctzung von Seiten der deutschen Musikmedien erh\u00e4lt, gibt dies Anla\u00df zur Hoffnung f\u00fcr alle, die das &#8222;Mein Gott was sind wir so hart&#8220;-Ding satt haben. Noch verwunderlicher erscheint die Tatsache, da\u00df 250 zahlende G\u00e4ste den Weg in das Dampfbad &#8222;Haifischbar&#8220; nach Saarbr\u00fccken gefunden hatten, dachte ich immer, da\u00df diese Stadt eine Art Wasteland f\u00fcr artverwandte Musik darstellt. Ein Hoch also auf Mingo Diener, den Herausgeber des &#8222;GOAR&#8220;, der die hohe Kunst Christofer Uhes schon zu Speedniggs-Zeiten, zu sch\u00e4tzen wu\u00dfte. . .<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Ich spreche hier von der hohen Kunst des Schreibens von Songs, die zwar nie in die Hitparaden vorgesto\u00dfen sind, die nichtsdestotrotz das gleiche Hitpotential aufweisen, wie die besten Scheiben der Lemonheads oder Dinosaur Jr&#8217;s.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese F\u00e4higkeit \u00fcbt Krite (Christofer Uhe) nicht nur bei Sharon Stoned aus- eine Band sei ihm zu wenig. Er zieht es vor, mit seinen Freunden verschiedene Projekte aufzuziehen, damit &#8222;man \u00fcber die Runden kommt&#8220;- schlie\u00dflich verkauft sich eine CD aus diesem Genre nur um die 5000 mal.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Namedropping gef\u00e4llig?<\/p>\n\n\n\n<p>Bei Great Tuna spielt Krite zusammen mit Christoph Pfeifer (Ex-Speedniggs), bei Locust Fudge spielt Schneider von den Hip Young Things mit dem Meister zusammen, Familiy Affair gleicht tats\u00e4chlich einem Familientreffen, wo sich die Br\u00fcder Markus und Micha Acher (The Notwist) mit Schneider und Krite zusammenfinden. Man k\u00f6nnte meinen es g\u00e4be in Deutschland ein zweites &#8222;Dischord-Syndrom&#8220;. Sharon Stoned besteht zwar nur aus den beiden Musikern Christofer Uhe und Mark Kowarsch, doch werden auf ihrer aktuelle CD &#8222;License To Confuse&#8220; zur Verst\u00e4rkung nur Freunde gefeatured- wie Schneider, Lou Barlow , Markus &amp; Micha Acher, Evan Dando und Sylvia Junosca, um nur einige zu nennen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein verbindendes Glied zwischen allen Projekten ist nicht nur der Mensch, der den Gesang beisteuert, sondern auch verschiedene St\u00fccke, die in anderen Versionen auf den verschiedenen CDs vertreten sind. Dies sei allerdings keine Absicht, sondern beruhe teilweise darauf, da\u00df man bei \u00e4lteren St\u00fccken, die nicht optimal abgemischt waren, den Drang versp\u00fcrte, sie nocheinmal &#8222;besser&#8220; aufzunehmen. Auf keinen Fall nimmt sich Christofer Uhe vor, bestimmte Songs f\u00fcr ein jeweiliges Projekt zu schreiben.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Ich schreibe einfach St\u00fccke und je nachdem in welchem Arbeitsproze\u00df ich gerade stecke, versuche ich sie dann zu verwenden.Die n\u00e4chste Sharon Stoned wird ganz im Studio fertiggestellt werden, ohne gro\u00dfe Vorproduktion.&#8220; Wie diese allerdings aussehen wird, darauf kann und will man keine Antwort geben.<\/p>\n\n\n\n<p>Eins scheint sicher: Das gro\u00dfe Namedropping wird nicht wie bei &#8222;License To Confuse&#8220; im Vorfeld ablaufen. Offensichtlich ist man dar\u00fcber ver\u00e4rgert, da\u00df Leute von der Plattenfirma auf der letzten Popkomm herumstolzierten und verk\u00fcndet haben, da\u00df Evan Dando auf dem Tontr\u00e4ger verewigt sei, hingegen man von Seiten der Band nur \u00fcber die Absicht ein St\u00fcck mit Mr. Lemonhead aufzunehmen, geredet hatte. Eine solche Art von Propaganda findet Mark Kowarsch &#8222;peinlich&#8220;, schlie\u00dflich soll sich die CD aufgrund der eigenen, k\u00fcnstlerischen Leistung verkaufen.<\/p>\n\n\n\n<p>Auff\u00e4llig an &#8222;License to Confuse&#8220; ist nicht nur die Tatsache, da\u00df der Titel einem St\u00fcck der letzten Sebadoh-Ver\u00f6ffentlichung &#8222;Bakesale&#8220; entliehen ist, sondern auch die Tatsache, da\u00df Sharon Stoned einige Songs mit einem 4-Spur Rekorder zu Hause aufgenommen haben- ein Stilmittel, dessen sich Lou Barlow des \u00f6fteren bedient. Mark Kowarsch sieht in dieser Tatsache keine Reminiszenz an Lou Barlow:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Die letzte Sebadoh klingt wie eine gigantische Rockproduktion- was auch cool ist. In unserem Fall ist es so, da\u00df der Etat von der Plattenfirma nicht ausgereicht hat, um alle St\u00fccke sauber zu produzieren. Wir setzen uns nicht mit irgendeinem Arschloch ins Studio, der nichts auf die Reihe kriegt, um nachher kein Geld mehr \u00fcbrig zu haben. Die Versionen klingen mit 4-Spur aufgenommen total gut und deshalb sind sie auch in dieser Form auf der Platte.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Christofer Uhe:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Au\u00dferdem haben wir diese Homerecording- Geschichte schon zu Zeiten der Speedniggs durchgezogen, nur hat das damals noch keinen interessiert. Es ist keine Anpassung an den Trend eine &#8222;Low-fi&#8220;-Aufnahme zu machen! Die Speedniggs-Alben wurden mit total geringen Mitteln in nur drei Tagen aufgenommen- bis auf die dritte; die h\u00e4tten wir auch gleich einstampfen sollen (lacht!)&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Die N\u00e4he zu den Vorbildern der Post-Punk-Bands der Mitte-Achtziger ist , trotz der Einw\u00e4nde von Mark nicht von der Hand zu weisen. Die Stimme Christofer Uhes erinnert doch sehr an die des jungen J.Mascis und au\u00dferdem singt man auf Englisch mit leicht amerikanischen Akzent.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Das mach ich schon seit meiner Jugend. Es gibt f\u00fcr mich keinen Grund auf deutsch zu singen &#8211; ich kann das auch gar&nbsp;nicht. Ich habe auch keine Message wie Jochen Diestelmeier von Blumfeld oder Thomas Lewin von Cpt. Kirk &amp;, die sich permanent mitteilen wollen. Versteh mich nicht falsch &#8211; Blumfeld ist eine meiner Lieblingsbands, aber ich denke, es ist gleich, ob meine Songs jemand in England, Deutschland, Amerika oder Holland h\u00f6rt- wenn sie jemand verstehen will, dann versteht er sie auch. Es kommt auf die Musik an. Das ist wohl auch der Grund warum Blumfeld in England so gro\u00df rausgekommen sind. Sie machen einfach gute Musik! Mir w\u00fcrden Blumfeld auch mit englischen Texten gefallen.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Die musikalische Verwandtschaft ergibt sich bei Uhe als logische Konsequenz aus der Sozialisation:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Klar ist man von Dingen beeinflu\u00dft, die gerade hip sind; ich habe Dinosaur bis zur dritten Platte gemocht, aber meine Roots liegen doch eher bei Neil Young. Meine Eltern besitzen all diese Scheiben und ich habe sie als Achtj\u00e4hriger immer mitgeh\u00f6rt. Deshalb spiele ich keinen Punkrock &#8211; ich sah bisher keinen Grund gegen die Musik meiner Eltern zu rebellieren. Au\u00dferdem habe ich noch nie einen politischen Text verfasst, denn ich schreibe f\u00fcr mich. Wenn ich ein Problem mit mir herumtrage, geht es mir, nachdem ich einen Text \u00fcber die Schwierigkeiten geschrieben habe, meistens besser.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Am Ende unseres Gespr\u00e4chs gab Krite noch sowas wie eine &#8222;Top-Five of all Times&#8220; an, die Musik, die ihn u.a. dazu veranla\u00dft hatte eine Band zu gr\u00fcnden:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;F\u00fcnf Platten reichen wohl kaum aus, um die Vielfalt meiner Einfl\u00fcsse wiederzugeben, aber sicherlich geh\u00f6ren die &#8222;Blonde on Blonde&#8220; von Dylan, die Doppel-Live-LP von Velvet Underground, &#8222;Sister&#8220; von Sonic Youth und &#8222;You\u00b4re Living All Over Me&#8220; von Dinosaur Jr. dazu. Im Moment h\u00f6re ich ganz andere Musik, die mich beeinflu\u00dft, die \u00fcberhaupt nichts mit meinen eigenen St\u00fccken zu tun haben, wie z.B. Tocotronic, oder eben Blumfeld.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Das Konzert anschlie\u00dfend war f\u00fcr die Freunde des melancholischen Gitarrenrocks in musikalischer Hinsicht ein Hochgenu\u00df . Optisch werden nur die wenigsten Zuschauer etwas mitbekommen haben, denn die &#8222;Haifischbar&#8220; ist das Gegenteil eines idealen Musikclubs und so standen Sharon Stoned auf gleicher H\u00f6he mit den Zuschauern und l\u00e4rmten um die Wette.<\/p>\n\n\n\n<p>Es w\u00e4re wohl eines der Konzerte in Saarbr\u00fccken geworden, wenn die r\u00e4umlichen Umst\u00e4nde dies nicht verhindert h\u00e4tten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es scheinen bessere Zeiten anzubrechen! Wenn eine Band wie Sharon Stoned ausgiebig tourt und noch (relativ) viel Unterst\u00fctzung von Seiten der deutschen Musikmedien erh\u00e4lt, gibt dies Anla\u00df zur Hoffnung f\u00fcr alle, die das &#8222;Mein Gott was sind wir so hart&#8220;-Ding satt haben. 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